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Transsyberia

Abgesang - nicht ohne Wehmut

Foto: Rebel Media 124 Bilder

"Ähnliches gibt es nirgends" - so lautet das Fazit von auto motor und sport-Weltenbummler Yörn Pugmeister. Die 7.100 Kilometern von Moskau nach Ulan Bator forderten Mensch und Material noch stärker als zuvor erwartet.

18.08.2007 Yörn Pugmeister

Abgesang der Transsyberia in Ulan Bator. Die Autos - oder das, was rollend von ihnen übrig geblieben ist - werden verladen. Für den Rückweg nach Deutschland. Auf der Bahn. Die Teilnehmer fliegen nach Hause - außer dem abenteuerlustigen Hans Bauer. Der Schwabe bringt seinen wertvollen Actros LKW per drei Achsen auf die Fildern: Er misstraut der Eisenbahn. Zwei Porsche Cayenne - das heißt ihre Reste - müssen wohl fern der Heimat verbleiben, als Totalschäden, schon ziemlich gefleddert. Einheimische haben sich an den Innereien der Wracks von Team Neuseeland und Armin Schwarz bedient.

Bilanz von Porsche-Einsatzchef Jürgen Kern: "Wir konnten nicht damit rechnen, dass so brutal mit den Autos umgegangen wird!" Ein Beispiel: Der Porsche-Service führte nur zwei Ersatz-Ölwannen mit, weil in diesem Bereich bei allen früheren Extrem-Testfahrten nie Schäden aufgetreten waren. Am Ende mussten 15 Wannen geklebt werden. Resultat dennoch: Drei völlig gesunde Cayenne Transsyberia liegen an der Spitze, wie es das Werk erhofft hatte. An der Spitze einer Wertungstabelle, über deren Entstehung man besser den Schleier des Erbarmens hängt. 33 Autos insgesamt sind gestartet, 31 verlassen die Mongolei - immerhin.

Außenseiter gegen Cayenne-Übermacht

Dass die beiden Suzuki Grand Vitara von Lars Kern und Katja Poensgen das Ziel weit vorne sahen, war weniger zu erwarten als der sechste Platz des Toyota Landcruiser der englischen Familie Garnham. Hans Bauer mit seinem ML 350 hielt sich bravourös, wasserte aber in der wichtigsten Speziale so gründlich, dass auch die dann folgenden drei Reifenschäden kein wirkliches Problem mehr wurden.

Über die Sonderrolle des Erik Brandenburg mit seinem Carrera wäre ein ganzes Kapitel zu schreiben. Die Bilder seines Co Stefan Preuß zeigen den herrlichen Safari-Boliden oft bis übers Dach im Wasser reißender Ströme. Dass der Sang Yong Rexon von Fritz Becker das Ziel - wenn auch nach einem 500 km-Schlepp hinter einem 25 km/h schnellen Unimog - erreichte, ist ein echtes Wunder. Dieses völlig überforderte Mobil hielt nur der eiserne Wille der Besatzung zusammen.

Ein Rallyeboss mit Ecken und Kanten

Alle Fahrer haben Landschaften gesehen, Eindrücke gesammelt, die man ihnen niemals mehr wird nehmen können. Das muss man Rallyeboss Richard Schalber ganz hoch anrechnen. Er hat seine Karawane bis an ihre Grenzen geführt, dickköpfig, rechthaberisch - aber ohne je zu zögern. Wenn Einzelne oder Autos zerbrachen, dann stand er da, ganz im Stil des unvergesslichen Dakar-Organisators Thierry Sabine, und kommentierte: "It’s a great event". Ohne Zweifel, Ähnliches gibt es nirgends, wird es wohl auch nie wieder geben.

Alle haben viel gelernt und für Porsche war das Ganze ein, zugegeben, aufwendiger Extrem-Test. Mit dem Beweis, dass die Cayenne Transsyberia wirklich superbe Konstruktionen sind. Nicht ein einziges Teil von 27 Autos kollabierte aus eigener Schwäche. Immer waren es die tollkühnen Männer in ihren für unzerstörbar gehaltenen Kisten, die ihre Geräte demolierten.

Unkalkulierbares Zerstörungspotenzial

Gut, vielleicht waren die Unterböden nicht auf die Extrembelastungen ausgelegt. Wenn ein 2,7-Tonnen-Auto mit 100 km/h auf einen Brocken gesetzt wird, dann treten Kräfte auf, die auch mutigste Konstrukteure nicht einkalkulieren können. Kräfte, die am Ende die unermüdlichen Mechaniker ausbaden mussten, indem sie ganze Nächte unter den Autos zu für sie endlosen Tagen machten.

Weniger gut - die Dunlop-Reifen. Aber auch da wieder Gegenargumente: Die drei ganz vorne liegenden Cayenne und sämtliche Mechaniker-Autos zusammen erlitten weniger Reifenschäden als die Besatzungen jener zwei, drei Bläser-Mobile, die mit Gewalt auf Spitzenplätze hin arbeiteten.

Abschlussfest in Ulan Bator

Am Abend der Siegerehrung im Hotel Mongolia kam noch einmal die gesammelte Exotik der vergangenen 17 Tage hoch. Viele Teilnehmer trugen die traditionellen Pickelhauben der mongolischen Naadam-Ringer, ließen Pokale glitzern - Zeichen des Angekommenseins. Die Pferdekopf-Geige schrillte, ein Mongole mit Helm tremolierte Sagen vom Großen Khan und das Khan-Bier floss. Abgesang der Transsyberia. Am Tor des Hotels saß ein gezähmter Steppenadler auf dem Arm seines Herrn. Er drehte den Kopf unter der Augen-Kappe in jene blaue Ferne, aus der wir gekommen waren.

Zum Transsyberia-Blog von automotor und sport-Weltenbummler Yörn Pugmeister.

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