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Silkway Rallye-Tagebuch - Teil 4

Von Folkloretänzen im Biwak

Silkway Rallye 2010 Teil 4 Foto: Kräling/VW 15 Bilder

auto motor und sport hat Leser Jacques Börries auf eine Russland-Reise der besonderen Art geschickt. Als Gast des VW-Werksteams begleitet er die Silkway-Rallye. Was Jacques auf dem Weg von St. Petersburg nach Sotchi erlebt, erfahren Sie in seinem Rallye-Tagebuch.

17.09.2010

Im Biwak campiert die Karawane, die täglich 500 bis 700 km weiter zieht. Dort wird den aktiven Teilnehmern sowie den Begleitteams eine umfassende Versorgung gewährt. Neben Essen - abends warm, morgens Frühstückspakete - gibt es Feldduschen und Waschgelegenheiten sowie Plumpsklos.

Übernachtung auf dem Flughafen

Aufgebaut wird das Biwak in der Regel auf Flughäfen, da diese gut erreichbar sind und problemlos Stellplatz für einige hundert Autos und Zelte bieten. Ferner fühlt sich niemand vom bis tief in die Nacht hinein ertönenden Motorenlärm gestört. Und die drei Flugzeuge des Veranstalters können hier landen, je eines für die Pressestelle und Medienvertreter, die für die Rallyeleitung und für die ärztliche Versorgung. Auch die Hubschrauber für TV-Aufnahmen und für die Rallyeleitung können hier aufgetankt werden. Während der Silkway-Rallye wurden überwiegend Militärflughäfen für das Biwak genutzt.  An den einzelnen Orten werden die Teilnehmer bei der Ankunft im Biwak häufig mit Darbietungen lokaler Folklore begrüßt. In Elista wurde zur Begrüßung der Sieger ein Volkstanz aufgeführt, jeweils ein weisser Seidenschal um den Hals der Fahrer gelegt und ein Becher Kamelmilch angeboten.
 
Hinter dem Erfolg eines Rallyefahrers steht eine Mannschaftsleistung. Hier ist natürlich der schon erwähnte Beifahrer zu nennen, der die Navigation übernimmt. Außerdem gibt es das Service-Team. Dessen Aufgabe beginnt mit der Vorbereitung der Autos direkt vor der Wertungsprüfung, nachdem die Strecke vom Biwak bis zu diesem Punkt zurück gelegt wurde. Um rechtzeitig an diesem Ort zu sein, muss die Abfahrt ca. zwei Stunden vor den Rallye-Autos erfolgen. Ein anderer Teil des Teams nimmt die Fahrer nach der Wertungsprüfung in Empfang und steht hier für die technische Unterstützung zur Verfügung. Der Großteil des Teams fährt aber direkt an den Zielort und baut dort das Biwak auf.

Eine Stadt in der Stadt

Das VW-Team ist im Biwak eine Stadt in der Stadt: Es gibt einen Koch, einen Arzt, einen Physiotherapeuten, Logistiker, Pressemitarbeiter, Lkw-Fahrer und natürlich die vielen technischen Mitarbeiter: Ingenieure und Mechaniker. Die rollenden Werkstätten haben alles dabei um jedes Teil des Autos auszutauschen, wenn erforderlich oder vom Fahrer aufgrund von Besonderheiten der Strecke gewünscht. Zum Teil wird sogar Kraftstoff mitgeführt, da zu befürchten ist, dass mit Kraftstoff von möglicherweise geringerer Qualität nicht die möglichen Höchstleistungen erzielt werden können.

Die Fahrzeugwartung läuft zunächst ähnlich wie bei einem Werkstattaufenthalt mit dem privaten Pkw ab: Der Fahrer bespricht mit dem Renningenieur Auffälligkeiten und Wünsche, die während der letzten Etappe aufgetreten sind. Hier können andere Einstellungen z.B. der Bremse oder des Fahrwerkes festgelegt werden. Der Datenrekorder mit technischen Messwerten wird ausgelesen. Danach wird der Wartungsumfang festgelegt, wie bei der "Dialogannahme". Soweit die Parallelen. Die Unterschiede liegen bei dem tatsächlichen Umfang der Arbeiten und in der Geschwindigkeit. So werden z.B. die vier Antriebswellen regelmäßig ausgebaut und überprüft.

