Skoda Fabia Super 2000 im Tracktest: Driftspaß in Skodas Rallye-Überflieger

Skoda Fabia Super 2000

Vor dem Fahrspaß im 270 PS starken Skoda Fabia Super 2000 steht ein strapazierfähiges Konto. Für rund eine Viertelmillion Euro bekommt man ein ausgereiftes und blitzschnelles Rallyeauto, das in seiner Klasse State of the Art ist. Wir fühlten dem Rallyeboliden im Tracktest auf den Zahn.

Das sanftmütige Design, die meist eher maue Motorisierung und der liebenswürdig klingende Name: Der Skoda Fabia gehört zu den ganz Braven im Lande. Doch der kompakte Musterknabe aus Tschechien hat einen wilden Verwandten, der so gar nicht zu der biederen Sippschaft passen will.

Skoda Fabia Super 2000 unterscheidet sich von den WRC-Autos beim Motor

Skoda Fabia Super 2000 heißt der breitbeinig und stimmgewaltig auftretende Rabauke mit dem zweiten Vornamen, den wir zum Tracktest ausführen dürfen. Der Trainingsanzug steht dem allradgetriebenen Fabia ausnehmend gut. Mit seinen stämmigen Kotflügelverbreiterungen, den grimmigen Kühllufteinlässen und den 18-Zoll-Rädern wird aus dem friedfertigen Gleiter ein extrovertierter Kraftwürfel.

Im Jahr 2009 baute Skoda-Sport 16 Exemplare des Tracktest-Fabia Super 2000 für den Einsatz auf den Rallyepisten der Welt, in der International Rally Challenge (IRC) und in diversen nationalen Championaten wie der Rallye-DM. Vor dem letzten Lauf liegen die Skoda-Werksfahrer Matthias Kahle und Mark Wallenwein in der DM auf den Plätzen eins und fünf. Von den World Rally Cars (WRC), der Topliga in der WM à la Citroën C4 WRC oder Ford Focus WRC, unterscheiden sich Super 2000-Auto vor allem beim Motor.

Der Hubraum beträgt zwar hier wie dort zwei Liter. Aber während die WRC-Motoren durch einen mächtigen Turbolader auf 320 PS und - wichtiger noch - auf 700 Newtonmeter Drehmoment aufgeblasen werden, begnügen sich die Super 2000-Sauger mit 270 PS und vergleichsweise mickrigen 250 Nm.

Saugmotor verlangt nach sehr viel Drehzahl

Verzagte Fahrer haben mit dem Skoda Fabia Super 2000 im Tracktest erstmal Mühe mit dem Saugmotor: Denn er verlangt nach Drehzahl, nach sehr viel Drehzahl. Unterhalb von 6.000 Umdrehungen herrscht die große Schlappheit in puncto Längsdynamik. Dabei brüllt der vierzylindrige Schreihals im Bug des Skoda Fabia S 2000 schon wie am Spieß, so als hätte er Sorge, durch eine ausschweifende Drehzahlorgie schlimm leiden zu müssen.

Vom Copilotensitz her schnarrt der sechsmalige Deutsche Rallyemeister Matthias Kahle in die Gegensprechanlage: "Erst schalten, wenn die rote Schaltlampe blinkt. Du fährst ja wie mit einem Turbo." Es kostet Überwindung, diesen Rat im Skoda Fabia Super 2000 im Tracktest umzusetzen. Doch der Mut zur Drehzahl wird belohnt. Ab 6.500/min geht es hurtig voran, die Gänge des sehr kurz übersetzten und eng gestuften, auf eine Höchstgeschwindigkeit von rund 180 km/h ausgelegten Sechsganggetriebes müssen im Sekundentakt nachgeladen werden.

Bremsen des Rallyeautos packen heftig zu

Oberste Regel: Wenn kein Gangwechsel ansteht, Finger weg von der Schaltkrücke, die ein bisschen an den historischen Renault 4 erinnert. Denn sobald man den Hebel des Skoda Fabia Super 2000 im Tracktest berührt, unterbricht ein Sensor die Zündung. So kann man unter Vollgas hochschalten - natürlich auch ohne die Kupplung zu treten. Das Zurückschalten funktioniert ebenfalls ohne Kupplung. Das ist sehr praktisch. Denn so hat man den linken Fuß frei zum Bremsen. Wie im Kart.

Die Bremsen packen heftig zu, fast ohne Leerweg. Auch ohne Bremsservo braucht es nur einen geringen Druck auf das Pedal. Eine enge Rechtskurve steht an. 90 Grad, kein Auslauf. Links lauert ein Graben. Zackig eingelenkt. Die BF-Goodrich-Sportreifen bauen erstaunlichen Grip auf. Der Fabia schiebt ein bisschen über die Vorderachse. Kurzes Zupfen an der Handbremse - und das Heck schwenkt in Fahrtrichtung.

Skoda Fabia Super 2000 verleitet sehr schnell zu frecher Gangart

Vollgas. Traktion? Dank Allrad im Skoda Fabia Super 2000 im Tracktest kein Thema. Lenkkorrekturen? Ein Kinderspiel. Nur 1,5 Umdrehungen sind es von Anschlag zu Anschlag. Innerhalb weniger Kilometer entwickelt sich zwischen dem Fabia und dem Gelegenheits-Rallyefahrer ein Vertrauensverhältnis. Der Super 2000 verleitet sehr schnell zu frecher Gangart - auch ein Verdienst der mechanischen Differenziale. "So ist das Auto gut berechenbar, es macht immer das Gleiche", sagt Kahle.

"Früher, beim Octavia WRC mit seinen elektronisch-hydraulisch gesteuerten Differenzialen, gab es schon mal Überraschungen." Mit dem Fabia ist Kahle wunschlos glücklich. "Testen?", sagt er. "Wieso testen? Ich wüsste nicht, was man an diesem Auto verbessern könnte."

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Claus Mühlberger

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