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VW Titan

Post-Moderne

Foto: Sabine Hofmann

Dieses Rennauto wiegt 4,8 Tonnen. Kein Problem: Auf dem Thron im Cockpit des VW Renntrucks gebietet der Lenker über reichliche 1300 PS. Der Titan beschleunigt trotz seiner Masse in sechs Sekunden von null auf 100 km/h.

21.07.2004

Bei normalen Rennwagen geht man zum Einfädeln ins Cockpit etwas in die Knie. Beim Renntruck von Volkswagen bräuchte man hingegen beinahe eine Leiter. Rechte Hand auf den Kotflügel, linke Hand an den Überrollkäfig an der A-Säule, dann das linke Bein aufs Rad und jetzt hoch, aber mit Schwung.

Angekommen im ersten Stock, schnauft der Fahrer erst mal kräftig durch, erleichtert, dass das komplizierte Erklimmen des Fahrersitzes ohne allzu große Blamage gelang. Allzu tief sollte man allerdings nicht Luft holen. Denn die Kehrseite des Piloten wird schraubstockartig umschlossen vom Kevlarmaterial eines Recaro-Rennsitzes. In Bezug auf Kopf- und Ellbogenfreiheit gibt es keine Klagen.

Wenn man von der thronartigen Höhe des Sitzes absieht, erinnert die Position an einen Renn-Tourenwagen der achtziger Jahre, als man noch aufrecht sitzend fuhr. Das Lenkrad ist kaum größer als ein Suppenteller. Geschaltet wird das Automatikgetriebe per Lenkradwippe.

Verzögert wird im Rennlaster mit dem linken Fuß – eine gewöhnungsbedürftige Übung. Gas- und Bremspedal liegen 30 Zentimeter auseinander und sind durch die senkrecht im Fußraum verschwindende Lenksäule getrennt: ein unüberwindbares Hindernis für einen in Panik nach links zuckenden Bremsfuß.

Zwölf Liter Hubraum

Ein kurzes Drücken des Starterknopfs genügt – und der Sechszylinder-Dieselmotor, der mittschiffs hinter der vom VW LT stammenden Fahrerkabine montiert ist, meldet sich nagelnd zum Dienst.

Bei einem Ladedruck von knapp vier bar stehen 1300 PS bereit, und dies bereits bei unspektakulären 2400 Umdrehungen. Die zwölf Liter Hubraum und eine Drehmomentspitze von 5000 Newtonmetern haben mit dem knapp fünf Tonnen schweren Titan leichtes Spiel. Bei 160 km/h ist aus Sicherheitsgründen Schluss mit weiterer Beschleunigung.

Die Bremsen haben im Titan ihre liebe Mühe. Zwecks nötiger Standfestigkeit werden die Bremsscheiben mit Wasser gekühlt. Daher schleppt der VW Titan 280 Liter Wasser mit. Nur ein kleiner Teil davon wird zur leistungsfördernden Sprinkler-Kühlung des Ladeluftkühlers abgezweigt. Der Löwenanteil wird auf die Bremsscheiben gespritzt.

Kurvenfahrt mit Tücken

Rasche Kurvenfahrt hat im Titan ihre Tücken. Beim Einlenken neigt der Titan zum haltlosen Rodeln über die Vorderräder. Beherztes Gasgeben führt hingegen schnell zu heftigem Übersteuern. Die sehr direkte Lenkung macht es zwar leicht, dies zu parieren, aber unter der weit nach vorne gerückten Fahrerposition – der Sitz ist nur wenige Zentimeter hinter der Vorderachse montiert – leidet die Sensibilität des Popometers.

Jeder Dreher lässt sich unversehens gleich zu mehreren Pirouetten ausbauen – dank 1300 PS, hundertprozentigem Sperrdifferenzial und geringer Haftung der angetriebenen Zwillingsreifen. Wer die spektakulären Großtaten der wilden Renntrucker live erleben will, sollte sich den 11. Juli im Kalender rot anstreichen. Dann steigt der Truck-GP auf dem Nürburgring

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