Gründliche Kontrolle ist ein Muss

Alle Arbeiten werden bei Ankunft des Teams im Biwak vorbereitet und beginnen sofort, wenn das Auto eingetroffen ist. Nachdem die Rallye-Patina in Form von Staub und Schlamm abgewaschen wurde, werden alle Hauben und Räder entfernt, der Staub ausgeblasen, und eine Checkliste abgearbeitet, auf der eine Sicht- und Funktionsprüfung aller relevanten Teile aufgereiht ist und per Kürzel als erledigt zu dokumentieren ist. Es arbeiten je nach Team-Größe sechs oder mehr Mechaniker gleichzeitig am Auto, ferner stehen Carbontechniker zur Reparatur der Karosserie und andere Spezialisten zur Verfügung. Diese "Wartung" dauert, je nach Umfang zwischen drei und sechs Stunden, in Einzelfällen auch länger.

Es schließt sich eine Probefahrt an, die der Renningenieur zusammen mit einem Techniker macht. Hierbei wird zunächst das Auto warm gefahren und gebremst, dann werden alle Funktionen in verschiedenen Geschwindigkeitsbereichen auf und abseits der Straße überprüft. Erst wenn die Probefahrt zur Zufriedenheit aller verlaufen ist, werden die Werkzeuge verstaut, denn am nächsten Morgen geht’s früh weiter.

Begegnung mit Kamelen

Von Wolgograd aus starten wir wieder sehr früh, denn wir möchten um 8:00 Uhr in Astrakhan sein: hier wird uns ein Militärhubschrauber in ein Dünenfeld fliegen. Auf der Fahrt durch die karge Steppenlandschaft begegnet uns eine Kamelherde. Zwei Piloten und ein Bordmechaniker begrüßen uns auf dem Flug, in der wenig vertrauenerweckenden Maschine. Nach etwa einer Stunde kommen wir über größer werdende Sandfelder. Bald kommen die ersten Autos, hüpfen über die Dünen, spektakulär. Dann fährt sich ein Mitsubishi fest und muss ausgegraben werden. Ein Kamaz-Lkw, der einen anderen Weg als die anderen Autos nimmt, wird im Sucher der Kamera immer größer. Als er das ganze Bild ausfüllt, treten wir noch rechtzeitig die Flucht zur Seite an.

Abends fahren wir in die Stadt Astrakhan, die von mehreren Armen der Wolga durchschnitten wird. Hier beginnt das große Mündungsdelta der Wolga, bevor sie in das kaspische Meer fließt. Es gibt einige ältere Häuser, von denen viele schon liebevoll renoviert wurden. Unser Hotel liegt an einer langen, frisch renovierten Uferpromenade. Die noch hoch stehende Sonne und die milde Luft verbreiten ein mediterranes Flair. In der Abendsonne ist die Promenade von herausgeputzten flanierenden Päärchen und jungen Familien hoch frequentiert.

Nächste Etappe führt nach Elista

Die nächste Tagesetappe führt nach Elista, dem Tor zum Kaukasus. Auf der Suche nach einem Ort die Rallye zu fotografieren gehen wir das Roadbook durch und werden in der Nähe des ersten Zeitnahmepunktes fündig. Um hierher zu kommen können, sind wir auf den Straßenatlas angewiesen. Bisher kannte unser Navi noch die Hauptstraßen, jetzt kann es uns lediglich noch die Himmelsrichtung zeigen. Der konstante Südwind von etwa acht Windstärken übernimmt diese Aufgabe jedoch ebenso zuverlässig. Weniger Verlass ist auf die Karte, denn die geplante Route entpuppt sich als in Planung befindlich, aktuell findet sich eher ein Feldweg denn eine Straße. Zu unserer Überraschung kommen wir nach 30 Kilometern an die gesuchte Querstraße, die sich in exzellentem Zustand befindet, so dass wir den Zeitkontrollpunkt lange vor dem Teilnehmerfeld erreichen. Hier fahren die Rallyeautos am Ufer eines austrocknenden Sees entlang, so dass ein paar schöne Schnappschüsse gelingen. Am Ziel der Etappe können wir noch den Empfang des Tagessiegers am Ziel erleben.

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