VW Golf: Kleine Motorsport-Karriere

In Sport ’ne 3 - so ließe sich am besten die Motorsport-Karriere des Volumenmodells VW Golf beschreiben. Beileibe kein Spitzensportler, aber auch kein hoffnungsloser Fall. Zu behäbig, zu schwerfällig wirkte der Golf auf der Rundstrecke. Sportliche Highlights setzte der Wolfsburger Durchschnitts-Sportler im Laufe der Golf-Epochen hauptsächlich im motorsportlichen Randgeschehen.

Kaum, dass der Golf 1974 auf die Straßen der Republik rollte, machten sich auch schon Tuner und "Verbesserer" über den Käfer-Nachfolger her. Aber es dauerte doch noch bis spät in die Saison 1975, bevor der erste reinrassige Renn-Golf die Lichter der Startampeln erblickte: Tuner Rolf Nothelle aus Duisburg wagte sich an das Projekt, dem weitere Rennsport-Schmieden folgten. "Die neue VW-Generation ist für alles, nur nicht für den Motorsport konzipiert worden", schrieb damals das Fachblatt sport auto. Zwar konnte der Golf in seinem ersten Lebensjahr als Motorsportler der etablierten Konkurrenz von BMW, Ford und Opel die Stirn bieten, doch schon bald war es mit der Glückseligkeit als Leichtbau-Renner vorbei. Wegen einer Neuordnung des damaligen technischen Reglements fielen so genannte Homologationsgewichte in den Klassen der Gruppe 2, 4 und 5 weg - nur noch in der Gruppe 1 konnte der Golf seinen Gewichtsvorteil ausspielen.

Populärer Kamei-Golf

Ein populärer Abgesandter der Golf-Famile war der Kamei-Golf, den der heutige AvD-Rennsekretär Bernd Renneisen in der damaligen Rundstrecken-Meisterschaft pilotierte: "Aber auch bei Langstrecken-Klassikern waren wir mit dem Golf dabei, und immer waren wir als klassischer Underdog die Publikumslieblinge, egal ob beim Sechsstunden-Rennen, dem 1.000 km-Rennen oder anderen ausgewählten großen Veranstaltungen." Doch gerade im direkten Konkurrenzkampf in der Rundstrecken-Meisterschaft bewahrheitete sich, was man schon zuvor ahnen konnte: Gegen den sportlicheren Bruder in der Familie, den Scirocco, lag der Golf auf Grund seiner größeren Stirnfläche aerodynamisch im Hintertreffen.

Um das sportliche Image des Golf zu fördern, initiierte die Motorsportabteilung von Volkswagen 1977 den Golf-Cup, ein Markenpokal, der bis 1980 lief und auch in den USA ausgeschrieben war. Dort allerdings unter der dort üblichen Bezeichnung für den Golf: Rabbitt-Cup.

Karriere im Rallye-Sport

In den europäischen Breiten entdeckte Volkswagen ein geeigneteres Betätigungsfeld für den Golf: Den Rallye-Sport. Bereits 1981 konnte Alfons Stock mit Co-Pilot Paul Schmuck im Golf GTI den Titel in der Deutschen Rallye-Meisterschaft erobern; ein Erfolg, der fünf Jahre später sogar noch getoppt wurde: Da holten der Schwede Kenneth Eriksson mit seinem deutschen Beifahrer Peter Diekmann im GTI mit 16-Ventiler-Maschine den WM-Titel für Fahrzeuge, die nach Gruppe A-Reglement homologiert waren.

Während dem Motor aus dem GTI seit Mitte der 1980er-Jahre eine glänzende Karriere im Formel 3-Sport beschert war - Tuner Siegfried Spieß übertrumpfte mit seinem Triebwerk sogar die VW-Werksmannschaft und - stachen 1986 erneut Eriksson/Diekmann im Rallye-Golf hervor, als sie die Rallye Elfenbeinküste siegreich in der Gruppe A beendeten. Derweil siegten Erwin Weber und Manfred Hiemer bei der Rallye Deutschland. Weber/Hiemer setzten sich 1991 auch im Kampf um den Titel des Deutschen Rallyemeisters durch.

Erst mit dem Golf III kehrte für Volkswagen ein gewisser Erfolg auf der Rundstrecke ein. Dies allerdings nicht in motorsportlichen Top-Klassen. Immerhin: Jürgen Hohenester bewies, was man mit dem Golf selbst gegen konzeptionell überlegene Konkurrenz ausrichten kann. 1996 und 1997 holte der Allgäuer mit seinem im heimischen Tuningbetrieb aufgebauten Golf den Titel in der Deutschen Tourenwagen Challenge (DTC). Im Breitensport hatte der Golf zunehmend seine Bestimmung gefunden, wenngleich die Werksabordnung in ihrer Dependance in Hannover immer wieder mit neuen Projekten den Golf in ein sportliches Licht zu rücken versuchte. Während Hohenester 1999 zum dritten Mal als Meister der DTC triumphieren konnte, erwarb der Golf peu á peu das Image des Dieselrenners im Langstreckensport - besonders in Italien. Bereits 1997 holten Rinaldo Capello und Walter Santus in Vallelunga den Sieg beim Sechsstunden-Rennen; ein Erfolg, den die beiden 1998 und 1999 wiederholen konnten

Feste Größe im Breitensport

Während sich in den Folgejahren die Aufmerksamkeit von Volkswagen-Motorsport vermehrt auf den Aufbau neuer Serien und Markenpokale wie den Beetle Cup, den Lupo Cup, die wieder schnell eingestellte Formel Volkswagen sowie ab 2005 den Polo Cup konzentrierte, blieb der Golf im Breitensport eine feste Größe für Motorsport mit kleinem Budget. Auf der Langstrecke ist das Wolfsburger Volumenmodell ebenso zu Hause wie auf den Rallyepisten. Die Motorsportabteilung in Hannover entwickelte eigens einen Umbau-Kit, der es Privatfahrern und -Teams einfach machte, einen Golf umzurüsten. Als Diesel-Renner sammelte der Golf gerade auf österreichischen Rallye-Pisten seine Meriten: Sechs Mal hintereinander holten Golf-Teams die Dieselwertung in der Österreichischen Rallye-Meisterschaft.

Pech für den Chef

Sein letztes großes Highlight holte der Golf V im vergangenen Jahr bei den 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring: In der Klasse SP3 gewann eine Werksabordnung mit Nachwuchsfahrer überlegen und holte Platz acht im Gesamtklassement. Und fast hätte es sogar zu einem Doppelsieg in der Klasse gereicht - wäre dem zweiten Werks-Golf mit Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg am Steuer nicht ausgerechnet in der Schlussrunde ein dem Publikum zuwinkender Konkurrent in die Parade gefahren.


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Gregor Messer

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