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150 Jahre Opel Meilensteine

Von Admirälen, Kadetten und Diplomaten

Opel GT, Diplomat, Lotus Omega, Admiral, Kadett B Foto: Hans Dieter Seufert, Picture Alliance, argum 16 Bilder

Opel feiert 150. Geburtstag und präsentiert zur Feier des Jahres fünf so spektakuläre wie erfolgreiche Modelle aus der Geschichte des Hauses: den Art-déco-Beau Admiral, den noblen Diplomat V8, den Millionenseller Kadett B, den sensationellen GT sowie den Highspeed-Star Lotus Omega.

03.09.2012 Malte Jürgens

Art-déco-Beau Admiral – der Schöne

Zu den Lieblingsübungen in der Modell-Gymnastik gehörte bei Opel jahrzehntelang der Spagat: Auf der einen Seite des Portfolios fußten die kleineren, zuverlässigen und bezahlbaren Großserien-Autos für eine kaum überschaubare Menge von Käufern; auf der anderen Seite leistete sich das nach Daimler-Benz zweitälteste große deutsche Autowerk aber auch den Luxus gut motorisierter, in gediegener Handwerkskunst ausgestalteter Luxuskarossen.

So auch 1938: Opel siedelt über dem Spitzenmodell Kapitän noch eine größere Limousine an, den Admiral. Sein Kastenrahmen eignet sich gut für Spezialaufbauten aller Art, etwa vom Cabriolet-Spezialisten Gläser in Dresden. Den Motor entleiht Opel aus der Nutzfahrzeug-Fertigung: Der 3,6 Liter große Sechszylinder war ursprünglich für den Blitz-Lastwagen bestimmt.

Seine 75 PS sichern eine auskömmliche Fortbewegung auch auf den neuen Autobahnen des Reiches, auf denen die 132 km/h Höchstgeschwindigkeit gefahrlos zu realisieren sind: Opel hat den Admiral mit vier hydraulischen Bremsen bestückt.

Zur Auswahl stehen zwei- und viertürige Limousinen und Cabrios sowie die sechssitzige Pullman-Limousine. In seinen Details wirkt der Admiral heute wie ein Wunderland der Art-déco-Elemente: Haltekordeln, Instrumente, Hebel, Schalter, Schriftzüge, die Kühlerornamentik, der polierte Zeppelin als Maskottchen und die verspielte Kurbel der ausstellbaren Dreiecksfenster sind kunsthandwerklich gestaltete Accessoires: Die digitalen Bildschirm-Armaturen moderner Autos mögen zwar funktioneller sein, aber gewiss nicht schöner.

Opel Kadett B – der Erfolgreiche

Der Slogan von Opel, dem Zuverlässigen wurzelt in den 1920er Jahren und beginnt mit dem Modell 4/12. Der Opel Laubfrosch bot damals für vergleichsweise wenig Geld solide, praktische und vor allem zuverlässige Mobilität.

In den sechziger Jahren schickt sich der Kadett an, die große Nische mit Autos für Besitzer von nicht ganz so großen Portemonnaies gut zu füllen – mit unkapriziöser Technik nach Art des Hauses. 1962 erscheint die erste Serie der neuen kleinen Limousine, die bis 1965 in Produktion bleibt. Dann zieht Opel die zweite Auflage aus den Ärmeln der Konstrukteure: den Kadett B. Mit 1.100 Kubikzentimeter Hubraum übertrifft sein Basis- Vierzylinder den Motor des A-Modells um ganze zehn Prozent, und 45 PS sind zum Einstieg ein Wort.

Opel bietet die B-Version den Kundenwünschen gemäß als Zwei- und Viertürer an, als Caravan oder als elegantes Coupé. Besonders beliebt macht sich bei der sportlich orientierten Jugend der Rallye-Kadett, den es sogar in einer 1,9-Liter-Version gibt. Sie leistet 90 PS und bietet die Basis für bezahlbaren und dabei doch aussichtsreichen Motorsport der Privatiers.

Die Straßenmodelle unterstreichen eindrucksvoll einen wichtigen Kernwert der Marke Opel: Zuverlässigkeit. Während die Leistungssteigerungen der Hauptkonkurrenten doch hier und da motorischen Tribut fordern, treten Schäden bei den Serienaggregaten des Kadett B kaum auf.

Einen wesentlichen Beitrag zur Unversehrtheit bei Zusammenstößen leistet auch die neue Sicherheitslenksäule. Soviel Vorteile machen den Kadett B zum Star: Zwischen 1965 und 1973 entstehen nicht weniger als 2.649.501 Exemplare – der erste Millionenseller in der Historie von Opel.

Diplomat V8 – der Noble

Ein Respekt gebietender Name aus der internationalen Politik kennzeichnet Mitte der sechziger Jahre das Flaggschiff der Opel-Modellpalette: Diplomat. Es gibt ihn mit dem Sechszylinder, aber für eine in Sachen Leistung und Drehmoment verwöhnte Kundschaft schiebt Opel einen 4,7 Liter großen V8-Motor von der amerikanischen Mutter General Motors nach.

