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Silkway Rallye-Tagebuch - Teil 1

Schlaflos in Sankt Petersburg

Rallye Silkway 2010 Teil 1, Flughafen Sankt Petersburg Foto: Börries Jacques 20 Bilder

auto motor und sport hat Leser Börries Jacques auf eine Russland-Reise der besonderen Art geschickt. Der Hobby-Abenteurer wird die Silkway-Rallye als Gast des VW-Werksteam begleiten. Was er von St. Petersburg nach Sotchi erlebt, erfahren Sie in seinem Rallye-Tagebuch.

10.09.2010

Früh morgens ging es aus dem Freiburger Regen nach Sankt Petersburg, dem Startpunkt der Silkway-Rallye. Ich werde von einem Hotelmitarbeiter am Flughafen in einem offensichtlich in Westeuropa ausgemusterten Audi A4 abgeholt. Freundlich erklärt mir der Fahrer, dass es der erste trockene Tag seit langem sei. Später fällt mir dann ein, was das für das bevorstehende Abenteuer bedeuten kann: auf den ersten Etappen wird uns eher Matsch als Sand erwarten. Aber noch ist es nicht soweit.

Wir kämpfen uns den schnurgeraden Moskowskaya Prospekt entlang durch den dichten Verkehr in Richtung Norden ins Zentrum von Petersburg. Neben vielen alten russischen Autos und ausgemusterten europäischen Fahrzeugen fallen auch viele Neuwagen auf, überwiegend SUVs. Wahrscheinlich habe ich bisher noch nicht so viele BMW X6 gesehen wie alleine auf dieser Fahrt. Die Straße erinnert an die Karl-Marx-Allee in Berlin, von der Breite und vom Zuckerbäckerstil der Häuser.

Peter der Große allgegenwärtig

Weiter in der Innenstadt kommen wir an einigen Standbildern vorbei. Auf meine Fragen, wer denn jeweils dargestellt sei, kommt immer die gleiche Antwort: Peter der Große, Gründer von Sankt Petersburg. Gleich bei der ersten Brücke vermute ich, die Newa überquert zu haben, woraufhin der Fahrer in schallendes Gelächter ausbricht. Petersburg werde auch das Venedig des Nordens genannt und habe viele Kanäle, die Newa sei viel größer, womit er recht hatte.

Ein paar Brücken später überqueren wir dann tatsächlich die Newa, wodurch sich die nächsten Fragen aufdrängen: wie kommt das Kreuzfahrtschiff hier in die Innenstadt zwischen die Brücken? Ein heikles Thema für die Petersburger: bei den Brücken handelt es sich um Klappbrücken, die nachts bei Bedarf für bis zu zwei Stunden geöffnet werden, und zwar gleichzeitig. Da sich aber ein großer Teil der Stadt, in dem auch das Hotel der Silkway-Rallye liegt, auf der dahinter liegenden Insel befindet, ist dieser Zeitplan beim abendlichen Streifzug durch die Innenstadt zu berücksichtigen.

Hotel mit Parc Fermé-Atmosphäre

Am Hotel-Check-In treffe ich die Pressemannschaft von VW. Da ich morgens um 3:30 Uhr schon den Flughafenbus besteigen musste, bin ich müde und plane zunächst eine Mittagspause. Auf dem Weg ins Zimmer stelle ich jedoch fest, dass sich der Parc Fermé, in dem sich langsam die verschiedenen Silkway-Rallye Teams sammeln und die letzten Vorbereitungen treffen, direkt hinter dem Hotel vor der Ostsee befindet. Damit ist an Schlaf nicht mehr zu denken. 

Ich verlasse das Hotel umgehend und inhaliere die ersten Züge Rallye-Luft. Neben den seriennahen Allradfahrzeugen und den Prototypen finden sich hier auch die Begleit-LKW, die Renn-LKW und die Motorräder ein, die an der Rallye teilnehmen werden. Die LKW sind an allen Seiten mit Ersatzreifen bepackt und  in den rollenden Werkstätten herrscht mehr oder weniger Ordnung: ein kleines russisches Team hat eine Werkstatt eingerichtet, die der heimischen Schrauber-Garage nicht unähnlich ist.

Russlands Rallye-Elite startbereit

Daneben steht das Wettbewerbsfahrzeug für die Silkway-Rallye, dessen Alter und Marke nicht auf Anhieb zu erkennen ist. Das im Reglement erlaubte Höchstalter für Wettbewerbsfahrzeuge von sechs Jahren dürfte aber mindestens um das Doppelte überschritten worden sein. Daneben eine Batterie von Kamaz-LKW, wie mit dem Lineal eingeparkt. Hier ähnelt die Ausstattung eher einer Flugzeug-Kombüse mit arretierten Schubkästen. Auch nach mehreren tausend Kilometern Offroad und einigen Sprüngen dürfte hier alles an seinem Platz bleiben.

Umrundet wird der Platz von einheimischen Verkaufswagen, die lokale Backspezialitäten sowie Heiß- und Kaltgetränke feil bieten. Dazu gesellen sich etliche Schaulustige. Um das Hotel, das fast ausschließlich von den Silkway-Rallye Teams belegt ist, nimmt die Geschäftigkeit zu. So überprüft das Ärzteteam die Ausrüstung der fünf medizinischen Begleitfahrzeuge ein letztes Mal. Auch in diesen Wagen ist die Sicherheitsausstattung mit Überrollbügel, GPS und Kommunikationseinrichtungen schon fest eingebaut.

Der Tag klingt mit einem gemeinsamen Abendessen des gesamten Teams und der Fahrer der Silkway-Rallye aus, die Brücken sind auf dem Heimweg noch nicht geöffnet.

Pflichttermine mit dem VW-Tross

Am nächsten Tag beginnt die Routine des Rallye-Alltages: Einschreiben und Akkreditierung, Pressefotos mit den Fahrern, Übernehmen unserer Fahrzeuge und Ausrüsten derselben: neben einem vollwertigen Reserverad (der Silkway-Rallye VW Touareg ist nur mit einem Notrad ausgestattet, was zusammengefaltet unter dem Kofferraumboden liegt und vor der Montage erst mit einem Kompressor gefüllt werden muss!) und der Biwak-Ausrüstung mit Zelten und Schlafsäcken werden Mobiltelefone und sogar Satellitentelefone verteilt.

Die nahezu voll ausgestatteten neuen Serien-Touaregs versprechen eine angenehme Fahrt während der Silkway-Rallye. Eine letzte Einweisung in die Fahrzeuge und das Roadbook runden die Vorbereitungen ab. Und plötzlich macht sich bei allen Mitgliedern des Presseteams eine Unruhe bemerkbar: Reisefieber macht sich breit und alle wünschen sich, doch schon unterwegs zu sein, auf den Pfaden der Silkway-Rallye.

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