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2006 war ein gutes Autojahr. Tatsächlich.

Foto: ams 14 Bilder

Ja, ja das Autojahr 2006 war gut. Nach Zahlen. Vieles im Plus, die Deutschen sind wer im Autobau. Trotzdem wollte keine rechte Stimmung aufkommen. Frank Volk blickt zurück auf ein irgendwie merkwürdiges Autojahr. 

21.12.2006

So kann man sich täuschen. Die Zahlen sagen es klipp und klar: Absatzplus von 3,2 Prozent am Gesamtmarkt, Mercedes kriegt die Kurve zurück zum Wachstum. Nicht unbedingt lokal in Deutschland, aber global schnurrt´s für die Marke mit dem Stern. BMW ist immer noch rekordverdächtig unterwegs, und Opel darf jetzt - unter fremdem Namen zwar, aber immerhin - Autos nach Amerika exportieren. Ein gutes Zeichen für „Made in Germany“

Lage gut, aber die Stimmung? Irgendwie Vor-WM deutsch

Trotzdem merkwürdig. Die Stimmung ist nicht ansatzweise so gut wie die Lage, dabei glaubte man das Bild vom ewig nörgelnden, ewig miesepetrigen und ewig in halb leere Gläser greinenden Deutschen im Super-Fußball-Märchensommer hinweg gelächelt zu haben.

Und so erzählten die Schlagzeilen des Auto-Jahres 2006 etwas anderes. Hängen blieb Trübsinn: Rotlicht-Alarm und kein Ende bei VW, erweitert um die Kabale in der Chefetage; Bestechungssskandale bei BMW, Daimler-Chrysler, Audi, Hyundai. Und wem noch? Angenommen werden darf, dass die nicht Genannten einfach noch nicht erwischt wurden.

Krise mal wieder bei Chrysler, Arbeitsplatzabbau bei Mercedes und VW in Tausenderschritten, der Absatzaufschwung nur bei der Mehrwertsteuererhöhung geborgt und überhaupt: Freut Euch, solange die Chinesen nicht den Markt mit Billigblech überziehen.

Aber mal schön der Reihe nach. Wirtschaft heißt Manager und Manager Karriere. Die Drehbücher schreibt der Alltag, wo es um Macht und Geld oder Geld und Macht geht. 2006 besonders.

Da gerieten Hüben wie drüben des Atlantiks die alten Herren der Managerriege in einen Machtrausch. In welchen Schrecknissen die Erhöhung des Rentenalters enden kann, führen die Herren Ferdinand Piëch (bei VW, respektive Porsche) und Kirk Kerkorian (General Motors, Renault-Nissan) eindrücklich vor. In einem Alter, in dem andere Menschen froh sind, wenn sie selbsttätig den Kühlschrank finden, trieb der 89-jährige Kerkorian das versammelte Management des weltgrößten Autoherstellers vor sich her. Erst ranzte er wider die Kompetenz von GM-Lenker Rick Wagoner, dann befahl er die Großfusion zwischen Renault-Nissan und GM, was die Autowelt ziemlich auf den Kopf gestellt hätte. Am Ende hatte sich der renitente Greis, der sein Milliardenvermögen im Casino-Geschäft machte, verzockt. Wagoner war obenauf und Kerkorian raus. Und seine persönliche Jahresbilanz auch nicht der Hit: Lieblingshund tot, Lieblingsfeind immer noch auf dem GM-Sessel und mit dem Tennisspiel klappt´s wegen einer Sehschwäche auch nicht mehr so richtig.

Manager-AH im Machtrausch

Voll den Durchblick, besser gesagt den Durchgriff, hat Ferdinand Piech. Schon bei seinem Rückzug auf den Aufsichtsratschefposten hatten die gerne zitierten Insider orakelt, dass das mit dem Rückzug in die Honoratiorenliga der Firmenaufseher bei Piëch so nicht funktionieren würde. Eine zeitlang war es ruhig, zu Beginn des Jahres nicht mehr. Mit einem österreichisch dahin genuschelten verbalen Fragezeichen hinter der Vertragsverlängerung von Bernd Pischetsrieder ging es los als der Schnee noch lag. Gemütsmensch Pischetsrieder bekam von den Hauptversammelten im April dann doch den Rücken gestärkt und Piëch lächelte ganz friedlich dazu. Wiederum Menschen, die Piëch besser kennen, sagten damals schon, dass es nur ein Galgenfrist sei. So war´s. Im Herbst demisionierte Pischetsrieder. Zwischendrin hatte Piëch den gerne als letzten volkseigenen Betrieb Deutschlands bezeichneten Autobauer zum Privat-Betrieb umgemodelt: Knapp 30 Prozent von VW gehören zu Porsche und Porsche wiederum zu Piëch, und wo doch alle eine große glückliche Familie sind, darf nun der Piech-Vertraute Martin Winterkorn den VW-Konzern lenken, Rupert Stadler, auch einer der die Piech-Schule durchlaufen hat, lenkt Audi und alle werden sie irgendwie gesteuert vom großen Patron. Nicht zu vergessen, Wendelin Wiedeking, der weiter mit Porsche brilliert, Manager-Kollegen bisweilen blamiert und überhaupt in einem eigenen Kosmos unterwegs ist.

