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VLN vor Saisonstart

Neue Nürburgring-Lizenz sorgt für Diskussion

VLN 2015 - Langstreckenmeisterschaft Nürburgring - Nordschleife - Test- und Einstellfahrten - 14. März 2015 Foto: Robert Kah 81 Bilder

Nordschleifen-Lizenz, neue GPS-Gebühren und erhöhte Nenngelder für die Einstellfahrten – die VLN-Gemeinde braucht schon vor dem Saisonstart starke Nerven: Die drei Aufreger strapazieren den Geldbeutel von Teams und Fahrern.

26.03.2015 Bianca Leppert Powered by

Die Nordschleife hat es nicht leicht in diesen Tagen. Als wäre die alte Dame durch das Tauziehen von Politikern und inkompetenten Strategen nicht ohnehin schon gebeutelt genug, brauen sich die nächsten Gewitter zusammen. Wer momentan an der Planung seiner VLN-Saison 2015 sitzt, hätte wohl am liebsten ein Megafon auf dem Schreibtisch – um den Frust herauszubrüllen, mit dem sich viele Breitensportler herumschlagen. Wem sie das Megafon am besten ans Ohr halten, ist die große Frage. Für die aktuellen Probleme gibt es nicht einen Verantwortlichen, sie setzen sich aus mehreren Bausteinen zusammen.

DMSB in der Kritik

Am heftigsten diskutiert wird die neu eingeführte Nordschleifen-Lizenz, die auf Neudeutsch Nordschleifen-Permit genannt wird. Die ursprüngliche Idee dahinter: Neulinge nicht ohne Streckenerfahrung auf einem zu stark motorisierten Auto durch die Wälder der Eifel zu schicken. Sprich: keine Amateurfahrer mit dickem Geldbeutel ohne Vorkenntnisse auf einen GT3-Hobel loslassen. Auch wenn das Geschäft so manchen Teamchef mit Dollarzeichen in den Augen reizt. Grundsätzlich ist das eine sinnvolle Überlegung, die angesichts der Sicherheitsdiskussionen in der vergangenen Saison notwendig scheint.

Nach der ersten Präsentation der Nordschleifen-Lizenz Ende der vergangenen Saison erschreckten jedoch einige Fahrer angesichts der Grafik, die erläutern sollte, welche Qualifikationen die Lizenz voraussetzt. Sie erinnerte eher an ein wildes Labyrinth denn an eine klare Übersicht. Die einzelnen Irrungen und Wirrungen hier aufzählen zu wollen, würde den Rahmen sprengen. Nur so viel: Die Grafik deutete bereits an, dass von der ursprünglichen Überlegung nicht mehr allzu viel übrig war. "Ich habe mich auch für die Idee stark gemacht", sagt VLN-Boss Karl Mauer, "aber die Umsetzung ist suboptimal."

Einige Kritiker werfen dem DMSB vor, mit der Nordschleifen-Lizenz Profit machen zu wollen. Stufe B kostet 49 Euro, Stufe A 75 Euro, inklusive Zusatzversicherung. Rechnet man den Betrag auf einige Hundert Fahrer hoch, kommt ein beträchtliches Sümmchen zusammen. Die Argumentation, dass sich dahinter Verwaltungskosten verbergen, lassen viele nicht gelten. "Wieso macht man nicht einfach ein Kreuz auf der üblichen Lizenz wie beim Führerschein für die einzelnen Klassen auch?", heißt es aus dem Fahrerlager. "Und die Nachweise muss ich für meine normale Lizenz, die ich bezahle, ja auch einreichen."

Lehrgang für gestandene Profis

Vonseiten des DMSB wird die Gebühr damit begründet, dass das Nordschleifen-Thema immer mehr Ressourcen bindet. Es gibt Meetings zu den Sicherheitsaspekten, Mitarbeiter beschäftigen sich mit dem Thema, Personal wird geschult. Das verursache Kosten, die der DMSB aus seinen beiden Einnahmequellen, den Lizenz- und Veranstaltungsgebühren, decken muss.

Diejenigen, die in den letzten zwei Jahren gar keine Nordschleifen-Rennen nachweisen können, ob berufsbedingt oder aufgrund von Budgetmangel, müssen vor Saisonbeginn erst mal einen Lehrgang absolvieren. Das trifft in der Theorie zum Beispiel auch gestandene Profis wie Porsche-Werksfahrer Marc Lieb, viermaliger 24h-Gesamtsieger, oder Dominik Farnbacher, Gesamtzweiter beim 24h-Rennen 2010.

