Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

100 Jahre Abenteuer Beringstraße

Die letzte Herausforderung dieser Welt

Beringstra�e 31 Bilder

Gruppen von Jägern sollen die Beringstraße schon vor 20.000 Jahren überquert haben, doch noch nie hat es ein Auto über die Eisdecke geschafft. Vitus Bering durchfuhr als Erster im Jahr 1728 die Meerenge zwischen Asien und Amerika und gab ihr so seinen Namen. In den letzten 100 Jahren scheiterten verschiedene Expeditionen – nun hat es ein Deutscher mit Team versucht: Matthias Jeschke. Doch auch er scheiterte ...

02.05.2009 Powered by

Noch im April 2009 sollte die Expeditionsfahrt „Paris/New York – Transcontinental“ in Russland den Abschluss finden und die Überquerung der Beringstraße damit hinter dem Tourteam liegen. Doch Mitte April mussten Jeschke und seine Begleiter aufgeben. Via Internet teilte er mit, "dass wir am Mittwoch, den 08. April 2009 die schwierige Entscheidung treffen mussten, die Expeditionsfahrt für rund 6 Monate zu unterbrechen. [...] Schneemassen, die selbst die in der Tschukotka-Region aussergewöhnlich sind, schwere orkanartige Stürme und Blizzards, sowie Reparaturen an den Fahrzeugen haben trotz allergrößter Anstrengungen des gesamten Teams, dies zu verhindern, zu einem uneinholbaren Zeitrückstand gegenüber dem notwendigen Fahrplan geführt. Da somit die 'Überfahrung der Beringstraße auf Eis' und das 'spurlose Bewältigen aller Teilstücke' selbst auf einer weiter nördlich gelegenen Route nicht mehr möglich wäre, werden wir die Expedition erst im Herbst/Winter 2009/2010 fortsetzen."

Ein Auszug aus dem Tagebuch von Matthias Jeschke zeigt, wie sehr die Expedition bereits im Februar an den Nerven zerrte: "28. Februar 2009: Wir befinden uns auf 68 Grad, 22 Minuten und 51 Sekunden nördlicher Breite – 174 Grad, 58 Minuten und 12 Sekunden östlicher Länge. Habe mir beim Durchstoßen einer großen Schneewehe meinen Unterfahrschneeschutz abgerissen. Fünfstündige Reparatur. Ätzend! Einsetzender Schneefall. Fahren weiter. Team angespannt. Fahrzeuge halten durch.“ Fünf Monaten war das Team bereits unterwegs. Mit zwei aufgerüsteten Jeep Wrangler wollten sie um die Welt – von Paris nach New York. Auf dem Landweg! Dann die größte Herausforderung der Reise: die Beringstraße – jene gut 85 Kilometer breite Meerenge, die Asien von Amerika trennt. Jeschke wollte sie im März mit dem Auto per Achse überqueren. Er wäre der Erste gewesen, dem dieses Vorhaben gelungen wäre. Doch auch er scheiterte. Dieses Mal ...

Als die letzte Eiszeit zu Ende ging, war die Beringstraße eine Landbrücke. Jäger kreuzten auf ihr die Kontinente. Nach einer Theorie sind so bereits vor 20.000 Jahren die ersten Menschen nach Amerika gelangt. In der Neuzeit gab es viele Versuche, die Meerenge auf dem Eis zu überqueren. Geklappt hat es noch nie.

1908 Rallye New York–Paris

Es ist mehr als 100 Jahre her, als zwei große Zeitungen diesen Wettkampf ausschreiben: Per Auto soll es so schnell wie möglich von New York nach Paris gehen. Die New York Times und das französische Blatt Le Matin veröffentlichen im November 1907 die Details. Sechs Teams mit je einem Auto nehmen die Herausforderung an. Neben Amerikanern und Franzosen ist auch ein deutsches Fahrzeug dabei – ein speziell für dieses Rennen gefertigter Tourenwagen der Berliner Firma Protos, der mit den beiden Ingenieuren Ernst Maaß und Hans Knape sowie dem deutschen Oberleutnant Hans Koeppen an den Start geht. Am 12. Februar 1908 brechen die sechs Teams auf. Zu dieser Zeit gibt es in Alaska und im fernen Osten Russlands noch keine brauchbaren Straßen – ein echtes Abenteuer. Als Erster erreicht der Amerikaner Thomas Flyer mit seinen Leuten nördlich von Valdez die unwegsamen Gebiete Alaskas. Schnell sehen sie ein, dass sie mit ihrem Wagen keine Chance haben. Sie kehren nach Seattle zurück und überqueren den Nordpazifik per Segelboot. Nach 169 Tagen erreichen Thomas Flyer und seine Mannschaft Paris. Allerdings: Die Beringstraße haben sie nicht einmal gesehen.

