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10 Fragen zum Thema Kraftstoff

Alles Super oder was?

Kraftstoffe, Tankstelle Foto: Archiv

Volltanken. Immer schmerzhaft teuer. Aber ohne Benzin oder Diesel laufen die meisten Autos eben nicht. Was genau fließt eigentlich in den Tank, und warum nur kostet es so viel?

16.08.2013 Michael Orth Powered by

Was ist Kraftstoff?

Benzin oder Diesel. Benzin ist eine Verbindung aus über 100 verschiedenen aromatischen Kohlenwasserstoffen, Alkanen, Alkenen und Cycloalkanen, aus Erdöl zu Rohbenzin destilliert und gemischt. Aus etwa sechs Liter Rohöl entsteht ein Liter Rohbenzin. Vier Liter Rohöl braucht es, um einen Liter Diesel zu produzieren – ein Gemisch aus Kerosin und Destillaten, chemisch also ebenfalls eine Verbindung verschiedener Kohlenwasserstoffe. Dem Rohbenzin oder -diesel, die sich konzernübergreifend kaum unterscheiden, werden je nach Sorte und Hersteller Zusatzstoffe im Promille- bis Prozentbereich beigemischt, bei Ottokraftstoff zum Beispiel diverse Ether zur Erhöhung der Klopffestigkeit; Alkohole, um Vergaser und Einspritzdüsen eisfrei zu halten; Detergentien, um Ablagerungen vorzubeugen; Phenole gegen Alterung durch Oxidation; Amine zum Korrosionsschutz.

Welche Sorte sollte ich am besten tanken?

Halten Sie sich an die Vorgaben des Autoherstellers, der in der Betriebsanleitung angibt, welche Oktan- oder Cetanzahl er für den Motor empfiehlt. Mit der Oktanzahl ROZ steigt die Klopffestigkeit des Benzins. Klopfen bezeichnet eine unkontrollierte Explosion des Gemischs in Folge einer ungewollten Frühzündung. Die resultiert in hohen Temperaturen und Drücken, die dem Motor zusetzen. Eine höhere als die empfohlene Oktanzahl müssen Sie Ihrem Wagen trotzdem nicht verabreichen. Haben Sie Kraftstoff mit zu geringer Oktanzahl getankt: keine Panik. Muten Sie dem Motor nicht zu viel zu, und füllen Sie baldmöglich Benzin der vorgeschriebenen Oktanzahl nach. Die Zündwilligkeit von Dieselkraftstoff wird mit der Cetanzahl CZ angegeben.

Was tun, wenn ich aus versehen Diesel getankt habe?

Diesel drückt schon in kleinen Mengen die Oktanzahl und verunreinigt das Kraftstoffsystem des Benziners und den Kat. Es kann sein, dass der Wagen nicht mehr anspringt. Wenn er es tut, dann mit deutlich klopfender Verbrennung. Sofort Motor aus, um weitere Schäden zu vermeiden! Ein Fachbetrieb muss den Kraftstoff ablassen und das gesamte System reinigen.

Bringt Premiumkraftstoff mehr Leistung?

Leistung und Effizienz können steigen. Der Gewinn bewegt sich aber in einem nicht spürbaren und schwer messbaren Rahmen, weil Faktoren wie Fahrweise, Verkehrssituation und Klima größeren Einfluss haben. Nach Tests des ADAC bringt Premiumkraftstoff vor allem eines: dem Anbieter mehr Geld.

Darf ich E10 fahren, oder ist das schädlich für den Motor?

Eine prinzipielle Antwort im Sinne von ja oder nein gibt es auf diese Frage nicht. E10 enthält bis zu zehn Prozent Bioethanol, in Super und Super Plus sind es maximal fünf Prozent. Der höhere Anteil an Alkohol verändert einige Eigenschaften des Kraftstoffs. Die Energiedichte ist etwas geringer, weshalb der Verbrauch mit E10 geringfügig steigt. Mehr Sorgen machen viele schädliche Auswirkungen, die E10 auf Motor, Tank, Leitungen, Dichtungen und Gemischaufbereitung haben soll. Alkohol im Benzin setzt Gummi- und Kunststoffteilen zu. Ist E10 deshalb doppelt so gefährlich wie E5? Nein, im Gegenteil. In der Hauptsache greife E10 Aluminium stärker an als E5, sei aber weniger aggressiv gegen Schläuche und Dichtungen, sagt Wolfgang Dörmer, Sprit-Experte bei Aral. Er hegt keine prinzipiellen Bedenken gegen die Verwendung von E10.

Wieso sind Diesel sparsamer als Benziner?

Dass viele moderne Diesel mit weniger Kraftstoff auskommen als Benziner, liegt zum einen an der höheren Energiedichte des Diesels im Vergleich zum Benzin, zum anderen am besseren Wirkungsgrad der Verbrennung im Dieselmotor, die bei höherer Verdichtung und mit Luftüberschuss erfolgt. Diesel hat eine Dichte von 0,82 bis 0,845 kg/L und einen Brennwert von etwa 12,6 kWh/kg. Benzin hat dem gegenüber eine Dichte von nur 0,72 bis 0,775 kg/L, der Brennwert liegt zwischen 11,9 und 12,3 kWh/kg.

