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24-Stunden-Nürburgring Projekt 2009

Schluss-Besprechung vom Fahrstuhl-Rennen

24h Rennen Nachteinbruch Samstag Foto: SB Medien 8 Bilder

Tourenwagen-Weltmeister Andy Priaulx nannte es treffenderweise ein "Fahrstuhl-Rennen": Für das sport auto-Team ging es beim 24h-Rennen in der Tat gleich mehrfach rauf und prompt wieder runter. Das betraf das Gesamtklassement ebenso wie die Gefühlslage von Fahrern und Teammitgliedern.

11.07.2009 Powered by

Wer kurz nach dem Start eines 24-Stunden-Rennens bereits wieder in der Box steht, gehört fraglos in die Kategorie der Superpechvögel. Um 16.04 Uhr wuselten die Mechaniker des Schubert-Teams wie wild um den sport auto-BMW M3 - wie Doktoren, die auf der Intensivstation einem Schwerverletzten das Leben retten wollen. Die Schrauber wechselten eine verbogene Spurstange, die sich Jörg Müller bereits in der zweiten Kurve des 24h-Rennens durch einen minimalen Feindkontakt eingefangen hatte.

24-Stunden-Nürburgring Projekt 2009: BMW M3 GT4: Kundensport hat Tradition bei der BMW Motorsportabteilung 3:03 Min.

Fatalismus wäre nicht angebracht
 
„Es gibt Rennen, die nicht gut beginnen. Aber das bedeutet ja nicht notwendigerweise, dass sie auch schlecht enden müssen.“ BMW-Werkspilot Andy Priaulx fand nach dem ersten Schock den angemessenen Ton. Fatalismus wäre bei einem 24h-Rennen auch überhaupt nicht angebracht. Eher die Jetzt-erst-recht-Mentalität, wie sie Pechvogel Jörg Müller zur Schau trug: „Zwei Runden Rückstand - das machen wir locker wieder wett.“

Der Blick auf den Zeitenmonitor um 16.22 Uhr wies den sport auto-Rennwagen nach zwei Rennrunden auf Platz 166 aus - also präzise gesprochen auf dem letzten Platz. Okay, das war nicht der Wunschstart, aber was läuft bei einem 24-Stunden-Rennen schon nach Plan? Zu mörderisch die Ultra-Distanz, zu unkalkulierbar die Risiken auf der berüchtigten Nordschleife, als dass sich Rückschläge ausschließen ließen.

Wenige Stunden später hatte das sport auto-Team wieder halbwegs Oberwasser. Werkspilot Jörg Müller stiefelte mit Macht und vielleicht auch ein bisschen Wut durchs Feld, die Rundenzeiten sanken tief in den 9.30er Keller, ein Gegner nach dem anderen wurde aufgeschnupft. sport auto-Redakteur Jochen Übler und BMW-Star Andy Priaulx hatten es nach knapp fünf Rennstunden schon wieder in die Top 60 geschafft. Doch beim dritten Fahrerwechsel kam wieder ein Alarm, diesmal technisch bedingt: Fett in der Innenschüssel der linken hinteren Felge deutete auf Ungemach im Antriebswellenbereich.
 
Die eine Aufholjagd war beendet – die nächste stand bevor
 
Anstatt auf die Nordschleife herauszupreschen, wurde der BMW M3 in die Box zurückgeschoben. Wieder zerrannen knapp 20 Minuten. Der in Zusammenarbeit mit BMW Motorsport eingesetzte BMW M3 stürzte in der Hackordnung des Zeitenmonitors tief in den Bereich um Platz 120 ab. Die eine Aufholjagd war beendet - da stand schon wieder die nächste bevor. Die Antriebswellen waren, wie sich im Rennverlauf herausstellen sollte, der Genickbrecher im Technikpaket des noch blutjungen BMW M3 GT4.

Das kann eigentlich auch nicht verwundern, denn erst im Dezember 2008 startete die Entwicklung des seriennahen GT-Rennwagens. Und diese konzentrierte sich primär auf die GT4-Europacup-Rennen - die gerade mal über eine Renndistanz von 40 Minuten führen. Nach der Entscheidung, zusammen mit sport auto auch das 24h-Rennen in Angriff zu nehmen, musste eine weitere Entwicklungsschleife für die Langstreckeneinsätze gedreht werden. Hier ging es weniger um die Performance, als um die mechanische Zuverlässigkeit.