Und ein zusätzliches Modell: "Um die Baureihe noch weiter ins Edle voranzutreiben", so die Begründung der Marketing- Strategen, "bringt das Unternehmen ein elegantes Coupé, das in Leistung und Ausstattung seinesgleichen sucht, auf den Markt."

Dieses bei Karmann gefertigte Coupé, das schließlich zwischen 1965 und 1967 in nur 347 Exemplaren entstehen wird, hat es noch dicker unter der Haube. Sein V8 mit nun 5,4 Liter Hubvolumen schüttelt mühelos 230 PS aus den Brennräumen, und mit einer Spitzengeschwindigkeit von 206 km/h setzt sich das Diplomat A Coupé an die Spitze seiner Klasse. Auch der Preis ist gut für eine Platzierung weit vorn: Mit 26.000 Mark erreicht der exklusive Viersitzer 1966 fast das Niveau des Mercedes 300 SE Coupé. An Eleganz ist seine Karosserie in den Swinging Sixties kaum zu überbieten, und die noble Lederpolsterung trägt das Ihre dazu bei, vornehme Club-Atmosphäre zu verbreiten.

Die bei Pininfarina abgeschaute V-Linie teilt die Blechflächen der Karosserieflanken akkurat in zwei Zonen, und der Verzicht auf übertriebene Chromzier attestiert dem Opel Diplomat Coupé eine angenehm zurückhaltende Noblesse.

Opel GT – der Sportler

Zu den dominanten Erbanlagen zählt bei Opel seit alters her die Liebe zur Sportlichkeit. 1965 findet sich auf dem IAA-Stand der Rüsselsheimer eine schicke Studie, gewissermaßen als Testballon für ein späteres Serienmodell: der Opel "Experimental GT". Noch zeigt er nicht seine endgültige Form.

Doch als die Formgestalter um Erhard Schnell – nomen est omen – drei Jahre später den Opel GT in seine endgültige Form gegossen haben, steht da ein zeitlos hübsches Sportcoupé auf den Rädern: mit aerodynamisch optimiertem Heck samt Abrisskante, mit dem neuesten Coke-bottle-Shape aus den USA – flache Schnauze, schwellende Radhäuser, eingezogene Cockpitlinie zwischen den Achsen. Dazu gibt es ein Detail, das den ersten GT-Besitzern fast einen Tennisarm beschert, sooft müssen sie den Trick zeigen. Mit einem kräftigen Zug am Hebel links neben dem Schaltknüppel drehen sich die wie Schlafaugen versenkten Scheinwerfer plötzlich mit leichtem Glubschen in ihre Arbeitsposition. Das hatte man bei Opel bisher noch nicht gesehen. Da der GT technisch vom Kadett abgeleitet ist, kommt Kennern die Basismotorisierung bekannt vor: 1,1 Liter Hubraum und 60 PS, wie im kleinen Rallye Kadett. Der große Bruder hat 50 Prozent mehr unter der Haube: 90 PS bei 5.100/min aus 1,9 Liter Hubraum.

Die Accessoires der Kraft kommen nicht zu kurz, etwa die "Power-Beule" der Motorhaube über dem Solex-Vergaser. Die Werbung für den 185 km/h hurtigen GT erweitert die deutsche Sprache schließlich um eine stehende Redewendung: "Nur Fliegen ist schöner!" Sie wirkt – bei 103.463 Käufern.

Lotus Omega – der Sieger

Der Blitz schlägt ein: Zu Beginn der 1990er Jahre beschloss man bei Opel, das gezackte Symbol im Firmenzeichen auch in einen Blitz auf Rennstrecken und Autobahnen zu verwandeln. Während das Reglement der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft DTM den Omega 3000 in seiner 380 PS starken Evo-Version favorisierte, tobte mit dem 1989 in Genf erstmals gezeigten Opel Lotus Omega die damals schnellste Serienlimousine der Welt in den Verkehr.

Der bei Lotus entwickelte, 360 PS starke Sechszylinder katapultiert den Viertürer aus dem Stand in weniger als sechs Sekunden auf Tempo 100 und stellt das Beschleunigen dank eines cW-Werts von nur 0,30 erst bei unglaublichen 282 km/h ein. Mit diesem von der Zeitschrift "sport auto" gemessenen Wert hängte der Lotus Omega sowohl den Porsche 911 wie auch den 928 ab, hielt den Ferrari 348 in Schach und lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Wunderwerken wie etwa dem BMW Alpina B10 Biturbo.

Mit seinem Verkaufspreis von 125.000 Mark gerät er allerdings auch zum mit Abstand teuersten Opel. Doch der Preis ist rasch vergessen, heißt es unter Kennern, und das Fahrvergnügen bleibt. "Die Faszination, die dieses Auto ausstrahlt, ist bis heute ungebrochen", zog ein Oldtimer-Journalist unlängst ein verblüfftes Fazit. Nur 907 Opel Lotus Omega wurden gebaut, und ein einziger Wermutstropfen allein erscheint den Testpiloten von heute als immer noch unangenehme Zumutung: dass man am Ende des Tages dann doch wieder aussteigen muss.

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