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12. Fulda Challenge 2012 - Tag 3

Eisblumen-Privacy-Verglasung

Fulda Challenge 2012, Tag 3 Foto: Christine Kappes 19 Bilder

Ski-Jöring mit einem Kia Sportage und ein Nachtlauf durch Dawson: Das sind die Aufgaben für die Teilnehmer am dritten Tag der Fulda Challenge. Und das bei Temperaturen von weniger als 40 Grad. auto motor und sport-Redakteur René Olma berichtet live vom Extrem-Sportevent im arktischen Kanada.

16.01.2012 René Olma

Morgens um acht Uhr auf dem Klondike Highway wenige Kilometer nördlich von Whitehorse. Die Sonne wird sich erst in zwei Stunden zeigen. In der Dunkelheit steuern wir den Kia Sorento gen Norden. Plötzlich funkeln am Straßenrand zwei Leuchtpunkte, was ist das? Schnell erkennen wir die Konturen eines Tiers, also Tempo runter. Beim Vorbeirollen schaut der neben der Straße kauernde Luchs ein wenig verblüfft zurück. Vermutlich wird er gleich noch mehr irritiert, wenn auf der sonst schwach befahrenen Straße der Rest der Meute folgt.

Nachdem die zwölfte Fulda Challenge an den ersten beiden Tagen wegen einer Straßensperrung nach einem eiligst improvisierten Programm ablaufen musste, geht es jetzt wieder streng nach Plan weiter. Wir fahren nach Dawson, das bedeutet 500 Kilometer auf dem vereisten Highway. Das Thermometer hat sich nach zwei milden Tagen dort eingependelt, wo es die Veranstalter versprochen haben: bei minus 40 Grad. So lesen wir es auf der Außentemperaturanzeige des Sorento. Das wird auch so bleiben - was weniger mit der Kälte zu tun hat als mit der Tatsache, dass sich der Kia weigert, tiefere Werte anzuzeigen.

Fulda Challenge Tagebuch Tag 3 2:56 Min.

Nie nach dem Besenwagen starten

Holger Bergold, Cheforganisator des Events, und der sportliche Leiter Hans-Joachim Stuck haben den Teams vor der Abfahrt die Verhaltensregeln in dieser lebensfeindlichen Umgebung eingeschärft. Die wichtigste, neben vorsichtigen Fahren mit angepasster Geschwindigkeit: nie nach dem Besenwagen starten. Dieses letzte Fahrzeug ist die Lebensversicherung. Sollte ein Auto liegenbleiben, bekommt seine Besatzung von ihm Hilfe. Das geht aber nur, wenn er die Havarierten auf seiner Fahrt sieht. Das Handy-Netz hier oben ist mehr als lückenhaft. Und in der Tat werden Jenke von Wilmsdorf und Christine Theiss die Hilfe später nach einem Ausflug in eine Schneewehe noch benötigen.

Doch zunächst einmal schaffen es alle Autos zum ersten Etappenziel: Der Braeburn Lodge, rund eine Stunde nördlich von Whitehorse. Dieses letzte erhaltene Roadhouse diente den Reisenden in die Goldgebiete an Yukon und Klondike als Rastplatz. Heute wird das Holzhaus unter anderem beim legendären Hundeschlittenrennen Yukon Quest als Checkpoint genutzt. Vor allem aber gilt es als Touristenattraktion, nicht zuletzt wegen Hamburgern und Zimtschnecken im XXL-Format.

80 km/h beim Ski-Jöring

Für die 14 Sportler steht auf der kleinen Landebahn die erste Disziplin der Tages auf dem Programm: das Ski-Jöring. Dabei wird ein Athlet auf Skiern von seinem Teamkollegen am Steuer eines Kia Sorento über die Piste geschleppt. Ziel ist es, einen abgesteckten Slalomkurs zu meistern, zu drehen und möglichst schnell wieder ins Ziel zu kommen. Wer stürzt, ist aus dem Rennen, so wie Jenke von Wilmsdorf: Dem TV-Reporter und Partner von Lina van de Mars fehlt schlicht die Erfahrung auf den Brettern. Klar im Vorteil sind mal wieder die Wintersportler. Das Schweizer Duo hat sogar zu Hause geübt, bei Tempo 20. Hier geht es ein wenig schneller: Mit rund 80 km/h schießt das Gespann so schnell durchs Ziel, das mancher Zuschauer schon einen Ausflug neben die Strecke befürchtet. Doch alles geht glatt. Am Ende stehen die Schweizer als Sieger der Disziplin fest.

Schmerzende Haut, bockige Federung

Danach geht es weiter nach Norden. Angesichts des Mehrverbrauchs im arktischen Klima reduziert sich die Reichweite der Autos drastisch. Die geplanten Tankstopps, wie heute in Pelly Crossing müssen da unbedingt eingehalten werden, will man nicht ohne Sprit liegenbleiben. Bei Temperaturen von minus 45 Grad wird das Tanken zu einer unangenehmen Aufgabe. Die Kälte schmerzt auf der Haut, das kalte Metall der Zapfpistole macht es nicht besser. Kaum einer wagt sich unvermummt ins Freie. Beim ersten Atemzug gefriert die Feuchtigkeit in der Nase, Eisklümpchen bilden sich an den Wimpern.

Selbst die modernen Autos haben ihre Schwierigkeiten mit den arktischen Temperaturen. Die Federung spricht spürbar bockiger an als gewohnt, und die hinteren Fenster haben plötzlich eine Privacy-Verglasung. Eine dünne Eisschicht innen macht die Durchsicht unmöglich. Die Eisblumen breiten sich sogar nach vorn aus. Sobald die Defroster-Funktion für die Frontscheibe abgeschaltet wird, kriecht ein milchiger Belag vom Dach aus Richtung Motorhaube.

Nächtlicher Lauf bei minus 45 Grad

Weiter auf dem Weg nach Dawson geht es durch von Seen durchsetzte hügelige und teils bergige Waldgebiete. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint. Wir reisen durch ein Winter-Wunderland.
Erst nach Sonnenuntergang erreichen wir die alte Goldgräberstadt Dawson. Nur 22 andere Autos sind uns auf der rund 500 Kilometer langen Strecke begegnet. Die Temperatur liegt bei rund 45 Grad unter null. Gefühlt ist es deutlich weniger. Als Zuschauer ist man froh, dass einem der nächtliche Lauf durch Stadt erspart wird, auch wenn Sieger Alexander Lang die rund sieben Kilometer scheinbar mühelos abspult. Ein Erfolg, der ihm und seiner Partnerin Berit Diehl an diesem Tag den ersten Rang im Gesamtklassement sichert, knapp vor dem Schweizer Duo.

Für die V6-Benziner in den Kia ist noch nicht Feierabend. Angesichts der Kälte bleiben die Motoren rund um die Uhr an. Zu groß ist die Gefahr, dass sie einmal tiefgekühlt am nächsten Morgen nicht mehr starten würden, und für den Off-Road Parcours morgen früh werden sie dringend gebraucht.

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