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Dakar-Analyse

Der lange Weg zum ersten Diesel-Sieg

Giniel de Villiers Foto: VW 95 Bilder

"Das Auto" gewann "das Rennen". Endlich. Alle im 80 Mann starken Kader atmeten tief durch, als die Giniel de Villiers und sein Beifahrer Dirk von Zitzewitz sowie Mark Miller und Ralph Pitchford die letzte Prüfung hinter sich hatten und der Doppelsieg für VW amtlich war.

18.01.2009 Claus Mühlberger

"Die letzten Kilometer waren echt spannend", sagte Sieger de Villiers. "Sieben Jahre lang bin ich dem Dakar-Sieg hinterhergerannt. Ich kann es kaum glauben, dass endlich geklappt hat."

"Es ist sehr schwierig, die Dakar zu gewinnen", sagte Sportchef Kris Nissen. "Es gibt zu viele Unbekannte. Vorhersagen sind im Vorfeld unmöglich - noch dazu, da wir zum ersten Mal in Südamerika gefahren sind. Umso schöner ist es, dass wir uns mit einem Doppelsieg durchgesetzt haben."

Es war ein historischer Triumph, nämlich der erste Sieg eines Diesels bei der zum 30. Mal ausgetragenen härtesten Rallye der Welt. Seit 2004 hatte es VW bei der Dakar mit dem Race-Touareg versucht. Man holte schnell Teilerfolge, wie die erste Tagesbestzeit durch Jutta Kleinschmidt im Jahr 2004. Zwei Jahre später kamen de Villiers und Co-Pilotin Tina Thörner als Zweite nach Dakar. 2007 holten die VW-Piloten zehn Bestzeiten. Nach Technikproblemen blieb aber nur Platz vier.

Erster VW-Sieg nach 29 Jahren

Für VW ist der Dakar-Sieg das mit Abstand größte Highlight der Motorsport-Historie seit fast drei Jahrzehnten. 1980 hatten der Schwede Freddy Kottulinsky und sein deutscher Beifahrer Gerd Löffelmann mit dem seriennahen Militär-Jeep namens Iltis die damalige Rallye Paris-Dakar gewonnen.

"Unser größter Gegner ist von nun an die Strecke", sagte Kris Nissen am Ruhetag, als der Tross in der chilenischen Hafenstadt Valparaiso halt machte. Carlos Sainz, de Villiers und Mark Miller hatten eine bequeme Dreifach-Führung inne. Auch deswegen, weil die Gegner schon arg gerupft waren: Drei von vier gestarteten Werks-Mitsubishi waren bereits ausgefallen. Hiroshi Masuoka und Stéphane Peterhansel stellten ihre Racing Lancer jeweils mit Motorschäden ab. Luc Alphand musste aufgeben, nachdem sein Beifahrer Gilles Picard einen Kreislaufkollaps erlitten hatte. Die Racing Lancer hätten aber ohnehin den Speed der Schnellsten nicht gehen können.

Konkurrenz schlägt sich selbst

Der einzige, der den VW wirklich hätte gefährlich werden können, war Nasser Al-Attiyah im BMW X3 des X-Raid-Teams. Doch der Mann aus Katar schied in Führung liegend aus. Der Kühlwasserthermostat klemmte und Al-Attiyah musste deswegen eine 65 Kilometer lange Dünenetappe umfahren. Dies wurde mit Disqualifikation geahndet. "Eine korrekte Entscheidung", kommentierte Teamchef Sven Quandt.

Drei der vier VW waren, abgesehen von Kleinigkeiten, ohne technische Probleme nach Valparaiso gekommen. Der Defektteufel schlug dafür bei Dieter Depping zu. Am ersten Tag verlor der  Deutsche eine Stunde, weil die Elektronik plötzlich ein Notlaufprogramm wählte, später wurde er durch einen Turboschaden eingebremst. Dennoch schaffte es Depping als Sechster ins Ziel. "An den Tagen, als mein Auto ohne Zwischenfälle lief, habe ich gut das Tempo mithalten können", freute sich der Norddeutsche.

VW musste nur einen Ausfall hinnehmen, als der führende Carlos Sainz mit seinem Race-Touareg in einen vier Meter tiefen Graben plumpste. Weil sich Beifaher Michel Perin das Schulterblatt brach, musste Sainz aufgeben. Das Auto hingegen war nur gering beschädigt. Wer oder was war am Unfall Schuld? Teamchef Nissen orakelte: "Carlos war nicht Schuld, ebenso wenig wie Michel oder das Roadbook. Ich weiß es nicht."

Sainz mit zu viel Risiko

Es scheint so, dass Sainz übermotiviert zur Sache ging, anstatt seinen Vorsprung cool zu verwalten. "Versuch mal, einem Carlos Sainz zu sagen, dass er langsamer fahren soll", meinte Nissen zu den taktischen Defiziten des erfahrenen Spaniers, der sich schon am fünften Tag einen Überschlag geleistet hatte. "Daran hatte Carlos aber keine Schuld", meinte Nissen. "Nach einem harten Schlag fiel die Servolenkung aus und er konnte dann auf der Sandetappe die Dünenkämme nicht im 45-Grad-Winkel anfahren, sondern musste den direkten, gefährlicheren Weg wählen."

Der Südafrikaner de Villiers und der Amerikaner Mark Miller gingen die Marathon-Rallye viel abgebrühter als der heißblütige Iberer. "Giniel und Mark haben unsere Strategie durchgezogen, wonach man nicht unbedingt auf jeder Etappe den Tagessieg schaffen muss", meinte Nissen. "In der ersten Rallye-Hälfte mussten wir an ihren Autos im Biwak immer nur tanken und die Räder wechseln." Und auch in der zweiten Woche zeigten sich Autos und Fahrer von ihrer besten Seite.

Nach dem triumphalen Einzug in Buenos Aires fragen sich alle im Dakar-Tross: Macht VW weiter? "In zwei oder drei Wochen steht unser Motorsportprogramm", sagte Sportchef Nissen. "Ich kann erst dann etwas Konkretes sagen. Aber eines steht fest: Nach dem Erfolg bin ich auf dem Rückflug nach Europa viel ruhiger als früher bei der Heimreise aus Afrika."

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