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Toyota TS040 Hybrid im Technik-Check

Diesmal nur Geheimfavorit

24h Le Mans 2015 - Scrutineering - Technische Abnahme - Toyota TS040 Hybrid Foto: Toyota Motorsport 28 Bilder

Wo stehen die vier LMP1-Autos von Toyota, Audi, Porsche und Nissan kurz vor dem 24h-Rennen in Le Mans? Toyota wartet immer noch auf den ersten Gesamtsieg in Le Mans. 2015 stehen die Vorzeichen nicht so gut wie noch im letzten Jahr – aber abschreiben sollte man die Japaner auf keinen Fall. In unserem Technik-Check analysieren wir die Stärken und Schwächen des Toyota TS040 Hybrid.

10.06.2015 Marcus Schurig Powered by

Im letzten Jahr gewann Toyota beide WM-Titel gegen die starke deutsche Konkurrenz von Porsche und Audi – fraglos ein großartiger Triumph, zumal das Budget der Japaner mit geschätzt knapp über 80 Millionen Euro bestenfalls halb so groß ist wie das der deutschen Widersacher. 2014 hatte Toyota in der LMP1-Klasse ein überlegenes Technikpaket: guter Speed, hohe Systemleistung aus Verbrenner rund Hybrid und der exzellente Reifenverschleiß ließen den TS040 Hybrid phasenweise unbezwingbar erscheinen. Nur in Le Mans hatte Toyota 2014 kein Glück: ein Auto wurde bei einem Unfall bei einsetzendem Regen aufgerieben, der zweite Toyota lag lange in Führung, bis ein Kabelbrand die Show an der Spitze beendete.

In diesem Jahr stehen die Vorzeichen anders: zwar hat sich Toyota keineswegs auf die faule Haut gelegt – im Schnitt war man bei Testfahrten und Rennen circa zwei Sekunden pro Runde schneller als 2014 –, doch die Entwicklungsrate der Gegner lag deutlich höher, womit Toyota quasi überlaufen wurde. "Diesen Entwicklungssprung haben wir so nicht vorausgesehen“, gibt ein Toyota-Ingenieur zu. Zu Deutsch: Audi und Porsche sind bei der Leistung an Toyota vorbeigezogen, Porsche hat Toyota bei der Hybridpower überholt und Audi hat Toyota bei der Aero-Entwicklung abgehängt. Der Toyota TS040 Hybrid ist immer noch ein schnelles Auto – wie die Renn-Pace beim WM-Lauf in Silverstone bewies –, aber über den Speed wird Toyota in Le Mans sicher nicht gewinnen. Vielleicht ist das kein schlechtes Omen: Immer dann, wenn Toyota als Favorit nach Le Mans kam, verlor man das Kult-Rennen an der Sarthe. "Vielleicht ist es dieses Jahr andersherum“, hofft TMG-Boss Rob Leupen.

Antrieb / Motor

Der Hauptgrund für den Rückfall hinter die deutsche Konkurrenz ist auch beim Motor zu finden: der 3,7-Liter-V8-Saugmotor mit 90 Grad Bankwinkel ist ausgereizt, da gab es nur noch wenig Spielraum für Verbesserungen, während zum Beispiel Porsche den eigenen Vierzylinderturbomotor für 2015 stark weiterentwickelte und ordentlich Leistung fand. Ein zweiter Schwachpunkt des Toyota-V8-Motors besteht darin, dass er auf hochgelegenen Strecken deutlich an Leistung verliert, so in Fuji, Sao Paulo oder auch beim letzten WM-Lauf in Spa, was die schwache Vorstellung von Toyota in Belgien zum Teil erklärt. Weil auch das Hybridsystem bei seiner Boost-Leistung unverändert blieb, zog besonders Porsche, aber auch Audi an Toyota vorbei. Eine Simulation von Toyota hat ergeben, dass man sich zwar mit über 1.150 PS Systemleistung leicht verbessert hat, Porsche aber wohl über deutlich mehr als 1.300 PS verfügt. 

