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30. Todestag von Stefan Bellof

Tod in Eau Rouge

Stefan Bellof - 1984 - GP Holland Foto: Wilhelm 14 Bilder

Der tödliche Unfall von Stefan Bellof 1985 in Spa-Francorchamps jährt sich am 1. September zum 30. Mal. Wir blicken aus diesem Anlass zurück auf eine viel zu kurze Karriere und das verhängnisvolle letzte Rennen in den Ardennen.

01.09.2015 Michael Schmidt

Der 1. September 1985 ist noch so präsent, als wäre er gestern gewesen. Dabei ist es schon 30 Jahre her, als der deutsche Motorsport eines seiner größten Talente verloren hat. Die Gruppe C hatte seit ihrer Einführung 1982 den zehn Jahre lang brachliegenden Sportwagensport wachgeküsst. Die Langstreckenklassiker von Le Mans, Spa, Monza oder Nürburgring erlebten eine Renaissance.

Porsche fuhr gegen Lancia und Jaguar und eine Horde von englischen Garagisten. Das Werk belieferte zahlreiche Kundenteams mit identischen Autos vom Typ 962, die durchaus siegfähig waren. Im Gegensatz zur Formel 1, wo sich Kohlefaser als Werkstoff für Chassis bereits durchgesetzt hatte, waren die Gruppe C-Renner mit ihren Aluminiumchassis rollende Zeitbomben. In der Rundenzeit standen sie einem Formel 1-Auto um nicht viel nach.

Bellof vor Wechsel in F1-Top-Team

Stefan Bellof bestritt 1985 seine zweite Saison beim Formel 1-Team Tyrrell. Die erste hatte mit Licht und Schatten geendet. Unvergessen war die Fahrt des Gießeners in Monte Carlo 1984 auf Platz drei. Die insgesamt fünf WM-Punkte aus seiner ersten Saison waren Bellof jedoch wieder gestrichen worden, weil sein Rennstall beim Schummeln erwischt wurde. Tyrrell fuhr mit untergewichtigen Autos, die kurz vor der Zieldurchfahrt bei einem Blitz-Boxenstopp auf das Mindestgewicht gebracht wurden. Man füllte Bleikügelchen unter Hochdruck in einen Wassertank.

1985 reichte es für Bellof immerhin noch zu 4 WM-Punkten, alle erzielt mit dem gegen die Turbos haushoch unterlegenen Cosworth V8. Erst ab dem GP Deutschland kam Bellof in den Genuss des Renault V6-Turbos, doch das in Eile auf den Turbomotor umgebaute Auto war ein schlechter Kompromiss. Trotz wenig zählbarer Ergebnisse hatte der Hesse genug gezeigt. Die Fachwelt stellte ihn mit Ayrton Senna auf eine Stufe. Bellof stand bei McLaren und Ferrari ganz oben auf dem Wunschzettel für die Saison 1986.

Doch dazu sollte es nicht kommen. Am verhängnisvollen 1. September nahm die Karriere in Spa-Francorchamps ein viel zu frühes Ende. Stefan Bellof kämpfte mit seinem Brun-Porsche 962 rundenlang gegen Lokalheld Jacky Ickx im Werksauto um die Führung. Ein Duell mit Brisanz: Alt gegen jung, Privatfahrer gegen Werkspilot, und das alles noch auf belgischem Boden.

Bellof-Unfall im Duell mit Jacky Ickx

Spa war das Wohnzimmer von Jacky Ickx. Klar, dass der GP-Sieger früherer Tage gegen den um 13 Jahre jüngeren Markenkollegen nicht nachgeben würde. Ein Unfall lag in der Luft, als die beiden Porsche Seite an Seite auf die Eau Rouge-Kurve zuflogen und keiner der beiden auch nur einen Millimeter nachgeben wollte.

In der Senke kollidierten die beiden Autos. Während Ickx in einem günstigeren Winkel weiter oben am Berg mit dem Heck voran in die Streckenbegrenzung einschlug, donnerte Bellof nach einer 360 Grad-Pirouette fast frontal gegen das gemauerte Fundament der Tribüne an der Außenseite der Kurve. Der Gießener starb noch im Streckenhospital.

Auch 30 Jahre nach dem tödlichen Unfall ist das Schicksal Bellofs unvergessen. Trotz seiner kurzen Karriere und den damit verwehrten Erfolgen auf der großen Bühne war Bellof sofort zum Liebling der Fans aufgestiegen. Er war ein Mann des Volkes, bodenständig im Auftreten, unangepasst in seinen Äußerungen. Im Cockpit war er furchtlos und leidenschaftlich - ein echtes Vollgastier.

Auch bei der heutigen Rennfahrergeneration ist der Name Bellof noch längst nicht in Vergessenheit geraten. Le Mans-Sieger Timo Bernhard, als Porsche-Werksfahrer praktisch ein direkter Nachfolger, erinnerte erst kürzlich mit einer besonderen Aktion an den vor 30 Jahren verstorbenen Piloten. Beim WEC-Lauf in Spa war Bernhard mit dem auffälligen Helmdesign von Bellof unterwegs.

Nordschleifenrekord hat weiter Bestand

Zur Legendenbildung Bellofs hat sicher auch der noch immer bestehende Rekord auf der Nürburgring-Nordschleife beigetragen. Am 28. Mai 1983 fuhr der Hesse im Training zum 1.000 Kilometer Rennen im Porsche 956 eine Pole Position-Runde in 6:11,13 Minuten. Eine Zeit, die nie unterboten wurde. Kritiker weisen an dieser Stelle gerne darauf hin, dass die Strecke wegen Bauarbeiten damals auf 20,832 Kilometer verkürzt worden war. Es ist bis heute jedoch die einzige Runde mit einem Schnitt von mehr als 200 km/h.

Mit Bellofs Unfall gut 2 Jahre später starb auch die Hoffnungen der Motorsportfans, die endlich wieder einen deutschen Fahrer in einem konkurrenzfähigen Formel 1-Auto sehen wollten. Sie mussten noch 6 Jahre warten, bis ausgerechnet in Spa der Stern von Michael Schumacher aufging.

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