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2. Schloss Bensberg Classics

Bergischer Glanz

2. Schloss Bensberg Classic Foto: Achim Hartmann 29 Bilder

Die 2. Schloss Bensberg Classics ließ das Bergische Land erstrahlen: Die Kombination aus Rallye Historique, Concours d’Elegance und fröhlichem Spätsommerfest im edlen Ambiente versprach ein Wochenende voller Genüsse.

05.11.2010 Malte Jürgens Powered by

Weithin bekannte Klassiker entwickeln bisweilen ein befremdliches Eigenleben. Zum Beispiel das rote Käfer Cabrio der Fernsehköchin Sarah Wiener. "Wenn ich irgendwo auftauche", klagt die stets gut gelaunte Küchen-Frau zwischen Dessert und Espresso, "werde ich oft als Erstes gefragt, was denn mein Oldtimer so macht. Manchmal denke ich, die Leute interessieren sich mehr für mein Auto als für mich oder meine Rezepte."

Prominenz bei den Schloss Bensberg Classics

Eine tiefere Identitätskrise blieb dem Fernsehstar bei der 2. Schloss Bensberg Classics dann allerdings doch erspart. Ihr Ehegatte, der "Wunder von Bern"-Hauptdarsteller Peter Lohmeyer, kurvte bei der Rallye Historique zusammen mit Karmann-Designer Jörg Steuernagel in einem VW-Bus der T2-Generation mit Schalke-04-Lackierung durchs Bergische Land, und kaum ein Fernseh-Fan konnte sich die Frage verkneifen: "Ach, ist ihre Frau gar nicht mit dabei?"

Dass sich Paare bei einer Rallye aktiv auseinanderleben können, ließ sich auf der 2. Bensberger Rallye Historique hingegen nicht nachweisen. Audi-Chef Rupert Stadler beispielsweise ging im Wanderer 25 K mit Ehegattin Angelika an den Start, VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg ließ sich von seiner Frau Thresiama lotsen, und Ferrari-Experte Klaus Werner chauffierte im extrem wertvollen 250 California Spider seine Monika durch das Bergische Land. Als am Ende des Rallye-Tages die Strafpunkte gezählt wurden, maß man ihnen nicht die übliche Bedeutung zu. Wichtiger schien es, gemeinsam angekommen zu sein und sich der lukullischen Fürsorge des Hotelchefs Thomas Althoff nun ganz überlassen zu können.

Rallye Historique mit kleinen Gemeinheiten

Aber sprechen wir vom Fahren. Motor Klassik durchkreuzte das Bergische Land in diesem Jahr in einem 57er Bentley S1 Flying Spur. Der noble Viertürer stammt aus dem Werksmuseum in Crewe, und natürlich reckten wir die Arme, machten Kniebeugen und dehnten knackend unsere Fingergelenke, um den geschmeidigen Ablauf des Bentley-Fahrens störungsfrei meistern zu können. Allein, wir wurden gefahren.

"Er gibt ihn nicht her", teilte uns Volkswagen-Classic-Chef Eberhard Kittler mit, und zuckte bedauernd mit den Schultern. "Er" war Vito Bilotta, seines Zeichens Testfahrer bei Bentley mit der Zusatzqualifikation Oldtimer-proof, also geeignet für das Fahren der Klassiker des Hauses. "Okay", sagen wir, "wenn ihr den britischen Regularity-Champion da sitzen habt, dann übernehmen wir gerne das Fransen." Start. Unmittelbar danach enthüllt Vito, dass dies die erste Oldtimer-Rallye seines Lebens sei. Dann schiebt er die Frage nach, worum es hier denn überhaupt ginge? Es gibt günstigere Voraussetzungen, eine Rallye zu gewinnen.

Die Strecke war nicht das Problem. Auf den herrlichsten asphaltierten Nebenwegen, die das Bergische Land zu bieten hat, legten wir die Rallye zurück, einfach phantastisch. Das Problem waren die neun Wertungsprüfungen und die beiden Gymkhana-Übungen. Aber der Reihe nach. Die erste Gemeinheit wartet auf uns unmittelbar nach dem Start. Beim Verlassen des Hotelgeländes gibt es eine Linkskurve, und hier werden 80 Meter in exakt 15 Sekunden gefordert. Vito bügelt den Bentley durch die Lichtschranken, und ich denke noch, nicht schlecht. Es sollte unsere beste Prüfung des Tages bleiben.

Verpasste Lichtschranke sieht im Rückspiegel absolut harmlos

Das Bergische Land bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, das Ziel einer Wertungsprüfung spurlos zu verschlucken. Wo Schild, wo Schlauch, wo Richtung? Die verpasste Lichtschranke sieht im Rückspiegel absolut harmlos aus; im Gesamtergebnis aber ist sie die Hölle. Dann dieses Geschicklichkeits-Fahren. Die Anweisung im Roadbook liest sich wie eine Kriegserklärung: "Fahren Sie mit dem Hinterreifen der Beifahrerseite auf die ausgelegte Gummimatte. Sie haben nur einen Versuch, Hilfe vom Beifahrer oder Dritten ist nicht zulässig. Eventuell vorhandener Außenspiegel wird abgedeckt."

Vito fährt, sanft, gefühlvoll, auch beim Danebenliegen. Irgendwo wartet eine Gummimatte, aber das Hinterrad des Bentley ist an dem elastischen Rechteck so nahe dran wie Afrika an Südamerika. Über die Nummer mit dem Klötzchen, dem Winkel und dem Wagenabstand soll hier nicht geschrieben werden; auch nicht über das Vorwärts-rückwärts-vorwärts zu fahrende Z oder den prinzipiellen Unterschied zwischen Start und Ziel. Der Schmerz ist noch zu frisch.

Doch auch die härteste Rallye findet irgendwann einmal ihren Zielstrich. Die Auswertung hat für uns Platz 41 errechnet, bei 63 gewerteten Teilnehmern. Das nächste Mal wird Vito auf Sieg fahren. Eine einzige Probe-Rallye ist für einen echten Bentley-Boy schließlich genug.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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