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Kubica und Ogier im Doppel-Interview

"Die denken, wir sind alle irre"

Sébastian Ogier, Robert Kubica, Porträt Foto: Rossen Gargolov 6 Bilder

Die beiden größten Stars der Rallye-Szene, Weltmeister Sébastien Ogier und das frühere Formel-1-Ass Robert Kubica, plauschen über Tempo, Unfälle, das leichte Leben und hartes Lernen.

09.08.2014 Markus Stier
Herr Ogier, Robert Kubica weiß, wie sich ein Rallye-Auto fährt. Würden Sie gerne mal einen Formel 1-Renner fahren?

Ogier: Ich habe leider keinen.

Kubica: Ich habe einen, und zwar das Auto, mit dem ich zum ersten Mal aufs Podium fuhr. Ich habe nur leider keinen Motor dafür. Ich fürchte auch, ich passe da nicht mehr rein. Bei dir könnte es gehen.

Ogier: So schlank bin ich gar nicht. Ich würde es aber wirklich gern probieren, um das Gefühl mal zu erleben. Aber eigentlich nicht mit einem aktuellen Formel 1. Ich denke, die Autos waren früher schneller.

Kubica: Keine Angst, die sind heute immer noch schnell.

Ogier: Was ich dich schon lange fragen wollte: Was vermisst du eigentlich so an der Rundstrecke?

Kubica: Dieses extreme Streben nach Perfektion. Du arbeitest mit einem riesigen Team und einer Menge Leute pausenlos an vielen kleinen Details. Das Gleiche auf der Strecke: In der Formel 1 können drei Zehntelsekunden den Unterschied zwischen top oder gar nichts ausmachen. Im Rallye-Sport hast du da immer noch eine Chance. Ich vermisse die Formel 1 tatsächlich noch sehr, aber ich hatte gute Gründe für das Rallye-Fahren.

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Interview mit Rallye-Fahrern Robert Kubica und Sébastian Ogier
auto motor und sport 15/2014
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Kürzlich fand der GP Kanada statt, und die TV-Sender zeigten wieder mal Ihren heftigen Unfall dort aus dem Jahr 2007. Erschrecken Sie diese Bilder?

Kubica: Ich schaue sie mir nicht an. Das hier ist Motorsport, und es gehört auch dazu, dass manchmal etwas schiefgeht. Das muss man akzeptieren.

Sie hatten einen noch schwereren Unfall im Rallye-Auto. Warum sind Sie jetzt in der Rallye-WM?

Kubica: Ich mochte Rallyes schon immer, und ich brauchte ein neues Ziel. Ich wollte beschäftigt sein. Wäre ich DTM gefahren, hätte ich zehn Rennwochenenden von Donnerstag bis Sonntag gehabt und vielleicht acht Testtage. Hier bist du bei jeder Rallye eine Woche lang sehr beschäftigt.

Ogier: Was willst du hier eigentlich erreichen?

Kubica: In diesem Sport zählt Erfahrung sehr viel. Mir ist klar, dass ich hier nie das Niveau erreichen kann, das ich in der Formel 1 hatte, aber ich versuche, möglichst nahe heranzukommen.

Herr Ogier, wäre für Sie ein Wechsel auf die Rundstrecke denkbar?

Kubica: Dafür ist er noch zu jung.

Ogier: Im Moment macht mir das Rallye-Fahren zu viel Spaß, und schließlich mache ich das ganz erfolgreich. Aber als Abwechslung gefällt es mir gut, mal ein GT-Rennen zu fahren. Le Mans könnte mich reizen, auch wenn es momentan eher nach einem Ingenieurswettbewerb aussieht. Auf der Rundstrecke muss ich noch viel lernen, aber ich glaube, es ist leichter.

Kubica: Weniger Kurven. Einfacher zu merken.

Herr Ogier, gibt es etwas, was Ihnen an Rennen besser gefällt als an Rallyes?

Kubica: Klar: das leichte Leben. Nicht um fünf aufstehen zu müssen.

Ogier: Was bei Rallyes wirklich nervt, sind die langen Verbindungsetappen. Und ich mag bei Rennen die Zweikämpfe.

Mit Kimi Räikkönen hat sich ja schon einmal ein Grand-Prix-Star mit mäßigem Erfolg im Rallye-Auto versucht. Herr Kubica, Ihr Teamchef Malcolm Wilson meint, es dauere fünf Jahre, um im Rallye-Sport an die Weltspitze zu kommen …

Ogier: Kimi war auf Schotter niemals so schnell wie du, Robert. Ich hatte bei meinem WM-Einstieg auch wenig Erfahrung und konnte in zwei Jahren große Fortschritte machen. Das kann Robert auch. Ich denke, in der Formel 1 ist die Konkurrenz auch noch härter. Da gibt es weniger Paydriver.