Man kann nur schmunzeln, wenn man sich vorstellt, wie ein Instruktor Rennfahrern dieses Kalibers beibringen soll, wie die Ideallinie im Hatzenbach aussieht und welche Bodenwellen am Flugplatz tückisch sein könnten. Die absurde Regelung ist aber offenbar nicht in Stein gemeißelt. Man hört von Ausnahmen und Einzelfallprüfungen, die solche Szenarien vermeiden sollen. Natürlich will man diese nicht publik machen, sonst könnten noch mehr auf diese Idee kommen.

Trotzdem bleibt fraglich, wieso ein erfahrener Nordschleifen-Kenner innerhalb von zwei Jahren nicht mehr wissen sollte, wo es langgeht. Ist es nicht dasselbe wie beim Schwimmen oder Fahrradfahren? Das verlernt man doch auch nicht. Der DMSB begründet den Zeitraum von zwei Jahren damit, dass in dieser Phase die Unfälle auf der Nordschleife stark zugenommen hätten und die Fahrweise härter wurde.

Kostenspirale in der VLN?

Zweifelsohne ist es schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Doch dafür hätte man sich eher ein Gremium mit Fachkenntnis gewünscht, das die einzelnen Fälle dann individuell beurteilt und abarbeitet. Der Clou: Das kostet Geld. Die Preise für die Lizenzkurse variieren jedenfalls zwischen 499 und 950 Euro – auch abhängig davon, ob man das eigene Auto nutzt oder das Fahrzeug gestellt wird. Bisher gab es vor Saisonbeginn einen Termin am 12. März. Dazu sind zwei Termine während der Saison geplant. Die Qualität dieser Lehrgänge steht und fällt mit den Instruktoren und der Organisation – es bringt kaum etwas, dem Führungsfahrzeug als Zehnter hinterherzugurken.

Zudem merken Insider an, dass sich durch die Beantragung der internationalen B-Lizenz die Nachweise einzelner Rennen umgehen lassen und dann nur der Lehrgang fällig ist. Die B-Lizenz ist aber knapp 350 Euro teurer als eine internationale C-Lizenz. Erfüllt man die Voraussetzungen, könnten sich einige dazu entscheiden, eher eine internationale B-Lizenz zu beantragen, um so einfacher an die Nordschleifen-Berechtigung zu kommen.

Die Nordschleifen-Lizenz ist aber nicht der einzige Punkt, der den Groll der VLN-Gemeinde derzeit schürt. Unglücklicherweise kommen zum selben Zeitpunkt zwei weitere finanzielle Belastungen hinzu. Da ist zum einen die nach zwei Jahren erneut fällige Lizenzgebühr für das GPS-System. Die Teilnehmer werden mit knapp 700 Euro zur Kasse gebeten, um die Nutzung des GPS-System für weitere zwei Jahre zu erwerben.

Höhere Kosten für Einstellfahrt

Ursprünglich wurden zusätzlich auch noch 135 Euro verlangt, wenn Teilnehmer nicht bis zum 7. März bezahlt haben. Diese Regelung entfiel jedoch auf Bemühen von Karl Mauer in Gesprächen mit dem GPS-Dienstleister. Die veranstaltungsbezogene Miete schlägt nicht mehr mit 250 Euro, sondern mit 200 Euro zu Buche. Wer weniger Geräte als Autos besitzt, darf diese nun auch tauschen. Hinzu kommt der Ärger über die erhöhten Preise für die Test- und Einstellfahrten, die nicht mehr von der VLN, sondern von der Capricorn Nürburgring GmbH veranstaltet wurden – ein Trend, der auch für andere Events am Nürburgring gilt.

Das Nenngeld betrug 1.500 Euro statt 1.000 Euro – Frühbucherpreis, versteht sich. Im Vorfeld sorgte auch die Regelung für Diskussionen, dass die Leitplankenschäden je nach Verursacher bezahlt werden müssen. Nach einem großen Aufschrei in den sozialen Netzwerken und einigen Beschwerden der Teilnehmer lenkte die CNG jedoch ein und verlangte nur noch eine Leitplankenpauschale von 100 Euro, die im Nenngeld eingeschlossen war. Während die VLN in den vergangenen Jahren eine Kostendeckung anstrebte, ist der neue Veranstalter offensichtlich mehr auf die Wirtschaftlichkeit bedacht.

Zwar haben alle drei Entwicklungen auf der Kostenseite eigentlich nichts miteinander zu tun, doch für die Nürburgring-Teams und -Fahrer bleibt ein fader Beigeschmack. Da kann man nur hoffen, dass die Konflikte wie in einer guten Beziehung gelöst werden: indem man miteinander redet.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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