Hartz - Fallgeschwindigkeit wie ein Backstein

Piëch auf dem Thron des Konzern-Allgewaltigen, andere hatten eine Fallgeschwindigkeit wie Backsteine: Peter Hartz, Ex-Personalvorstand, Ex-Kanzlerberater und Reform Namenpatron, ist auf das Sinnbild des zügellosen  Edelpuffbesuchers geschrumpft, Ex-Mister-Supermächtig der VW-Gewerkschaft, Klaus Volkert, kam mit Ach und Krach vor Weihnachten aus dem Knast, möglicherweise nur ein Nikolaus-Urlaub.

Weitere gefallene Helden des Autojahres: Carlos Ghosn, Renault-Nissan-Vorsteher und für alle Chefposten gehandelt, wo es Großes zu retten galt: Bei Ford, bei GM und natürlich beim dann doch nicht zustande gekommen Groß-Konglomerat Renault-Nissan-GM. Am Ende wurde alles nichts, außer betrüblichen Zahlen: Dampfsanierer Ghosn muss in vielen Märkten deutliche Rückgänge bei den Absatzzahlen hinnehmen, die Qualität ist so la la.

Helmut Panke, sich eigentlich für die Rente ab 67 reif fühlender BMW-Vorstand, den sie trotz offensichtlicher Arbeitslust nicht weitermachen ließen und durch Norbert Reithofer ersetzten, weil bei BMW nun mal mit 60 Schluss ist

Dieter Zetsche, vorab gefeierter Heilsbringer bei Daimler-Chrysler. Hat ja was bewegt 2006, aber auch in die richtige Richtung? Bei Mercedes ja, bei Chrysler rumpelt´s im Karton und Zetsche steht ein bisschen im Regen. Immerhin hat er sich in den USA hauswandhoch als Dr. Z feiern lassen. Eine witzige Kampagne, weil aber seither nichts besser, das Defizit aber größer wurde, ging der Schuss ordentlich nach hinten los.

Wer nicht oben steht, kann nicht tief fallen, insofern ist Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee im Lager der gefallenen Helden leicht in der Kategorie verrutscht. Erinnert sei an ihn dennoch, aber mit Grausen. Jede Woche eine andere Sau durchs Dorf gejagt, keine klare Linie.

Womit er blendend ins Bild passt, das die Politik in Sachen Verkehr  2006 abgab. Feinstaubdebatte, Plakettendiskussion, Rußfilterförderung, Maut ja-nein-vielleicht-aber-doch-besser-nicht-obwohl. Alles in allem eine fortgesetzte Geisterbahnfahrt. Ausgang ungewiß.

Worauf wir 2007 blicken

Ob nun der Aufschwung wirklich nur eine Mehrwertsteuerblähung war?

Ob VW die Kurve kriegt, ob Ford nicht pleite geht?

Ob Carlos Ghosn doch noch einen Partner in Amerika findet, was uns die Chinesen-Auto-Offensive als nächstes in die Containerhäfen spült?

Ob sich die ewige Behauptung, Weiß sei die neue Trendfarbe sich endlich selbt erfüllt?

Ob die Klappdächer nächstes Jahr auch noch klappen, ob uns die Fahrerassistenzsysteme endgültig zu Beifahrern machen?

Welche Rostlauben nun wirklich ausgesperrt bleiben wg. Feinstaub und ob Ralf Schumacher endlich das Geld verdient , das er bei seinen F1-Einsätzen verdient.

Das aber und mehr im Jahrerückblick in Sachen Sport. So viel sei aber hier verraten: Der Name Schumacher spielt eine gewisse Rolle in einem übrigens gar nicht so schlechten, aber irgendwie doch traurigen Formel-1-Jahr.

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