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Rallyebeifahrerin Fabrizia Pons

Sie gibt den Ton an

Fabrizia Pons, Rallye-Quattro, Cockpit Foto: Arturo Rivas 9 Bilder

Die erfolgreichste Rallye-Beifahrerin der Welt kann es nicht lassen: Noch immer bestreitet Fabrizia Pons mehrere Rallyes im Jahr und ist ein Vorbild für viele Frauen im Motorsport.

18.12.2013 Dirk Johae

Anfang Februar 1981 klingelt bei Signora Pons in Turin das Telefon. "Mein Name ist Michèle Mouton", meldet sich überraschend eine junge französische Stimme. Fabrizia Pons glaubt zunächst an einen Scherz, als die Dame am anderen Ende ihr den Beifahrerplatz in ihrem Rallyeauto anbietet. Mouton hat damals bereits einen Namen: Vize-Europameisterin, Klassensiegerin in einem Sport-Prototyp beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans und aktuell mit einem Werksvertrag von Audi ausgestattet. Die 29 Jahre alte Französin wollte zunächst mit ihrer Landsmännin Annie Arrii starten, doch die erwies sich als zu unerfahren. Audi wünschte aber unbedingt eine weibliche Co-Pilotin als Idealbesetzung für das Werksteam.

Der Plan ging auf

"Die Anruferin damals war wirklich Michèle, die durch den Tipp eines italienischen Journalisten auf mich aufmerksam geworden war", erzählt Pons, die zum Zeitpunkt des Anrufs gerade mal zwei Saisons als Copilotin in Italien vorweisen konnte. Der Rest ist große Motorsport-Geschichte: Gleich beim ersten Einsatz Anfang März wird das Damen-Doppel Vierter bei der für beide unbekannten Portugal-Rallye und feiert nur sieben Monate später in Italien sensationell den ersten Erfolg: Es ist der erste Gesamtsieg eines Damenteams in einem Weltmeisterschaftslauf.

Fabrizia Pons als Dolmetscherin im Gespräch mit Ingenieuren und Mechanikern

Doch die zierliche Brillenträgerin Pons steht immer im Schatten von "Fräulein-Wunder" Michèle Mouton, die mit ihren Fahrkünsten, ihrem Temperament und der dunklen Lockenmähne die von Rallye-Machos beherrschte Welt aus den Angeln hebt. Der alte Rallyespruch "Der Kopf sitzt rechts" gilt allerdings auch im Frauen-Cockpit: Mouton fährt, den Rest regelt Pons. Da ihre Pilotin anfangs weder Englisch noch Deutsch spricht, übernimmt Fabrizia Pons sogar die Rolle der Dolmetscherin im Gespräch mit den Ingenieuren und Mechanikern. "Es war ein Traum", schwärmt sie.

Der nüchterne Blick nach vorn

Die fünf Jahre bei Audi haben den Rallyeprofi geprägt. Bei allem, was sie tut, zählt allein der nüchterne Blick nach vorn. Aussagen zu Eigenheiten und Qualitäten von Michèle Mouton wie auch anderen Fahrern lehnt sie ab: "Ich habe sie damals nicht miteinander verglichen und bleibe dieser Linie auch heute treu", betont sie und schickt hinterher: "Michèle und ich sind immer noch gute Freundinnen."

Gemeinsam mit ihrer ehemaligen Pilotin engagiert sich Pons im Weltmotorsportverband FIA für die Förderung von Frauen im Motorsport. "Es geht uns nicht nur um die Unterstützung von Fahrerinnen allein, sondern von Frauen in allen Bereichen", so Pons.

"Harald, du fährst aber richtig schnell, oder?", fragt sie Teamkollege Demuth

Bei der Verbandspolitik ist Pons so rührig wie im Rallyeauto. Als Audi bei ihr anfragt, ob sie mit Harald Demuth die historische Veranstaltung "Rallylegend" bestreiten möchte, sagt sie zu, verabschiedet sich schnell, um bei Demuth anzurufen. Der Motor Pons springt sofort an: einmal Profi, immer Profi. "Ich habe nie einen anderen Beruf erlernt, dazu hatte ich keine Zeit", sagt Pons. Von Demuth, mit dem sie 1985 eine Rallye im Audi Quattro bestritten hat, will sie noch am Telefon wissen: "Harald, du fährst aber richtig schnell, oder?" Nur fürs Spazierenfahren nach San Marino zu reisen empfindet sie nach fast 40 Jahren im Rallyesport als Zeitverschwendung.

Die Fans erkennen Fabrizia Pons auch noch nach 40 Jahren

Die Fans im großen Fahrerlager jedoch erwarten vor dem schnellen Fahren eine ausdauernde Schreibhand: Auf rund 500 Autogrammkarten setzt Fabrizia Pons ihre Unterschrift, dazu auf ungezählte Privatbilder und Bücher. Ihre Beliebtheit scheint ungebrochen: "Ich bin sehr überrascht", stellt sie fest. Da ist es zu verschmerzen, dass der originale Rallye-Quattro ausgefallen ist.

Im Gespräch verrät die Beifahrerin, dass sie aber doch noch Muße für ein Hobby findet. Seit vielen Jahren singt sie in einem Turiner Chor. "Das merkt man auch im Auto", bemerkt Harald Demuth, der sich mit ihr auf Englisch verständigt. "Den Aufschrieb trägt sie sehr angenehm vor und variiert dabei ihre Stimme." Alles erledigt Fabrizia Pons auf ihre Art und richtet sie ihren Blick stets nach vorn: Auf einen Rückspiegel kann sie verzichten.

Fabrizia Pons
gewann als Beifahrerin an der Seite von Michèle Mouton vier Rallye-Weltmeisterschaftsläufe und wurde mit einem Werks-Audi 1982 Vize-Weltmeisterin. Dazu ist die 58-Jährige die einzige Frau, die sowohl als Fahrerin wie auch als Beifahrerin eine Top-Ten-Platzierung bei einem WM-Lauf erzielte: 1978 wurde sie am Steuer eines privaten Opel Neunte bei der Rallye San Remo. 1986 beendete sie vorerst ihre Karriere. Acht Jahre später kehrte sie als Copilotin von Ex-Weltmeister Ari Vatanen zurück und gewann 1997 mit ihrem Landsmann Piero Liatti die Rallye Monte Carlo. Letzter großer Erfolg: Dritte bei der Dakar 2003 mit Jutta Kleinschmidt im VW.

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