Hybridsysteme

Toyota hat zwar für 2015 den Energiespeicher überarbeitet, mehr und leistungsstärkere Superkondensatoren im Auto verstaut, um die Boost-Grenze von 6 MJ voll und über die Renndistanz konstanter ausschöpfen zu können als noch im Vorjahr. Doch Audi hat die Boost-Kapazität von 2 auf 4 MJ erhöht, womit sie über den Gewichtsausgleich für die Diesel-Technologie nun de facto in der 6-MJ-Klasse fahren, und Porsche hat mittels eines stark überarbeiteten Batteriekonzeptes den Output auf 8 MJ erhöhen können. Zu Deutsch: bei Toyota hat sich nichts getan, bei den Gegnern schon. Zusammen mit der Tatsache, dass beim V8-Motor keine Leistungssprünge mehr drin gewesen sind, ist Toyota in Summe also klar zurückgefallen. "Die fehlende Leistung im Vergleich zu den LMP1-Gegnern ist unser Hauptproblem“, gibt Technikdirektor Pascal Vasselon unumwunden zu.

Fahrzeugkonzept / Aerodynamik

Der Toyota TS040 ist nichtsdestotrotz nach wie vor ein schnelles Rennauto. Chassismäßig ist man vorne mit dabei, und wenn man beim Reifenverschleiß zu alter Stärke zurückfinden kann, dann ist man in Le Mans sicher nicht chancenlos. Der Toyota TS040 verfügt über einen geringen Luftwiderstand, was auf den fünf langen Geraden in Le Mans helfen sollte – sowohl bei den Topspeeds als auch beim Verbrauch. Die LMP1-Gegner vermuten, dass Toyota mit einer Tankfüllung eine Runde länger fahren kann als Audi, was ein Pluspunkt wäre. "Wir müssen unsere strategischen Möglichkeiten voll ausschöpfen, um am Ende ein Wörtchen um den Sieg mitzureden“, so Vasselon zur Taktik. Dabei muss sich Toyota jedoch auf die Defensivwaffen des Motorsports verlassen: gute Strategie, guter Verbrauch, mehrere Stints auf jedem Reifensatz. "Und es würde und helfen, wenn der eine oder andere Regenschauer kommt“, so TMG-Boss Rob Leupen. Und noch ein Punkt kann 2015 ganz entscheidend sein: Bei Toyota behauptet man, bei der Zuverlässigkeit sortiert zu sein. Auf Grund der hohen Komplexität der modernen LMP1-Autos könnte diese Stärke in der Tat in Le Mans 2015 zum Joker werden – speziell wenn Audi und Porsche in diesem Bereich anfällig sein sollten.

Reifenverschleiß

Im letzten Jahr war Toyota die Benchmark beim Reifenverschleiß. Niemand im Fahrerlager glaubt, dass die Japaner den Vorteil über den Winter komplett eingebüßt haben. Die meisten Analysten sehen es so: Toyota hat aus verschiedenen Gründen die alte Stärke bisher noch nicht demonstrieren können. Daher haben sowohl Porsche als auch Audi Toyota auf der Rechnung. Die Japaner könnten zum Beispiel versuchen, das ganze Rennen konstant mit Vierfach- oder Fünffach-Stints zu absolvieren, und auch die Fahrer nur noch jedem vierten Stopp zu tauschen – um so Standzeit bei den Boxenstopps zu sparen. Ja, das sind die Defensivwaffen im Motorsport, aber wenn die Gegner in Probleme laufen, dann können diese Joker stechen – wie Audi in Le Mans oftmals bewiesen hat.

Fazit

Es gibt also noch Hoffnung für Toyota. In Silverstone war Toyota bei der Renn-Pace auf einem Niveau mit Porsche, beim Rennen in Spa kam trat man mit der falschen Aero-Spezifikation zum Rennen und verhaute obendrein das Setup, ergo ist das Rennen in Spa kein tauglicher Maßstab. Toyota braucht ein sauberes Rennen ohne Unfälle, eine gute Taktik sowie einen starken Reifenverschleiß, um eine Chance zu haben. Einen Nachteil kann man aber nicht Schön reden: Als einziger von vier LMP1-Herstellern tritt Toyota 2015 in Le Mans nur mit zwei Fahrzeugen an. Das ist ein klarer Fehler – und die Toyota-Bosse wissen das.

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