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Vorschau Le Mans

Kampf der Konzepte

Foto: Rick Dole, Michelin North America 9 Bilder

Das Duell um den Gesamtsieg in Le Mans heißt Audi gegen Peugeot. Beide Hersteller setzen auf Diesel-Technologie, aber bei der Karosserie scheiden sich die Geister: Die Audi TDI haben offene Cockpits, die Peugeot HDi fahren mit geschlossenem Dach.

10.06.2008 Claus Mühlberger

Rückblende: Es ist Sonntag, der 14. Juni 2007, 15:00 Uhr. Gerade fiel die Zielflagge in Le Mans. Das Audi-Team jubelt ausgelassen über den Sieg von Frank Biela, Marco Werner und Emanuele Pirro. Doch auch bei Peugeot sieht man fast nur strahlende Mienen: Denn der von Stéphane Sarrazin, Pedro Lamy und Sébastien Bourdais pilotierte 908 HDi kam ins Ziel. Zwar mit zehn Runden Rückstand auf den siegreichen R10 TDI aus Ingolstadt, aber als Zweitplatzierter.

Grund zur Freude hatten beide Werksteams: Die Franzosen werteten es als großen Erfolg, trotz der extrem kurzen Vorbereitungszeit bei dem Langstrecken-Klassiker überhaupt in Schlagdistanz zum langjährigen Platzhirsch Audi gekommen zu sein. Der 908 hatte seine ersten Gehversuche auf der Rennstrecke erst im Januar absolviert, also gerade einmal fünf Monate, bevor es in Le Mans ernst wurde.

Peugeot auf der Überholspur

Audi freute sich seinerseits darüber, sich nach vielen Jahren der unumschränkten Alleinherrschaft an der Sarthe endlich einmal wieder an einem kompetenten Gegner messen zu können. Auf die Dauer wurde es halt langweilig, nur die tüchtigen, aber krass unterfinanzierten Privatteams wie Pescarlo oder Courage zu schlagen. Doch 2008 sind die Karten wohl anders verteilt. Nach dem Zwölf-Stunden-Rennen von Sebring im März und den drei 1.000-Kilometer- Rennen in Barcelona, Monza und Spa im Frühjahr hat es den Anschein, als seien die Peugeot jetzt auf der Überholspur unterwegs.

"Ich konnte den 908 nicht mal im Windschatten folgen", stöhnte Werksfahrer Allan McNish nach dem ersten Stint in Barcelona. Die Audi-Techniker legten die Stirn in Falten, beugten sich über Zeitenlisten und Telemetrieausdrucke und mussten bedrückt feststellen, dass ihren R10 pro Runde fast 1,5 Sekunden auf die Peugeot fehlten. "Da haben wir bis Juni noch viel zu tun", resümierte Teammanager Ralf Jüttner.

Speed vs. Zuverlässigkeit?

Natürlich ist für den Sieg bei einem 24-Stunden-Rennen nicht nur überlegener Speed notwendig. Große Zuverlässigkeit ist mindestens genauso wichtig. Dieser Punkt könnte die Achillesferse der Peugeot sein. In Barcelona fiel einer der 908 nach einer eher harmlosen Rempelei mit einem überrundeten GT-Auto fast aussichtslos zurück. Der Grund: Der Unterboden hatte sich beim 908 gelockert, und die Reparatur ist bei den Peugeot so umständlich, dass in solchen Fällen schon mal ein Viertelstündchen verstreicht.

Im Lastenheft für die Konstrukteure des R10 TDI war das Thema Wartungsfreundlichkeit in Versalien gedruckt. So achteten die Audi-Techniker genau darauf, dass die riesigen Hauben an Front und Heck auch dann noch sicher sitzen, wenn der Fahrer ein Tête-à-Tête mit einem Konkurrenten hatte. Die Dauerhaltbarkeit ihrer Autos - in den 24 Stunden von Le Mans werden über 5.000 Kilometer gefahren - überprüfen beide Werksteams bei mehreren, über 24 Stunden dauernden Simulationen.

Unterschiedliche Bauweise

Audi gegen Peugeot - das ist auch ein Kampf der Konzepte. Die Deutschen bevorzugen das offene Cockpit, die Franzosen setzen auf geschlossene Bauweise. Dies bringt Pluspunkte bei der aerodynamischen Effizienz. Sportprototypen mit Dach haben aber auch viele Nachteile. Man denke nur an die kompliziertere Bauweise wegen der Türen und der riesigen Frontscheibe. Beides Dinge, die sich zudem nicht gerade günstig auf die Schwerpunktlage auswirken.

Um die Sichtverhältnisse für die Fahrer ist es im Peugeot nicht gerade gut bestellt: "Die A-Säulen sind riesig", fiel 908-Neuling Alexander Wurz auf. "Der tote Winkel schräg nach vorn ist arg groß." Zudem wird es im engen 908-Cockpit recht heiß. Einige Audi-Fahrer sahen sich mit einem anderen, cabriotypischen Problem konfrontiert. Wegen der Luftverwirbelungen im Cockpit wurde ihr Helm quasi von Geisterhand nach oben gezogen. Vom Kinnriemen gewürgt zu werden - ziemlich unangenehm.

Nicht sehr beeindruckend ist der Klang der V12-Motoren: Audi und Peugeot wollen gleichermaßen die Vorzüge des Diesels propagieren. Statt schrillem Rennsound ertönt so nur dezentes Zischen, wenn 908 und R10 auf der Piste sind. Die obligatorischen Partikelfilter eliminieren eben nicht nur den tyischen Dieselqualm sehr erfolgreich, sondern killen auch den Sound. Doch das kümmert höchstens die Fans, nicht die Techniker. Die Fahrer hingegen hatten anfangs ihre liebe Mühe mit dem fehlenden akustischen Feedback: "Ab 130 km/h höre ich den Motor nicht mehr", klagte McNish. "Aber daran gewöhnt man sich."

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