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Letzter Test vor Le Mans 2016

Das engste Rennen aller Zeiten?

Porsche 919 Hybrid - 24h Le Mans Vortest - 2016 Foto: Porsche 43 Bilder

Beim Vortest zum 24h-Rennen in Le Mans Anfang Juni holte sich Audi mit dem R18-LMP1 die schnellste Rundenzeit. Doch die Abstände zu den Gegnern Audi und Toyota waren gering. Viele Experten sind sich daher einig: 2016 könnte es in Le Mans zum engsten und spannendsten 24h-Rennen aller Zeiten kommen – wenn die Autos halten.

10.06.2016 Marcus Schurig Powered by

Speed ist die schärfste Waffe in Le Mans. Und beim Vortest zum 24h-Rennen in Le Mans feuerte Audi einen Warnschuss vor den Bug der Gegner: Audi-Werkspilot Lucas di Grassi verbuchte am Sonntagnachmittag des Vortests – der einzigen Möglichkeit für Teams, auf der Strecke in Le Mans testen zu können – eine Rundenzeit von 3.21,375 Minuten.

Werksteams beim Le Mans-Test nah beinander

Der Bestwert hielt für den Rest des Testtages, aber Porsche war nah dran: 9 Zehntelsekunden büßten die beiden Porsche 919 Hybrid auf Audi ein – eine Differenz von nur 0,297 Prozent. Auch Toyota fehlten mit dem TS050 Hybrid nur 1,8 Sekunden – und das japanische Werksteam fuhr noch nicht in der endgültigen Aero-Spezifikation, will sagen: da ist noch Luft nach oben.

"Das wird ein sauenges Rennen", prognostizierte Porsche-LMP1-Teamchef Andreas Seidl am Ende des Testtags. Die Gegner sahen es ähnlich: Bei Audi war man sichtlich stolz darauf, die schnellste Zeit beim Testtag verbucht zu haben, denn im Vorfeld der Sportwagensaison 2016 sorgten lange Verzögerungen und Haltbarkeitsthemen bei Audi für Testrückstand und Verdruss.

Und auch bei Toyota war man rundum happy: "Wir sind nach einem sehr mittelmäßigen Jahr 2015 nun definitiv wieder im Geschäft", bilanzierte LMP1-Technikchef Pascal Vasselon.

Audi R18 - 24h Le Mans Vortest - 2016Foto: Audi

Die Audi-Bestzeit war aber keineswegs die wichtigste Erkenntnis des Vortests, denn di Grassi profitierte von einer freien Runde und die Nachmittags-Session wurde nach einem Unfall 40 Minuten vor Schluss abgebrochen, so dass die Gegner nicht mehr kontern konnten.

Toyota knapp hinter Porsche und Audi

Das realistische Bild sieht so aus: Audi und Porsche sind nahezu gleich schnell, denn beide LMP1-Teams operierten rundenzeitentechnisch fast über den kompletten Testtag auf nahezu identischem Niveau. Die 4 Werksautos waren um selten mehr als 0,4 Sekunden getrennt. Wäre es noch schneller gegangen? Vermutlich ja, die LMP1-Teams lassen beim Testtag immer einen kleinen Puffer. Denn was man auf jeden Fall verhindern will, sind Unfallschäden so kurz vor dem Rennen.

Andererseits lag die Bestzeit von di Grassi nur knapp über der Vorjahres-Bestzeit – obwohl allen LMP1-Wettbewerbern über eine Reduktion der Energiemenge weniger Sprit und damit weniger Leistung zur Verfügung steht. Das hätte in Le Mans laut Simulation eigentlich 4,5 Sekunden pro Runde kosten sollen – doch die technische Weiterentwicklung hat die Einbremsung nahezu vollständig wieder ausgeglichen.

Auch Porsche hätte beim Vortest vermutlich nachlegen können, denn die Schwaben stellten bei den beiden bisherigen WM-Rennen in Silverstone und Spa immer das schnellste Auto. Wichtiger war den Ingenieuren aber, dass sie ihr Programm beim Vortest abspulen konnten: Feinjustierung beim Fahrwerkssetup, Aero-Scans, Trimmen der Aero-Balance und Optimierung der Reifennutzung, denn Triple-Stints sind beim Rennen in Le Mans Pflicht.

Teams legen Karten noch nicht offen

Jedoch bewegen wir uns hier bei der Analyse auf schlüpfrigem Terrain: denn kein LMP1-Hersteller will zeigen, wie der Reifenverschleiß wirklich ist. Ergo fuhren die Teams nur Mini-Stints, meist im Bereich von maximal 9 bis 10 Runden. Danach ging es zurück an die Box – so können Außenstehende nicht erkennen, ob die Reifen für mehrere Runs drauf bleiben oder getauscht wurden.

Doch jedes LMP-Team beobachtet die Gegner über Spotter genau, um festzustellen, ob die Autos beim Testtag die Box wieder auf den gleichen Reifen verlassen – und so Longruns simulieren. Aus Teamkreisen war das Folgende zu hören: die Longruns bei Audi waren ebenso top wie die Rundenzeiten, Ähnliches gilt für Toyota. Auch bei der zentralen Frage der Reifennutzung scheint also eine ziemliche Pattsituation vorhanden zu sein.

Bleibt in puncto Speed noch die Frage, wo Toyota steht. "Ich glaube, der Abstand wird sich noch ein wenig verkürzen, denn wir bringen noch ein paar neue Aero-Teile zum Rennen", so Toyota-TMG-Geschäftsführer Rob Leupen. "Porsche und vermutlich auch Audi werden bei der Rennpace einen Tick schneller sein als wir", glaubt Toyota-Technikchef Pascal Vasselon, Der Franzose taxiert den Rückstand auf eine Sekunde. "Aber damit sind wir im Rennen dran und können aktiv um den Sieg mitkämpfen."

Entscheidet die Zuverlässigkeit am Ende?

Speed ist die schärfste Waffe in Le Mans – jedoch nur dann, wenn man auch 24 Stunden ohne Probleme durchfährt. Beim Testtag verbuchte nur Audi einen Zeitverlust von 75 Minuten, weil ein Dämpfer an der Vorderachse fest ging und mühselig getauscht werden musste.

Porsche hat die Batterieprobleme von Spa offenbar gelöst, indem man auf die Vorjahres-Spezifikation zurückwechselte – und vermutlich ein wenig Performance opferte. Die Motorschäden bei Toyota in Spa gingen auf das Konto der speziellen Charakteristik in Spa und sollten in Le Mans nicht wieder auftauchen.

Audi hatte zu Saisonbeginn Probleme mit dem Verteilergetriebe für den Hybridboost an der Vorderachse – ob das Problem wirklich gelöst ist, sehen wir vermutlich erst im Rennen. Aber bei einem Marathon über die Ultradistanz von 24 Stunden bleiben immer Fragezeichen bei der Zuverlässigkeit. "Das Rennen wird 2016 über die Haltbarkeit entschieden", glaubt Porsche-LMP1-Teamchef Andreas Seidl.

In unserer Galerie haben wir die letzten Bilder von der Generalprobe für 24h Rennen in Le Mans 2016.

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