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Vortest 24h-Rennen Le Mans GTE Pro

Welches GT-Auto ist der Favorit für Le Mans?

Ford Chip Ganassi Racing - Ford GT - 24h Le Mans Vortest - 2016 Foto: xpb 43 Bilder

Was waren die Rundenzeiten in der werksunterstützten GTE-Pro-Klasse beim Vortest zum 24h-Rennen wert? Viele sagen: nicht mal das Papier, auf dem sie stehen! Denn alle fünf beteiligten Hersteller wollten nur eines: auf keinen Fall auffallen.

11.06.2016 Marcus Schurig 1 Kommentar Powered by

14 topbesetzte Werkswagen von fünf Herstellern werden beim 24h-Rennen in Le Mans Mitte Juni um die Krone im weltweiten GT-Sport fighten – damit stellt die GTE-Pro-Klasse das größte Herstellerfeld in Le Mans. Das Hauen und Stechen ist groß zwischen Ford, Ferrari, Aston Martin, Porsche und Corvette: In der Zeitenliste vom Vortest waren die ersten zehn Fahrzeuge nur um 1,069 Sekunden voneinander getrennt – also im Mittel um jeweils eine Zehntelsekunde, und das bei Rundenzeiten von 235 Sekunden.

Teams verschleiern wahre Performance

Doch anders als in der LMP1-Klasse handelt es sich um ein höchst disparates Teilnehmerfeld: Mittelmotorautos gegen Frontmittelmotorautos gegen Heckmotorautos – um bei diesem Kuddelmuddel der Konzeptunterschiede allen beteiligten Herstellern eine faire Chance zu bieten, müssen die Veranstalter das Feld mittels Fahrzeugeinstufungen (Balance of Performance oder BOP) austarieren, und zwar über Gewicht, Restriktor, Ladedruck und Tankinhalt. Ergo war die größte Sorge der GT-Hersteller, dass sie beim Vortest zu schnell fahren, und eine neue BOP ihre Chancen beim wichtigsten Rennen des Jahres schmälert.

Das erklärt, warum die Zeiten beim Vortest so eng beieinander lagen: Man verschleiert Performance, indem man nicht schneller fährt als die Konkurrenz. Der Spanier Antonio Garcia setzte in der Werks-Corvette C7.R mit einer Rundenzeit von 3.55,122 Minuten die Bestzeit in der Klasse, nur um anschließend über die Konkurrenz zu lästern: „Als ich auf den Ford GT auflief, rieselte viel Sand aus seinen Türritzen!“ Hier die Übersetzung für Nicht-Motorsportler: Sandbagging ist der Fachbegriff dafür, langsamer zu fahren, als man eigentlich könnte. Natürlich lädt dabei niemand Sandsäcke zu und natürlich rieselt auch kein Sand aus den Türritzen, aber die Regeln des BOP-Spiels sind damit hinreichend beschrieben.

Wie gut ist der Ford GT?

Das Sandbagging hat sich für einige Teilnehmer nicht wirklich ausbezahlt, für andere schon: Nur vier Tage nach dem Vortest änderten die Veranstalter FIA und ACO nochmals die Einstufungen für vier der fünf vertretenen GT-Autos: das schnellste Auto, die Corvette, bekam einen um 0,3 mm kleineren Restriktor, die zweit- und drittplatzierten Werks-Porsche-911 müssen 5 Kilo zuladen; Aston Martin darf 10 Kilo ausladen, muss allerdings auch mit kleineren Luftmengenbegrenzern (minus 0,2 mm) leben – das sind sozusagen die Verlierer im BOP-Spiel nach dem Vortest.

Ferrari dominierte die ersten beiden Rennen zur Sportwagen-WM in Silverstone und Spa, blieb aber beim Vortest mit den Plätzen 5, 7 und 9 eher unauffällig. Ergo gab es auch keine BOP-Anpassungen, was im Camp der Roten als Erfolg verbucht werden muss – für viele gilt der Ferrari 488 als das beste GTE-Auto im Feld. Weil auch der neue Ford GT beim Vortest nicht über Platz 6 hinauskam, darf er 5 Kilo ausladen, nachdem er vor dem Vortest schon einmal 20 Kilo ausladen durfte. Ein Insider kritisiert: „Wenn die jetzt nicht brandschnell in Le Mans sind, dann haben sie ein wirklich schlechtes GT-Auto gebaut.“

Porsche als klarer Außenseiter

Das alles bedeutet jedoch nicht, dass die GT-Hersteller nun im Rennen 5 Sekunden pro Runde schneller fahren und damit den Veranstaltern sozusagen symbolisch den Mittelfinger für eine schlechte BOP zeigen, ganz im Gegenteil: „Wenn ein Hersteller deutlich schneller fährt als es die zu erwartende Performance unterstellt, werden wir eingreifen, zur Not auch im Rennen“, so ACO-Sportdirektor Vincent Beaumesnil.

Trotzdem kann man nach dem Vortest und den letzten BOP-Anpassungen auf der Basis simpler Logik eine klare Hitliste erstellen: Ferrari wird top sein, Ford nach den Neueinstufungen auch. Corvette bleibt ein Geheimfavorit, wenngleich der kleinere Restriktor schon wehtun dürfte. Aston Martin fährt als einziger GT-Hersteller auf Dunlop-Reifen, der Rest rollt auf Michelin, daher sind die Briten nur ganz schwer einzuschätzen. Und Porsche? Die Schwaben gelten ganz klar als Außenseiter: Sie haben in Silverstone nichts gerissen, und auch nicht in Spa. Die neuen GT-Autos der Konkurrenz sollten allesamt schneller sein als der mittlerweile fünf Jahre alte 911 RSR.

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safado 14. Juni 2016, 10:20 Uhr
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