Kubica: Das würde ich nicht unbedingt sagen. Und es ist letztlich eine Frage der Definition. Wenn Ferrari einen spanischen Hauptsponsor hat und dann Fernando Alonso einkauft, könnte man – böse gesagt – auch ihn als Bezahlfahrer bezeichnen. Aber es gibt auch in der Formel 1 einige Leute, die ohne Geld nicht dort fahren würden.

Ogier: So wie Pastor Maldonado.

Kubica: Halt. Langsam.

Ogier: Maldonado ist doch wirklich kein guter Fahrer.

Kubica: Vorsicht!

Ogier: Im Ernst, der ist für mich ein kompletter … ich weiß nicht was.

Kubica: Wieder Vorsicht. Er hat immerhin ein Rennen gewonnen, davon gibt es nicht so viele. Und ehrlich gesagt: Wenn ich Teamchef wäre, würde ich auch einen Fahrer mit Geld einem mit mehr Talent vorziehen. Ich würde das Geld verwenden, um das Auto weiterzuentwickeln. Dann bist du konkurrenzfähiger.

Herr Ogier, wie sehen Sie die Formel 1?

Ogier: Mich beeindruckt vor allem das Tempo der Autos. Das gibt es nirgendwo sonst.

Kubica: Und die Reaktionen der Autos. Du musst das Lenkrad nur angucken, und schon lenkt das Ding ein.

Ogier: Die Formel 1 ist natürlich im Fernsehen viel präsenter. Rallyes sind da eher ein Fansport.

Kubica: Die Formel 1 ist so viel größer. Vor fünf Jahren hatten wir eine Wirtschaftskrise. Trotzdem bauen immer noch Veranstalter Rennstrecken und zahlen Hunderte von Millionen Dollar, um in den Grand-Prix-Kalender zu kommen.

Herr Ogier, können Sie Robert Tipps geben?

Kubica: Vor allem auf der Straße bleiben.

Ogier: Er weiß schon selbst, wie man schnell fährt. Und keine Sorge: Ich bin 2009 auch ständig von der Straße geflogen.

Kubica: Ich muss noch viel an meinem Aufschrieb arbeiten. Die Pacenotes sind in diesem Sport fundamental. Du kannst das beste Auto haben, ohne Aufschrieb bist du nirgends.

Ogier: Da hast du recht. Ich hatte das Glück, dass ich in meiner Anfangszeit in der WM von Sébastien Loeb lernen konnte. Wir können ja nur zwei Mal langsam die Prüfungen abfahren, in der Formel 1 kannst du 100 Runden abspulen.

Kubica: Stimmt. Und in der Formel 1 hast du massenhaft Daten. Du kannst sie analysieren, mit denen deines Teamkollegen vergleichen. Dann kannst du versuchen, eine Kurve einen Tick schneller zu fahren, und sehen, ob es geht.

Aber im Rallye-Sport gibt es ja auch Tests. Hilft das nichts?

Kubica: In Schweden habe ich den zweifachen Weltmeister Marcus Grönholm aus Finnland eingeladen, mir das Fahren auf Schnee beizubringen. Nach zwölf Durchgängen neben mir im Auto hat er gesagt: "Ich bin umsonst gekommen. Du kannst schon alles." Aber die Situation beim Testen ist eine völlig andere, weil du irgendwann die Strecke auswendig kennst. Wenn du bei der Besichtigung nur zwei Mal mit Tempo 60 über eine Strecke rollst, und bei der Rallye kommst du da mit 160 angeflogen, sieht die Welt ganz anders aus.

Wer sind die größeren Helden: Grand-Prix-Piloten oder Rallye-Fahrer?

Ogier: Ich habe großen Respekt vor Leuten wie Robert. In der Formel 1 denken sie dagegen, wir Rallye-Fahrer wären alle irre.

Kubica: Das ist wie Basketball und Volleyball zu vergleichen, es sind verschiedene Sportarten. 2012 hatte ich auf einem Flugfeld einen Asphalt-Test mit Ford und war schneller als die Werksfahrer. Teamchef Malcolm Wilson war sehr beeindruckt, aber ich habe gesagt: "Was hast du erwartet? Du hast mich in meinem Dschungel ausgesetzt. Da kenne ich mich aus. Wäre aber auf Schotter gefahren worden, wäre ich gegen deine Jungs im Nirgendwo."

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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