12. Fulda Challenge 2012 - Tag 5: And the winner is...

Fulda Challenge 2012, Tag 5

Zehn Disziplinen in arktischer Umgebung galt es für die Teilnehmer der zwölften Fulda Challenge zu bestehen. Spannend bleibt es bis zum bitteren Ende. Wer den Miles Canyon auf einem Seil am schnellsten überwindet, sichert sich den ersten Platz und damit den Gold-Nugget. auto motor und sport-Redakteur René Olma berichtet live aus dem Yukon Territory.

Temperaturen deutlich unter -40 Grad sind nicht nur für Menschen hart, auch Autos leiden. Das erleben die Teilnehmer der zwölften Fulda Challenge jeden Morgen, wenn sie losfahren möchten. Zwar haben wir die Motoren nun schon seit dem Start in Whitehorse vor drei Tagen nicht mehr ausgemacht, doch dabei bleibt eben nur der Motor warm. Die Hydraulik hat trotzdem Startschwierigkeiten. Zu zäh wird das Öl in der Kälte, kräftiges Kurbeln am Volant wird da schon mal durch platzende Servoleitungen bestraft. Die Reifen haben Standplatten und so hoppeln die Autos auf den ersten Metern. Also ist auf den ersten Metern Schritttempo angesagt.

Das Seil zeigt die Grenzen auf

Am letzten Tag des Extrem-Sportevents steht eine lange Verbindungsetappe an: Um sieben Uhr startet die Meute gen Whitehorse. Rund 500 Kilometer über den vereisten Klondike-Highway liegen vor uns.

Die Sonne geht erst nach drei Stunden auf, doch noch haben ihre Strahlen keine Chance gegen die Wolkendecke. Die Route führt durch die kanadische Wildnis. Am Straßenrand duckt sich ein Polarfuchs, der offenbar die Überreste eines von einem Truck erlegten Vogel verspeist. Nur der Tankstopp in Pelly Crossing sorgt auf der Fahrt für Abwechslung.

Nach rund sechs Stunden erreichen wir Whitehorse. Für Alexander Lang und Berit Diehl sowie das kanadische Team mit dem ehemaligen Rugby-Profi Ryan Smith und seiner Frau Chantal MacKenzie geht es heute im alles. Hauchdünn liegt das deutsche Team in der Gesamtwertung vorn. In der letzten Disziplin entscheidet sich, wer als Sieger nach Hause fährt.

An einem Seil müssen die Sportler in rund zehn Metern Höhe den 30 Meter breiten Miles Canyon überqueren. Eine Disziplin, in der keiner der 14 Sportler Erfahrung hat. Und selbst wenn: Bei Temperaturen unter -35 Grad werden die Karten ohnehin neu gemischt. Von einer Brücke aus haben die Zuschauer einen guten Blick auf die Wettkämpfer und erleben dramatische Momente. Während sich Ryan Smith souverän und zügig zum anderen Ufer zieht, haben andere mehr Probleme. Der erfahren Bergsteiger Martin Zach kommt am Seil an seine Grenzen: "Nach einen Drittel habe ich meine Hände fast nicht mehr gespürt. Die Kälte ist brutal. So was habe ich noch nie erlebt." Thilo Mühle kämpft sich verbissen bis zum Ziel. Die letzten Meter kommt er nur zentimeterweise vorwärts, erschöpft lässt er sich auf den rettenden Felsvorsprung sinken. Erst nach einer Verschnaufpause rappelt er sich auf und läutet die Glocke, die das offizielle Ziel der Aktion ist. "Du bist ein echter Sauhund", lobt Hans-Joachim Stuck den Sachsen.

Die Hose rutscht nicht

Je mehr Teilnehmer über das Seil kriechen, desto tückischer wird es: Eine Eisschicht macht es rutschig, die Hände finden kaum Halt. Die Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss flucht über ihre Hose: "Ich friere am Seil fest, die Hose rutscht nicht." Kurz vor dem Erreichen des Ziels verliert sie den Halt und fällt in das Sicherungsseil. Niemand achtet bei diesem Finale auf die Stoppuhr und so lässt sich nur ahnen, wer den Sieg davon tragen wird.

Doch ob die Siegesfeier überhaupt stattfinden kann, ist noch ungewiss: Ein Stromausfall legt das Leben an diesem Tag lahm. Wie Stuck nebenbei erwähnt dauerte es schon mal zwei Tage, bis die Techniker das Problem in den Griff bekamen. Das kann ja heiter werden. Schließlich fällt ohne Strom auch die Heizung aus. Bei -37 Grad kein Spaß.

Doch an der Stadtgrenze merken wir: Dieses Mal sind die kanadischen Elektriker auf Zack. Der Saft ist wieder da und so steht dem Abschlussabend nichts mehr im Wege. Nach einem spannenden letzten Tag stehen Chantal MacKenzie und Ryan Smith als Sieger fest. Ein Erfolg, den alle Teilnehmer zusammen feiern und damit Hans-Joachim Stucks Eindruck bestätigen, dass sie eine der "harmonischsten Truppen sind, die ich in zwölf Jahren bei der Fulda Challenge erlebt habe."

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René Olma

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