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100 Jahre GM

Ein Überblick

Foto: dpa 45 Bilder

Der einst größte Autobauer der Welt kann seinen 100. Geburtstag feiern. Doch die Stimmung ist so schlecht wie noch nie. Im Jubiläumsjahr ist Toyota an GM als größter Automobilhersteller vorbei gezogen und auch sonst stehen die Zeichen eher auf Sturm.

16.09.2008 Kai Klauder

Vor 100 Jahren sah das alles noch ganz anders aus. Am 16. September 1908 gründet William C. Durant die General Motors Corporation. Schnell geht es aufwärts, das Markenportfolio wächst enorm in den folgenden Jahrzehnten: Buick, Oldsmobile, Chevrolet, Cadillac, GMC, Pontiac, Saturn, Hummer finden bald unter der großen Mutter GM ihren Platz. Im Ausland werden Opel, Vauxhall, Holden, Saab, GM Daewoo zugekauft.

Die Strategie von Anfang an: Autos für jeden Geschmack und Geldbeutel zu bauen. Man etabliert Edelmarken neben den Billigheimern, sportliche Modelle laufen unter anderem Label als Familienkutschen - jeder Kunde soll im Hause GM glücklich werden.

Kriegsgerät statt Mittelklasseautos

In den 1920er und 30er-Jahren setzt General Motors alles daran, der Verbreitung der Eisenbahn Einhalt zu gebieten. Die weltweit bekannte Buslinie Greyhound wird aufgebaut, ein Elektromotorenhersteller aufgekauft und die Produktion sogleich auf Dieselmotoren umgestellt. Einige Stimmen behaupten, dass die Politik von GM dafür verantwortlich ist, dass der Schienenverkehr in den USA auch heute noch eine untergeordnete Rolle spiele.

Undurchsichtig ist das Engagement von GM während der Mobilmachung und des Weltkriegs in Deutschland. So wurden laut einem 1974 veröffentlichten Report des US Senats in deutschen Werken von General Motors Fahrzeuge, Flugzeuge und weiteres Kriegsgerät für die Streitkräfte im nationalsozialistischen Deutschland produziert. Amerikanische Unternehmen - Ford handelte ebenso - hätten demnach Anteil an der Mobilmachung und davon nicht unerheblich profitiert, während in den USA schon bald die Produktionsanlagen der gleichen Unternehmen auf Kriegsmittelproduktion für den Gegenschlag umgestellt wurden und auf Hochtouren liefen. Die Konzerngewinne jedenfalls stiegen in den Jahren steil nach oben.

Reiche fahren Caddy, die Mittelschicht Pontiac

Am oberen Ende der Markenwelt chauffiert Cadillac. Seit 1909 gehört die Marke mit dem Namen des Stadtgründers von Detroit zu GM. 16-Zylindermotoren in den 1930ern und später die hubraumstärksten V8-Motoren und die luxuriöseste Ausstattung sorgen für Aufsehen und Renommee - und schließlich soll Cadillac gegen Lincoln aus dem Ford-Konzern antreten.

Unter Cadillacs Niveau sind Pontiac, Oldmobile und Chevrolet angesiedelt - die klassischen Marken für die amerikanische Mittelschicht. Bei GMC finden die Handwerker und Bauern das richtige motorisierte Arbeitsgerät.

Expansion ins Ausland

General Motors verfolgt sehr früh eine Expansionsstrategie. Die 20er-Jahre sind für General Motors die sprichwörtlichen Goldenen - es sind genügend Barreserven vorhanden, um auf die große weltweite Einkaufstour zu gehen. Gerade Europa ist ein großer Auto-Markt und so übernimmt GM 1925 den britischen Hersteller Vauxhall und, als sich 1929 die Gelegenheit bietet, für mehr als 33 Millionen Dollar den größten deutschen Automobilhersteller Opel. 1931 wurde GM auf dem australischen Markt aktiv und erwarb für 2,2 Millionen Dollar Holden.

In der Folgezeit gelingt es GM, ein höchstprofitables Modellprogramm bei Opel aufzubauen. Seit den 1970ern ist die Modellpalette von Opel, Vauxhall und Holden zum größten Teil identisch. Die Modelle werden nur entsprechend gelabelt. Für Saab gilt seit 2005 das Gleiche. Die Schweden gehören seit 2000 zu GM und nutzen nun auch die Konzernplattformen.

Zuletzt scheitert 2006 die von GM-Großaktionär Kirk Kerkorian geforderte Zusammenarbeit des bereits schwer angeschlagenen General Motors-Konzerns mit Renault/Nissan. Nach den gescheiterten Verhandlungen stößt Kerkorian einen Großsteil seiner Aktien ab und sorgte für einen weiteren Kursrutsch.

Einige Marken der General Motors Corporation

1908 Buick (1903 als Buick Motor Company gegründet, 1904 von William C. Durant übernommen)
1908 Oldsmobile (1897 von Ransom Eli Olds gegründet, 2005 eingestellt)
1909 Cadillac (1902 gegründet)
1912 GMC (1909 als Rapid Motor Vehicle Company übernommen)
1918 Chevrolet (1911 gegründet)
1925 Vauxhall (1857 gegründet)
1926 Pontiac
1929 Opel (1862 gegründet)
1931 Holden (gegründet 1856)
1990 Saturn
1999 Hummer
2000 Saab (1937 gegründet)
2002 SGWM (SAIC-GM-Wuling) – Joint Venture zwischen GM und Shanghai Automotiv Industry Corporation
2005 Corvette (nur in Europa als eigenständige Marke)

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