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17. DAVC Alpenfahrt

Pass-Kontrolle - 15 Pässe, 1.200 km, 6 Tage

17. DAVC Alpenfahrt Foto: Dino Eisele 26 Bilder

Bei der DAVC-Alpenfahrt teilten 60 Vorkriegsklassiker 1.200 Kilometer durch 15 Alpenpässe. So geriet die 17. Ausgabe zu einer spannenden Extrem-Sportart.

07.12.2009 Alf Cremers Powered by

Die Gulaschkanone blieb diesmal zu Hause. Vor 30 Jahren, als sich der DAVC entschloss, erstmals eine große Alpenfahrt mit möglichst vielen Pass-Straßen als Herausforderung für Mensch und Maschine ins Leben zu rufen, gehörte sie so selbstverständlich zum Nachschub-Tross wie Ersatzräder, Montierhebel oder Armeekanister für Benzin und Wasser.

Zugelassen sind Oldtimer bis Baujahr 1940

1979 begleitete die autoverrückte Abenteurer-Truppe noch ein Bundeswehr-Fünftonner-MAN mit Kofferaufbau, besagte Koch-Kanone am Haken. Damit war auch jenseits der Baumgrenze die Verpflegung gewährleistet. Nach 16 Alpenfahrten, die seither im zweijährigen Turnus das Clubleben des Deutschen Automobil-Veteranen Clubs um eine spannende Herausforderung bereichern, hat der martialische Lastwagen längst ausgedient. Gute Restaurants, die inzwischen zahlreich zu Rast und Einkehr einladen und dabei Hühnerfrikassé und Erbsensuppe längst vergessen lassen, sind ein adäquater Ersatz. Mehr noch: Südtirol ist eine Gourmet-Region.

Dreißig Jahre nach der Erstauflage der Alpenfahrt ging es heuer im Juni dennoch sehr authentisch zu. Die DAVC-Landesgruppe Oberbayern ließ die damals von Präsident Karl "Charly" Faber ausgearbeitete Ursprungsroute wieder aufleben. Da stellte sich dann die Frage, ob Umgehungsstraßen oder globalisiertes Verkehrschaos dem Reiz des ursprünglichen Fahrerlebnisses etwas anhaben können.

Die Antwort lautet klar "nein", denn die 60 Klassiker von heute sind noch die gleichen wie damals, oft sogar dieselben. Die Route ist so ausgefuchst, dass sie als Geheimtipp dem stets eiligen Transitgetümmel diskret davonfährt. Heute wie damals sind ausschließlich Oldtimer zugelassen, die bis jüngstens Baujahr 1940 gebaut wurden. Die Gruppe der 60 verwegenen Oldtimer-Enthusiasten wagt sich frei nach dem DAVC-Gründungsmotto "Wandern mit dem Automobil" in ihren meist offenen Klassikern auf Passhöhen weit über 2.000 Meter und vor allem wieder hinunter. Die haben oft noch Seilzugoder Gestängebremsen, manchmal wirken selbst die nur auf eine Achse. Bremskraftverstärker, Servolenkung, Synchrongetriebe, Zusatzlüfter? Alles moderner Kram für Schattenparker, der kaputtgehen kann.

Die Startplätze sind seit 30 Jahren heiß umkämpft

Doch ein clubeigener Servicewagen fuhr zur Abfederung ärgsten Unbills stets mit. Die verklärte Romantik durchgeschraubter Nächte sorgt auch heute noch für hohen Unterhaltungswert - Legenden, an denen bei jeder Alpenfahrt neu gestrickt wird. Auch diesmal war ein erfahrenes Schrauberteam samt Transportanhänger mit dabei. Auch diesmal waren die Starterplätze heiß umkämpft und früh gebucht, selbst die offizielle Ausschreibung im DAVC-Clubmagazin kam zu spät, sie war nicht mehr notwendig.

Das Starterfeld eines der wohl größten rollenden Vorkriegs-Museen konnte sich durchaus sehen lassen. Klassische Vintage- Hochkaräter und fast vergessene, unbedingt erhaltenswerte Volksautomobile funkelten in der Junisonne um die Wette. Das älteste Automobil, ein McLaughlin D-45 Special 6 von 1916, fiel zwar mit Getriebeschaden auf dem Weg zur Halbzeitetappe nach Meran aus, hatte sich aber zuvor tapfer geschlagen.

Ein seltenes Steyr 220 Cabriolet von 1938 geriet beinahe zum Publikumsliebling, hätte es nicht seine Besatzung unartig mit einer Ladung heißen Benzins geduscht. Sie öffnete unvorsichtig den Tankverschluss, um während des Aufstiegs zum Stilfser Joch die Dampfblasen aus der Benzinleitung zu verscheuchen. Den Ruhetag in Meran nutzte die Besatzung eines 34er Frazer Nash Shelsley, um das Getriebe zu überholen. Es besteht aus nur wenigen Zahnrädern, andererseits aus breiten Gliederketten, die von den Vordersitzen bis zum Heck raumgreifend agieren. Einige Zentimeter neuen Kettenmaterials galt es mit Spezialwerkzeug zu implantieren.

Im dritten Gang die Serpentinen hoch

Beeindruckend in Design und Technik zeigte sich der Rolls-Royce Phantom III von 1938. Dank einer raffinierten Türkonstruktion konnten die erlauchten Passagiere wie aus Schiebetüren elegant ein- und aussteigen. Als exzentrische Schönheit betörte der von Saoutchik eingekleidete Jaguar SS 100 von 1938, ein Einzelstück.

Peter Sauer, Präsident der DAVC-Landesgruppe Oberbayern, saß am Steuer eines bärenstarken Railton Terraplane Straight 8 Open Tourer. Der wuchtige Streitwagen wird von einem 4,2-Liter- Hudson-Reihenachtzylinder so energisch befeuert, dass Sauer mit ihm die meisten Serpentinen entspannt im dritten Gang fuhr - rauf wie runter, nach alter Fahrensregel. Material schonende Ausweichstrecken, die das vorzügliche Roadbook auswies, wurden von den Teilnehmern selten gewählt. Die Veteranen schlugen sich tapfer, das Fernthermometer hatten die Haudegen stets im Auge, oft ließen sie die Motorhauben zur Zwangskühlung offen. Emsiges Runterschalten schonte bergab die fadingfreudigen Bremsen. Die Tagesetappen lagen meist bei 200 Kilometern - keine Zeit, den Schongang einzulegen, denn auch die vielen Sehenswürdigkeiten forderten ihren Tribut.

Viele Fahrer hatten alle Hände voll zu tun, schon am dritten Tag galt es, fünf Alpenpässe zu bezwingen. In den engen Spitzkehren mussten die großen Schiffe sogar zurücksetzen, es ging nicht in einem Zug. Da war man abends geschafft, und der Ruhetag in Meran wurde als Labsal empfunden. Echt alpines Feeling kam dagegen am Stilfser Joch auf. Eine stilechte Jause neben meterhohem Schnee bleibt so unvergesslich wie die ganze DAVC-Alpenfahrt, ein Höhepunkt der Saison 2009.

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