Schumi Kart: Meister-Kurs

Ortstermin mit Michael Schumacher auf der Kartbahn in Kerpen: Der Ex-Weltmeister und die von auto motor und sport geförderten Fahrer Marcel Lipp und Mario Farnbacher haben den Titel in der Kart-DM fest im Visier.

Ein kurzes Quietschen der Räder, dann prasselt der Kies. Der hoffnungsvolle Nachwuchs- Kartfahrer war wohl allzu optimistisch beim Bremsen. In der Auslaufzone kommt der kleine Renner zum Stehen, höchstens fünf Meter daneben steht Michael Schumacher. Der siebenfache Weltmeister zuckt kein bisschen, und er macht auch keinen Schritt zur Seite. Er hebt nicht mal eine Augenbraue. Schumacher kennt sich eben aus auf der Kartbahn Kerpen - auch mit den kleinen, harmlosen Missgeschicken.

Der erfolgreichste Rennfahrer der Welt ist zu Besuch auf jener Piste, auf der alles begann, auf der 1.100 Meter langen, in einem idyllischen Tal gelegenen Bahn, wo Vater Rolf einst als Platzwart fungierte, Mutter Elisabeth in der Imbiss-Stube die Pommes frittierte und die Buben Michael und Ralf ihre ersten Kilometer im Kart fuhren.

Als Mitbesitzer des Kart-Teams KSM, so benannt nach den Initialen der Inhaber Peter Kaiser, Michael Schumacher und Thomas Muchow, vertritt der Ex-Formel 1-Pilot bei seinen Stippvisiten geschäftliche Interessen. Zwei der KSM-Fahrer, die auch von auto motor und sport gesponserten Mario Farnbacher, 15, und Marcel Lipp, 19, haben den Titel in der Deutschen Kart-Meisterschaft im Visier.

Schumi nicht als Fahrlehrer

An diesem sonnigen Vorfrühlingstag demonstrieren Lipp und Farnbacher vor Schumachers Augen, wie Präzisionsarbeit von zwei Spitzenkönnern im 36 PS starken Kart auszusehen hat: Im Millimeterabstand flitzen die beiden über die Bahn, liefern sich scheinbar knallharte Duelle, und zwar ohne dass sich die Karts dabei auch nur hauchzart berühren. Schumacher nickt zufrieden, der Fotograf ebenfalls. "Ich sehe meine Rolle bei KSM nicht darin, den Jungs praktischen Fahrunterricht zu geben", sagt Schumacher. "Denn erstens können die beiden ja schon sehr gut mit dem Kart umgehen, und zweitens hat sich der Kartsport seit meiner Zeit enorm weiterentwickelt."

Mit anderen Worten: In puncto Fahrtechnik ist Schumacher nicht mehr voll auf Ballhöhe mit den Besten der Zunft. Was aber nicht heißt, dass er nicht alles wissen will: So erkundigt er sich bei Lipp und Farnbacher nach der seit einem Jahr erlaubten Vorderradbremse, die durch einen rechts an der Lenksäule montierten Hebel betätigt wird. "Sehr gewöhnungsbedürftig, speziell in langsamen Kurven bleibt gerne mal ein Rad stehen", sagt der 15-Jährige. "Aha", sagt der Ex-Weltmeister. Schumacher legt den Fokus seiner Arbeit auf Dinge wie das Umgehen mit Druck oder das Verarbeiten von Enttäuschungen. Ideal wäre es, sagt er, wenn die Jungs bei den Rennen so frei und unbeschwert fahren würden wie heute beim Test.

Kein Druck auf den Nachwuchs

"Wir wollen das Maximale aus ihnen herausholen. Das bedeutet, dass wir sie nicht unter Druck setzen, sondern dass wir sie unterstützen. Aber gewissen Belastungen muss man auch in deren Alter schon gewachsen sein. Sonst wird es später sicherlich nicht einfacher." Marcel Lipp, der in den letzten Jahren viel Pech hatte, rät Mentor Schumacher zu mehr Optimismus: "Solche Phasen gibt es im Leben. Das kann man auch positiv sehen. Entweder man zerbricht daran, oder man wird stärker." Der Saisonauftakt der Junioren verlief nach Maß: Beim Winterpokal in Kerpen holten sie drei Siege. "Ein guter Start ist wichtig", sagt Schumacher. "Aber um die Wurst geht’s erst später."

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Claus Mühlberger

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