Wer verdient am Kraftstoff wirklich?

In der Hauptsache der Staat. So sieht die Preiszusammensetzung am Beispiel eines Liters Superbenzin nach Zahlen des Mineralölwirtschaftsverbands aus: Vom Zapfsäulenpreis von rund 1,60 Euro bekommt der Fiskus in Deutschland knapp über 91 Cent – 65,5 Cent Mineralölsteuer und etwa 25,6 Cent Mehrwertsteuer. In der Höhe der Mineralölsteuer liegt Deutschland hinter Großbritannien, den Niederlanden, Schweden und Griechenland auf Rang fünf. Gut 55,5 Cent entfallen auf den in Rotterdam notierten Produktpreis und
auf Raffineriekosten. Der Deckungsbeitrag, in dem unter anderem Additive, Lagerhaltung, Vertrieb sowie Beimischung von Biokomponenten kalkuliert sind, kostet 13,64 Cent. In diesem Deckungsbeitrag steckt der Gewinn der Konzerne, denn die realen Kosten der Tankstellenbetreiber sind nach Schätzung von Branchenexperten mit rund sieben Cent pro Liter gedeckt. Tankstellenpächter erhalten von den Konzernen übrigens eine Provision von 0,8 bis einem Cent pro Liter. Mit dem Verkauf von Benzin erwirtschaften sie so keine sechs Prozent ihres Umsatzes, der zum allergrößten Teil aus dem Shop-Geschäft kommt. Bei der Rechnung der Mineralölkonzerne ist außerdem zu berücksichtigen, dass sie bereits beim Verkauf von Rohöl an die Raffinerien große Gewinnchancen wahrnehmen. Denn während die Herstellungskosten pro Liter Mineralöl grob bei 7,5 Cent liegen, müssen die Raffinerien um ein Fünffaches mehr zahlen.

Beim Diesel rangiert der Steueranteil bei einem angenommenen Verkaufspreis von 1,43 Euro/Liter bei etwa 70 Cent, 23 entfallen auf die Mehrwert-, 47 auf die Mineralölsteuer. Übrigens liegt die Preisnotierung für Diesel in Rotterdam in der Regel über der für Benzin.

Wird Benzin mit der Zeit schlecht?

Damit es sich über längere Zeiträume lagern lässt, ist Benzin auch mit Antioxidantien versetzt. Sie sorgen dafür, dass Benzin nicht so leicht mit der Umgebungsluft reagiert. Dennoch hält sich Benzin nicht unbegrenzt. Der ADAC hatte für 25 Jahre verbleites Superbenzin gelagert, das sich anschließend noch verwenden ließ, aber wohl nur, weil die Behälter luftdicht verschlossen waren. Ist das nicht der Fall, kann Benzin tatsächlich schlecht werden – nicht nach Tagen oder Wochen, aber nach ein paar Monaten sehr wohl. Denn die leichteren Kohlenwasserstoffe können sich verflüchtigen, andere Inhaltsstoffe reagieren trotz der Oxidationshemmer mit der Luft, verklumpen teils. Zudem wirkt das Ethanol im Benzin hygroskopisch, es zieht Wasser an. Hat das Ethanol einen bestimmten Sättigungsgrad an Wasser erreicht, fällt es mit dem Wasser zusammen aus dem Benzin heraus. Am Tankboden bildet sich dann eine Wasser-Alkoholphase, und die wirkt extrem rostfördernd. Dieses Risiko sinkt mit vollem Tank und der Verwendung von E10, weil es mehr Wasser aufnehmen kann als E5, bis es zu einer Trennung kommt.

Was bringen separat zu kaufende Additive?

Falsch wäre es zu antworten: nichts. Wer einen Zusatzstoff in den Tank kippt, beruhigt damit zumindest sein Gewissen. Selbst wenn der Effekt nur psychologisch ist, so ist er doch von Vorteil. So sollen die Beimisch-Präparate korrosionshemmend, stabilisierend, schmierend und reinigend wirken oder die Energiedichte steigern. Damit würden separat zu kaufenden Additive kaum anders wirken als jene, die dem Benzin vom Hersteller ohnehin zugegeben werden. Die Zusatzpräparate versprechen allerdings, Verbrennungsvorgänge noch weiter zu optimieren, Motor und Kraftstoffsystem auf Dauer besser zu schützen. Bestätigen ließ sich das bisher nicht.

Gibt es Sommer- und Winterkraftstoff?

Gibt es. Im Sommer werden dem Benzin weniger leichtsiedende Anteile wie Butan und Isopentan zugesetzt, um bei hohen Temperaturen einer Dampfblasenbildung entgegenzuwirken. Im Winter erhöhen die Konzerne die Zugabe leicht siedender Inhaltsstoffe, um bei niedrigen Temperaturen das Zündverhalten beim Kaltstart zu verbessern. Dem Diesel hingegen wird im Winter ein höherer Prozentsatz an Kerosin beigemischt, um Fließfähigkeit und Zündwilligkeit zu gewährleisten. Das bedeutet auch, dass der Tipp aus der Vergangenheit, zum Diesel im Winter etwas Benzin zu tanken, hinfällig und für moderne Dieseleinspritzer sogar schädlich ist.

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