Tracktest Lexus LF-A: Schwarz-Brenner

Voraussichtlich erst Ende 2009 in Serie, als Prototyp schon beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring dabei: der über 500 PS starke Lexus LF-A.

Kaum ein anderes Auto hat vor dem Verkaufsstart einen so langen Anlauf gebraucht wie der Toyota LF-A. Der Supersportwagen startete zunächst als Showstar - nichts Besonderes für ein neues Automobil. Zwischen den Messen in Tokio und Detroit veränderte der LF-A aber immer wieder seine Optik. Doch nicht nur die Vorgeschichte des japanischen Supersportlers ist ungewöhnlich, sein jüngster Auftritt war es auch: Mattschwarz lackiert, verziert mit einigen Blenden und getarnt mit abgedeckten Leuchten fuhr ein Erlkönig vor den Augen von über 200.000 Zuschauern beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.

Während die Konkurrenz mit hochkarätiger Renntechnik auftrat, startete der Lexus weitgehend im Serientrimm - zumindest soweit es das Reglement erlaubte. Denn obwohl die Straßenversion ab 2009 mit Carbon-Bremsen auffahren soll, musste der LF-A am Nürburgring mit Stahlscheiben antreten. Außerdem bekam er einen 120 Liter fassenden Sicherheitstank sowie für die eilige Erprobungsfahrt einen soliden Überrollkäfig spendiert. Der Fahrer sitzt in einem formschlüssigen Schalensitz und wird im Cockpit mit breiten Sechspunkt-Gurten festgezurrt.

Japaner im Nordschleifen-Trimm

Damit der Kopf bei einem Crash nicht gegen das Seitenfenster prallt, gibt es seitlich einen Schutzvorhang, der den Seitenairbag ersetzen soll. Ein riesiger Heckflügel sorgt für den nötigen Anpressdruck an der Hinterachse. Auch Federn und Dämpfer sind speziell für den Husarenritt über den Nürburgring abgestimmt. Und wie fährt sich der japanische Prototyp? Zündung an, Zündschlüssel drehen - und der V10 im Bug meldet sich zum Dienst. Ein Flüsterer im Kreis der brüllenden Renntiere? Weit gefehlt.

Der 4,8-Liter-Motor vermag sich mit steigender Drehzahl die Tonleiter emporzuarbeiten. Von Arbeit kann hier eigentlich nicht die Rede sein, so leichtfüßig, wie die Rennmaschine nach oben dreht. In der Serie ist bei 9.000 Umdrehungen pro Minute Schluss, für den Dauerstress auf der Nordschleife beschränkte man sich freiwillig auf 8.600 Touren. Dann blitzt in der Mitte des Drehzahlmessers ein roter Kreis auf und mahnt den Chauffeur zum eiligen Gangwechsel. Die Gänge werden an Schaltwippen hinter dem Lenkrad sortiert: Rechts geht es rauf, links runter.

Etwas schwer aber sicher

Über die Leistung spricht man bei Toyota nicht gern. "500 PS plus", mehr lässt sich keiner entlocken. Wie sich "500 PS plus" anfühlen? Es ist erstaunlich, mit welcher Wucht der V10 den schwarzen Renner nach vorn katapultiert. Dabei ist der LF-A noch etwas übergewichtig. 1.500 Kilogramm bringt er auf die Waage, auf 1.350 Kilo dürfte er laut Reglement abspecken. Aber selbst auf dem Ring tritt er mit seinem Serien-Chassis an, einer Mischung aus Aluminium-Elementen und kohlefaserverstärktem Kunststoff. Etwas schwer zwar, aber aus Sicht der Toyota-Techniker für die Serie sicherer.

Die Serienpneus stecken die Beschleunigungsorgie verblüffend gelassen weg - auch ein Verdienst der ausgewogenen Balance: Der V10 ist weit hinten platziert, der erste Zylinder auf Höhe der Vorderachse. Das Getriebe wiederum ist an der Hinterachse angeflanscht. Die gute Gewichtsverteilung kommt auch dem Handling zugute. Der schwarze Sprinter kommt selbst aus engen Kehren mit einem leichten Übersteuern, aber leicht beherrschbar zur Sache. Schnelle Wechselkurven sind eher sein Metier.

Das Flügelwerk am Heck sorgt für ordentlichen Anpressdruck, und die Pneus krallen sich förmlich am Asphalt fest. Drängt das Heck bei Kraftüberschuss einmal in Richtung Kurvenaußenrand, dann lässt sich der LF-A mit einer flinken Lenkkorrektur und dem Gaspedal leicht dirigieren.

Kinderkrankheiten beim 24h-Rennen

Warum hat es bei diesen Anlagen beim 24-Stunden-Rennen nur für Platz 121 gereicht? Ein Ölleck am Getriebe und ein Radverlust haben viel Zeit gekostet. Aber die Toyota-Crew befindet sich ja noch in der Erprobungsphase. Im nächsten Jahr möchte sie wiederkommen. Man sucht auch schon nach einem siegerprobten heimischen Team. Denn die Zielsetzung ist klar: Binnen der nächsten drei Jahre soll ein Sieg in der Eifel her.

Ein wichtiger Promoter des LF-A ist Akio Toyoda, Spross der Gründerfamilie. Er soll einmal Nachfolger von Konzernchef Katsuaki Watanabe werden. Und er möchte die Marke emotional aufladen. Ein Sportwagen - oder mehrere - könnten bei diesem Unterfangen natürlich helfen. Toyoda fuhr 2007 selbst das 24-Stunden- Rennen am Nürburgring. Gerade wurde er zum weltweiten Vertriebschef ernannt. Ein Sieg beim 24-Stunden- Klassiker könnte die Karriere des LF-A ungemein beschleunigen. Seine eigene natürlich auch.

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Bernd Ostmann

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