1992 Gordon-Shparo-Expedition

Bei Temperaturen von minus 53 Grad Celsius kämpfen sich der Kanadier Thomas Gordon und der Russe Dimitry Shparo von sibirischer Seite aus auf russischen Buran-Motorschlitten bis zur Beringstraße durch. Doch ihre Ski-Doos sind zu schwer für das Eis. Sie lassen Ballast und Verpflegung zurück. Kurze Zeit später überqueren sie die Kontinentalgrenze, kurz hinter der großen Diomeden-Insel. Vor ihnen präsentiert sich jedoch die offene See – der östliche Teil der Beringstraße ist nicht zugefroren, ein Weiterkommen damit unmöglich. Letztlich heuern die zwei Abenteurer ein amerikanisches Flugzeug an und überqueren die Passage auf dem Luftweg. Sie landen in Alaska in der kleinen Stadt Nome.

1993 Ford Overland-Challenge

Die Idee dieser Expedition wird in der Londoner Royal Geographic Society geboren. Richard Creasy wird beauftragt, passende Fahrzeuge zu organisieren. Am 27. Dezember 1993 geht’s los. Die Autos machen sich auf den langen Weg nach Osten. Auf dem Rücken riesiger Ural-6x6-Lkw durchqueren sie das weite Russland. An der Beringstraße angekommen, soll sie ein Kettenfahrzeug über die Meerenge bringen. Der zehn Tonnen schwere Arktos wurde speziell für die Seenotrettung im arktischen Meer entwickelt und erinnert an Panzer aus dem ersten Weltkrieg. Die ersten Kilometer kommt der Arktos gut voran. Doch nach nur sieben Stunden Fahrt springt eine der massiven Ketten aus der Führung. Die extrem gefährliche Situation zwingt den Trupp zum Notruf. Kurze Zeit später klettern die Gekenterten in einen amerikanischen Rettungshelikopter und lassen den Arktos im eiskalten Wasser zurück.

1995 Fiat Overland-Challenge

Petter Johannesen, Großneffe des Südpol-Bezwingers Roald Amundsen, hat die Idee für dieses italienische Vorhaben. Für die Tour werden vier 13 Tonnen schwere 6x6-Iveco-Trucks in Mailand extra umgebaut. Einer von ihnen zum Tankfahrzeug, die anderen drei zu Wohnmobilen mit Schlafräumen und Duschen. Am 13. November 1995 machen sich zehn Leute auf den Weg. Das Ziel, New York, soll schon am 10. April erreicht werden. Doch kurz vor der gefürchteten Meerenge zeigen aktuelle Luftbilder von der Beringstraße die widrigen Umstände – starke Strömungen und viele Eisschollen. Die Italiener zögern nicht lange und ordern eine russische Frachtmaschine vom Typ Antonov AN 225, um auf den amerikanischen Kontinent überzusetzen. Nach einigen technischen Schwierigkeiten erreichen die Iveco-Lkw New York am 26. April 1996.

1997 Land Rover-Expedition

Das Ziel der Global Expedition liegt eigentlich nur 3000 Meilen von Irland entfernt. Doch in der anderen Richtung sind es mehr als 18.000. Drei Land Rover Defender sollen von hier aus bis nach New York fahren – natürlich auf dem Landweg. Die Irische See, der Ärmelkanal und die Beringstraße sollen mit speziellen Amphibienkonstruktionen aus Kevlar – ähnlich einem Katamaran – bewältigt werden. Bis zur Fertigstellung der Schwimmhilfen auf der Isle of Man versucht das Team um Ran Fiennes, einen weiteren Rekord aufzustellen: Sie wollen als erste Menschen der Neuzeit die Beringstraße zu Fuß überqueren. Zusammen mit Thomas Gordon versucht es Fiennes von Alaska aus, während sich Dimitry Shparo samt Kindern von Osten heranmacht. Keines der beiden Teams ist erfolgreich. Shparos Trupp kommen 20 Eisbären in die Quere, Fiennes scheitert an einem kilometerbreiten Streifen offener See. Bei Tests der Katamarane in der Irischen See werden die schwimmenden Defender gut zehn Knoten schnell – genug, um gegen die Bering-Strömung anzutreten. Doch kurz vor dem Start sagt Land Rover das Projekt aus Kostengründen ab. Die Autos werden versteigert.