GT4-Entwicklungsteam kam wenig zum Schlafen
 
„Zwischen den ersten Testfahrten im Rahmen der Langstreckenmeisterschaft bis zum 24h-Rennen lagen weniger als zwei Monate“, erklärt Stefan Fober, bei BMW Motorsport verantwortlich für die Entwicklung des GT4-Rennwagens. Die Erkenntnisse aus den Testrennen mündeten in zahllose technische Modifikationen, die in äußerst kurzer Zeit bewerkstelligt werden mussten. Und fast alle waren erfolgreich. So wurde die Schaltbarkeit des Getriebes ebenso verbessert wie die Dosierbarkeit der Kupplung. Zieht man in Betracht, dass jede Modifikation eine Neubewertung beim Thema Dauerhaltbarkeit nach sich zog, so lässt sich locker ausrechnen, dass das GT4-Entwicklungsteam um Stefan Fober in den Wochen vor dem 24h-Rennen recht wenig zum Schlafen kam.

Beim Thema Antriebswellen war Fober obendrein mehr als zuversichtlich, schließlich konnte er auf Erfahrungen mit sehr artverwandten Bauteilen wie beim BMW Z4 M Coupé nach Special- Reglement zurückgreifen. Dieses Auto startet bereits seit vielen Jahren auf der Nordschleife beim 24h-Rennen. Dementsprechend groß war der Schock bei Fober und seinen Mannen, als man Gewahr wurde, dass in diesem Bereich ein unerwartetes Problem mit Torpedogeschwindigkeit auf sie zukam. Und es war leider auch kein Einmalproblem, wie sich um 3.30 Uhr am Sonntagmorgen herausstellen sollte: Diesmal musste Pilot Marcus Schurig mit Antriebswellenschaden im Bereich Breitscheider Brücke Zuflucht suchen.
 
Es ging um den Klassensieg und nicht um die goldene Ananas
 
Das Team benötigte gut 30 Minuten, um dem Gestrandeten zur Hilfe zu eilen, noch einmal 15 Minuten vergingen, bis die Welle in stockfinsterer Nacht gewechselt war. Erneut lag das sport auto-Team abgeschlagen auf Position Einhundert-Irgendwas, erneut stand eine Aufholjagd an. Doch diesmal unter leicht veränderten Vorzeichen, denn irgendwie spürten die Piloten, dass das, was schon zwei Mal kaputt ging, möglicherweise auch noch ein drittes Mal kaputt gehen könnte. Komischerweise beeinträchtigte diese nicht gerade verlockende Aussicht weder die Herangehensweise der Piloten noch die des Schubert-Einsatzteams. Die Mechaniker schufteten unbeirrbar bei jedem Boxenstopp - als ginge es noch um den Klassensieg und nicht um die goldene Ananas.

Die Fahrer stempelten mit Rundenzeiten deutlich unter zehn Minuten ihre Turns herunter, als könnten sie den Sieger-Schampus oder wenigstens das Bier danach schon schmecken. Doch man kann das Schicksal nicht überlisten. Die Antriebswellen gingen noch zwei weitere Male zu Bruch. Gottlob erkannte das Schubert-Team die sich anbahnenden Schäden frühzeitig beim Boxenstopp, weshalb dem BMW M3 ein Ausfall auf der Strecke erspart blieb. Das „Fahrstuhl-Rennen“ von sport auto endete letztlich auf Position 47 - denn die letzten acht Stunden hielten die Antriebswellen, warum auch immer.
 
Das Potential war im M3 GT4 vorhanden
 
Vielleicht hatten sie einfach Mitleid mit uns. Letztlich summierten sich alle Standzeiten auf 119 Minuten, das macht nach Adam Riese zwei Stunden oder zwölf Runden. In Anbetracht der Tatsache, dass das Auto sonst ohne eine einzige Schramme ins Ziel kam, sei die Frage, was möglich gewesen wäre, der Phantasie der Leser überlassen. Es wäre viel möglich gewesen mit diesem taufrischen Rennwagen, der in seiner mechanischen Grundsubstanz fehlerfrei durchtickte und äußerst schnelle und konstante Rundenzeiten erlaubte. Doch wer bereits vier Minuten nach dem Start eines 24h-Rennens zum ersten Mal steht, darf sich am Ende nicht beschweren.

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Das 24h-Rennen auf dem Nürburgring ist ...
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