100 Jahre GM: Ein Überblick

GM verschläft jahrzehntelang, sein Modellprogramm auf die Neuzeit umzustellen. Noch vor kurzem stellen die Detroiter einen Über-SUV vor - den Cadillac Escalade. Doch er kommt zum falschen Zeitpunkt auf den krisengeschüttelten Markt - und schnell ist von Insolvenz der Übermutter GM die Rede.

Was die Konzernlenker nicht erkennen: Längst ist ein Trend hin zu sparsameren Modellen abzusehen. Keine V8-Dinosaurier mit vorsintflutlichen Sieben-Liter-Maschinen sind gefragt. Jetzt sind es die hippen Hybrid- und Elektro-Mobile, mit denen die Schönsten in Hollywood und Co. herumfahren. Die Geländewagen vom Stil eines Chevy Blazer sind kaum noch gesellschaftsfähig - zumindest nicht im aufgeklärten Amerika. Auf dem Land sieht es freilich anders aus. Dort lässt man sich die potenten Pick-Ups kaum nehmen.

Als Arnold Schwarzenegger von seinem Macho-Hummer auf einen Hybrid-BMW 7er umsteigt, deutet sich auch für jene ein Paradigmenwechseln an, die lange an GM und überhaupt die amerikanische Automobilindustrie glaubte. Mittlerweile steht Hummer zum Verkauf - allein es fehlt ein Interessent.

Opels Schwierigkeiten

Auch in Europa wird fehlentwickelt. Opel ist jahrzehntelang einer der drei Großen im deutschen Markt. Von Kleinwagen bis hin zu den Oberklasse-Limousinen der KAD-Ära - Kapitän, Admiral und Diplomat - stellt Opel eine feste Größe dar. Top-Modell ist in den 1970ern der Diplomat mit Detroiter 190 PS-V8 unter der Haube, der auch in Kapitän und Admiral zum Einsatz kommt. Ende der 1970er Jahre ist Schluss mit Oberklasse. Zunächst sollen Chevrolet- und Cadillac-Limousinen für den deutschen Markt importiert werden, es bleibt aber bei sehr geringen Stückzahlen. Mit dem Omega, der besser ausgestattet den Namen Senator trägt, ist zumindest ein Vertreter in der oberen Mittelklasse zu finden.

In den 1980er Jahren geht der Abstieg weiter. Lopez’ Billigstahl ist nur eines der (Qualitäts-) Probleme bei Kadett, Astra und Co. Der Marktanteil liegt 1993 noch bei 17 Prozent, 2008 sind es nur noch rund neun Prozent - der Aktienkurs bewegt sich auf dem niedrigsten Niveau seit 50 Jahren. Der erwartete Erfolg vom neuen Raumkonzeptauto Signum bleibt aus, Speedster und GT als sportliche Prestigeprojekte floppen. Auch Astra, Vectra und Sintra bleiben hinter den Erwartungen zurück. Das Duell mit VW, das in den 1970ern und 80ern noch ausgeglichen war, scheint Opel spätestens nach dem Jahrtausendwechsel verloren zu haben.

2005 startet der Mutterkonzern schließlich einen radikalen Sanierungskurs. 9.000 Stellen werden abgebaut - 1996 hat Opel 46.000 Mitarbeiter, zehn Jahre später nur noch gut 27.500. Neues Ziel ist ein attraktiveres Modellprogramm und vor allem eine bessere Qualität. Neuer Hoffnungsträger wird der Vectra-Nachfolger Insignia sowie die Kleinwagen Corsa, Agila und der für 2009 angekündigte Astra. Ab 2010 soll wieder ein neuer Calibra die sportliche Seite herauskehren und Opel auf die Mitbewerber aufholen.

Der Volt soll’s richten

In den USA geht mit dem Volt ein vielbeachteter Stern am GM-Himmel auf. 2007 stellt GM in der Heimatstadt Detroit den Chevrolet Volt als Conceptcar vor und wird seither nicht müde, darauf zu verweisen, dass eine Serienproduktion geplant sei. Der E-Flex getaufte Elektroantrieb soll mit den Bordbatterien eine Reichweite von rund 60 Kilometern haben. Ein Bord-Generator soll für neue Energie der Batterien sorgen. Dieser könnte mit verschiedenen Energieträgern betrieben werden. Seit Januar 2007 ist von Wasserstoff, Brennstoffzellen, reinem Ethanol, Biodiesel, E85, oder auch einem Einliter-Turbo-Benziner die Rede. 2010 plant GM die US-amerikanische Markteinführung, ein Jahr später soll der Volt als Opel nach Europa kommen. Der ursprünglich veröffentlichte Einstandspreis lag bei unter 30.000 Dollar. Mittlerweile geht der Konzern aber von einem deutlich höheren Preis aus.

Einige Marken der General Motors Corporation

  • 1908 Buick (1903 als Buick Motor Company gegründet, 1904 von William C.Durant übernommen)
  • 1908 Oldsmobile (1897 von Ransom Eli Olds gegründet, 2005 eingestellt)
  • 1909 Cadillac (1902 gegründet)
  • 1912 GMC (1909 als Rapid Motor Vehicle Company übernommen)
  • 1918 Chevrolet (1911 gegründet)
  • 1925 Vauxhall (1857 gegründet)
  • 1926 Pontiac
  • 1929 Opel (1862 gegründet)
  • 1931 Holden (gegründet 1856)
  • 1990 Saturn
  • 1999 Hummer
  • 2000 Saab (1937 gegründet)
  • 2002 SGWM (SAIC-GM-Wuling) - Joint Venture zwischen GM und Shanghai Automotiv Industry Corporation
  • 2005 Corvette (nur in Europa als eigenständige Marke)

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Kai Klauder

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