2000 Straßburg-Expedition

Ein Amphi-Ranger macht sich im März 2000 von Straßburg auf die 25.000 Kilometer weite Reise rund um die Welt. Doch bevor der Wagen überhaupt Sibirien erreicht, geht er kaputt und wird nicht mehr repariert. Der Amphi-Ranger hat die Beringstraße nie gesehen.

2001 Ice Challenger-Expedition

Steve Brooks und Graham Stratford versuchen ihr Glück mit dem Snowbird 5, einem Amphibienfahrzeug auf Basis einer Pistenraupe. Zunächst läuft alles gut. Als jedoch eine spitze Eisscholle einen Lufttank beschädigt, muss der Versuch abgebrochen werden. Eine Weile später probieren es die beiden mit dem weiterentwickelten Snowbird 6. Dieses Vorhaben ist vielversprechend. Von Alaska aus schaffen es die beiden ganze 24 Meilen auf offener See bis zu den russischen Diomeden-Inseln – als erstes Landfahrzeug der Welt. Doch letztlich zwingt sie die russische Bürokratie zum Rücktritt. Die Behörden untersagen den Amerikanern den Zutritt und drohen mit dem Einsatz von Kampfhubschraubern.

2006 North Ring-Expedition

Das merkwürdig aussehende Litvina 6x6 SUV wird entwickelt, um Sibiriens Sümpfe, Tundra- und Schneeflächen zu durchqueren, ohne dabei die Vegetation zu beschädigen. Außerdem soll Litvina Wasserstraßen überqueren und über Eisschollen klettern können. Sechs riesige Ballonreifen mit sehr geringem Luftdruck schaffen die Voraussetzungen dafür. Die russischen Entwickler scheinen zuversichtlich und wollen schon die ersten Tests an der Beringstraße durchführen. Doch Litvina kommt auf dem Land nicht schnell genug voran. Als die Crew mitten in Sibirien medizinisch versorgt werden muss, bricht das Frühjahr an. Die Beringstraße verwandelt sich in ein offenes Meer.

2008 Cape to Cape-Expedition

Letztlich sind es zwei Engländer, die die Beringstraße in einem Auto aus eigener Kraft bezwingen. Kopf des Projekts ist Steve Burgess. Der englische Farmer hat sich jahrelang auf diese Herausforderung vorbereitet, trifft sich in Kanada mit Thomas Gordon, in Moskau mit Dimitry Shparo. Er will alles über deren Expeditionen wissen, mehr über die Tücken der Beringstraße erfahren, alles richtig machen. Als Gefährt kommt für ihn nur ein Defender in Frage, der in einer Dritte-Welt-Version eine Extrawelle für eine aufsetzbare Schiffsschraube besitzt. Dazu Ausrüstung, große Raupenketten für Schnee und Eis plus zwei riesige Luftkissen samt Trägern, die bis zu fünf Tonnen schwere Brocken über Wasser halten können. Ende Januar bricht Burgess zusammen mit Dan Evans nach Osten auf. Im August 2008 überqueren die beiden die tückischste Meerenge der Welt in einem Land Rover Defender. Doch der Landy schwimmt praktisch mit einem Sekundärantrieb über die See – fährt nicht auf eigener Achse über das Eis. Für Burgess und Evans ist dieser Rekord nur ein kleiner Teil einer großen Expedition. Sie wollen eigentlich vom Kap der guten Hoffnung in Südafrika bis zum Kap Horn in Südamerika auf dem Landweg reisen.

2009 Paris–New York-Expedition

Anfang März kämpfte sich Matthias Jeschke mit seinem Team durch dichtes Schneetreiben bis zur Beringstraße vor. Dort sollte sich entscheiden, ob er als erster Mensch mit einem Auto per Achse über die Meerenge fahren würde. Er musste witterungsbedingt aufgeben und die Expedition unterbrechen. Ende 2009 will er dort wieder einsteigen und einen weiteren Versuch starten.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk