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1.200 Kilometer im neuen VW Golf 2.0 TDI

Unaufgeregt, solide, komfortabel

VW Golf 2.0 TDI Highline, Serpentinen Foto: Karl-Heinz Augustin 17 Bilder

"Im Golf von Sardinien" - Das ist keine geografische Bestimmung sondern unsere Mission: Ein Golf, ein Tag, 1.200 Kilometer.

13.11.2012 Sebastian Renz

Es wird nicht geklatscht. Was gleichermaßen erfreulich wie erstaunlich ist für einen Billig-Ferienflieger, in dem die Passagiere es meist noch immer bewundern und für applauswürdig halten, wenn der Pilot tatsächlich um eine Bruchlandung herumkommt. Um uns herum trödeln Touristen, die in den nächsten zwei Wochen laut ihrer Umhängebänder "Sardinien zu Fuß erkunden" wollen. Wir haben es eiliger, in ein paar Stunden geht unsere Fähre. Draußen fiebert Olbia bei 30 Grad. Da steht er: Golf VII, der quermodulierte. Tornadorot. Highline. 2.0 TDI. 150 PS.

Und damit hängen die Hinterräder an einer Mehrlenkerachse, nicht wie bei den Modellen bis 122 PS an einer Verbundlenker-Konstruktion wie zu Zeiten der Generation IV. Ja, das sind so die Fakten, die wir über die letzten Monate vom Golf erfahren und vielfach verbreitet haben. Doch schon beim Einsteigen fällt uns ein, was wir nie gesagt haben: Freunde, es bleibt der Golf.

Das weiß auch die beflissene Volkswagen-Presseabteilung, die Sardinien derzeit in der Mannschaftsstärke ähnlich der Fischer-Chöre bevölkert. Statt den VW Golf VII zu erklären, bleibt es beim freundlichen Angebot, sich bei Fragen zum Umgang gerne an die Spezialisten wenden zu können. Was natürlich keiner macht, der als Autotester ernst genommen werden will. Nicht beim Golf. Wer mit dem nicht zurechkommt, verfährt sich auch mit einer Rolltreppe.

Verräumte Funktionen im neuen VW Golf VII

Also mache ich ein ernstes, kritisches, deutsches Autotestergesicht, schwinge mich auf den Fahrersitz, starte den VW Golf 2.0 TDI, lasse ihn kurz auf 2.500 Touren drehen, schalte die Adaptivdämpfer auf Sport, salutiere nochmal lässig in Richtung VW-Pressearmada, lasse die Kupplung kommen. Dann würgt es den Motor. Anschließend starte ich den Diesel neu, wechsle aber vom dritten in den ersten Gang, und wir hoppeln los. Außerhalb der Sichtweite des Presse-Pavillons halten wir am Straßenrand und finden uns in den VW Golf 2.0 TDI Highline ein. Ein paar Funktionen haben sie uns verräumt, der Bordcomputer organisiert sich anders, die Tasten für den Abstandstempomat sitzen im Lenkrad. Braucht alles nur kurz Gewöhnung wie das Navigationssystem Discover Pro mit acht Zoll großem Touchscreen und iPhone-iger Bedienung. So tippen, fingerspreizen und wischen wir unsere Route ein. Bis zum Hafen von Olbia sind es nur ein paar Kilometer, aber weil noch Zeit ist, schlenkern wir kurz an den Strand und hüpfen ins Meer.

Später warten wir im Hafen das eine und auch das andere Viertelstündchen, bis wir auf die Fähre dürfen. Das passiert dann mit viel Armgewedel und dramatischer Mimik der Einweiser. Die Stahlböden scheppern, als wir aufs Parkdeck rangieren. Wir suchen unsere Kabinen, finden keine Schwimmwesten, prägen uns den Weg zu den Rettungsbooten genau ein und fallen in die Kojen. Der 82 .000 PS starke Schiffsdiesel stampft die 40.000 Tonnen schwere Fähre in siebeneinhalb Stunden die 126 Seemeilen (nein, die zählen natürlich nicht zur Gesamtkilometerzahl) über das Tyrrhenische Meer. Dann ankert die Sharden in Civitavecchia, ein paar Dutzend Kilometer nördlich von Rom, als der Tag noch Nacht ist. Um den VW Golf 2.0 TDI stehen 200 andere Autos. Die sollen nun auf Anweisung alle einzeln umdrehen, dann nacheinander und ohne Drängeln über eine einzige Rampe die Fähre verlassen. Alle. Nacheinander. Über eine Rampe. Ohne Drängeln. In Italien? Ja, nee, ist klar. Wir halten uns aus allen Reibereien heraus, verlieren dadurch zwar ein paar Plätze, entkommen der Fähre aber ungestreift.

Design-Rebellentum nur im Tankdeckel

Wir kurven auf die Staatsstraße 1, besser bekannt als Via Aurelia. Das Navi rät, für 200 Kilometer auf ihr zu bleiben. Sie streift das Meer, huscht für ein Stück landeinwärts, windet sich kilometerweit über Brücken, um zurück ans Meer zu führen. Um halb acht steigt die Sonne auf – sie kommt gerade aus Athen –, als der Aufmerksamkeitsassistent des VW Golf 2.0 TDI meint, ich bräuchte eine Pause.

Brauche ich nicht, wie auch die nächsten sieben Mal an diesem Tag nicht in dem Moment, im dem das System es für angebracht hält. Vielleicht bräuchte nicht der Fahrer, sondern der VW Golf 2.0 TDI selbst einen Aufmerksamkeitsassistent. Heute werden ihn nur zwei Leute erkennen. Und die sagen zu diesem Auto, dessen Design-Rebellentum im trapezförmigen Tankdeckel gipfelt: "Hm, der neue Golf." Als stellten sie fest, dass ihr Frühstücksmüsli eine neue Verpackung habe.

Zwischen Pisa und Mailand wird der Verkehr dichter, die Fahrweise mediterraner, Italien industrieller. Doch auf der eintönig geraden Autostrada 1 bleibt Zeit, sich Gedanken zu machen. Der VW Golf: unaufgeregt, solide, komfortabel, immer der Nenner, auf den sich alle einigen können. Aber mehr. Weil er denen, die sich kaum für Autos interessieren, solide, rechtfertigungsfreie und bezahlbare Mobilität bietet. Doch wir Autofans finden in ihm darüber hinaus ein Auto mit herausragenden Qualitäten. Vom Vorgängermodell, der ja eigentlich ein Update war, ein Golf 5.1, springen wir zur Version 7.0. Obwohl VW selbst am meisten von der kompletten Neukonstruktion profitiert - es wird von 1.000 Euro Einsparung pro Auto gemunkelt, und fünf Millionen Exemplare werden sie über die Jahre schon losschlagen –, bewahrt er alte Qualitäten, steigert sich gleichzeitig in allen Bereichen: mehr Platz, besserer Komfort, agileres Handling, weniger Verbrauch, niedrigerer Kaufpreis.

Fiese Schläge steckt der VW Golf 2.0 TDI weg

Der Kompasspfeil zeigt streng nach Norden, schon vor der letzten Cappucchino-Pause strömte der VW Golf 2.0 TDI im Comfort-Modus über die Autostrada. Selbst fiese Schläge steckt die Federung beflissen weg, vom Selbstzünden des Motors dringt nur sachtes Knurren nach innen, die aufpreispflichtigen Komfortsitze geben kuscheligen Halt. Doch das Auf- und Abplustern der Lordosenstütze als Massagefunktionen zu verkaufen, erscheint gewagt. Vor Chiasso tanken wir und zahlen 37,50 Euro für sechs Stunden Transit: die Vignette. An der Grenze werden wir in die Schweiz durchgewunken. Alles so aufgeräumt hier.

Weiter zum Gotthard, dem Pass, nicht dem Tunnel. Der VW Golf 2.0 TDI erklimmt den Berg mit der stämmigen Kraft des Zweiliter-TDI – bei 1.750/min hat er seine 320 Nm beisammen und schiebt massiv, freundlich unterstützt vom passend abgestuften Sechsganggetriebe. Oben angekommen, biegen wir auf die alte Gotthardstrecke ab. Sie führt kopfsteingepflastert ins Tal. Links der Berg, rechts ein kniehohes Mäuerchen, dann gleich abgründige Tiefe, dazwischen der Golf. Wir fahren für Fotos ein wenig hin und her, danach noch sehr oft her und hin, hoch und runter, runter und hoch. Mit seinem serienmäßigen XDS, das elektronisch per Bremseingriff ein Sperrdifferenzial simuliert, sowie der präzisen und gefühlsechten Lenkung windet er sich traktionsstark und ideallinig die Serpentinen hinauf, überspurtet die kurzen Geraden, lenkt dann wieder agil, aber unaufgeregt in die nächste Kehre.

Kein Applaus für den VW Golf VII

Von 2.091 Meter Höhe fahren wir runter, wieder auf die A2, durchstreifen auf ihr die Kantone Uri, Nidwalden, Luzern, Schwyz, Zug, Zürich und Schaffhausen mit nie mehr als 120 km/h, während sich die Sonne immer tiefer in den Westen duckt. In Thayngen gelingt die Ausreise so enttäuschend unspektakulär wie ein paar Stunden zuvor die Einreise. Kurze Schauer bremsen uns immer wieder auf den eiligen, letzten 180 Kilometern auf der großteils unlimitierten A 81. Aber falls es jemand wissen mag: Ja, die 216 km/h Vmax schafft der VW Golf 2.0 TDI.

Die Lichter der Stadt glitzern auf regennassen Straßen. Letzter Tankstopp, der zweite erst, 5,5 L/100 km errechnet der Bordcomputer, dann sind wir zurück. 1.200 km und 14½ Stunden nach der Fährankunft in Civitavecchia parkt der VW Golf 2.0 TDI in unserer Tiefgarage. Wir hätten mit ihm noch bis ans Nordkap weiterfahren können, doch auch so ist längst klar: Er ist wieder mal der beste Golf, erwartbar der neue Maßstab seiner Klasse. Doch wie für die Tatsache, dass wir an einem Tag so weit gereist sind wie Durchschnittsfahrer in einem ganzen Monat, möchte er dafür keinen Applaus. Nichts anderes soll man von ihm erwarten. Und deshalb wird nicht geklatscht.

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