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24-Stunden-Rennen 2009

Party, PS und Pommes: Das Paradies in der Hölle

24h Rennen Nürburgring 2009 Fans Foto: SB-Medien 110 Bilder

Beim 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring geht ohne sie nichts: Die Fans, die rund um die Strecke campieren, feiern und die Fahrer anfeuern. Wir haben ihnen einen Besuch abgestattet.

22.05.2009 Powered by

Sie brauchen nur wenig, um glücklich zu sein. Einen Grill, Campingstühle, Bier. In der Luxusversion zieren die Kulisse noch ein wackliger Pavillon und ein Campingtisch. Ein bescheidener Urlaub; aber für die Fans an der Nürburgring-Nordschleife der schönste der Welt.

24-Stunden-Rennen Nürburgring 2012: Zeitplan, Rahmenprogramm und mehr 5:15 Min.

"Wir wollen einfach nur Party machen"

"Ich würde das hier nie für eine Woche Ibiza eintauschen wollen“, sagt Fabian, als wäre das völlig selbstverständlich. Manche nennen den Ring "Grüne Hölle", aber für die Fans ist es das Paradies. Statt Sonnenschein das typische Eifel-Wetter, statt Sandstrand knöcheltiefer Morast, statt Hotelzimmer die Rückbank des Autos.

Schon seit Sonntagmorgen campieren er und sein Kumpel Dennis im Streckenabschnitt Hatzenbach. Sie haben es sich für ihre Verhältnisse gemütlich gemacht. Den "Eingang" ihres Platzes schmücken eine Pyramide aus einer Batterie von Bierflaschen und eine rund drei Meter lange Kronkorken-Kette. Dahinter steht die selbst gebaute Tribüne aus Holzpaletten, der Kühlschrank hat sich in ein DJ-Pult verwandelt. "Das ist einfach eine Woche assi sein. Klingt komisch, ist aber so", scherzt Dennis und lacht laut. Im Hintergrund rast der Manthey-Porsche vorbei.

Ein Jahr lang haben Dennis und Fabian ihre Woche am Nürburgring geplant. Schon beim letzten Besuch des 24h-Rennens hatten die Jungs aus Neuwied ganz genaue Vorstellungen, wie es mal aussehen soll. Um das zu verwirklichen, haben sie hart gekämpft. "Vorher hat hier ein Typ fünf Jahre lang gecampt, jetzt sind wir ihm zuvorgekommen. Als er am Montagmorgen anreiste, hat er erstmal blöd geguckt", erzählt Dennis, der einen schwarzen Kapuzenpulli mit der Aufschrift "Pussy Deluxe Club" trägt. Das ist das Motto der beiden 23-Jährigen in dieser Woche. Trotzdem stehen sie auch immer wieder am Zaun und beobachten, wie die Autos um die Kurve schießen. Sie sind schließlich wegen des Rennens hier.

Vor den Dixie-Klos riecht es nach Holzkohle und Urin

Man sollte meinen, aus diesem Grund wären die meisten gekommen - dem ist nicht so. "Wir wollen einfach nur Party machen", sagt Thorsten und lehnt sich in seinen Polster-Sessel zurück. Nur ein paar Meter von Dennis und Fabian entfernt feiert er im selbst gebauten Lager mit seinen Kumpels. "Wir sind Opel" steht auf ihren Shirts. Sie verfolgen die Szenerie auf einem umgebauten und bunt beklebten Wagen, den Thorsten selbst konstruiert hat. "Im Jahr davor war es verdammt nass", sagt er, während die Regentropfen wie durchsichtiges Konfetti auf seiner Brille kleben bleiben. Deshalb habe er den Wagen gebaut. Traktor davor und los geht's. Seit sechs Jahren ist er dabei. "Mit 27 fühle ich mich aber so langsam zu alt", schreit er und grinst. Das Wummern der Bässe übertönt, was er sonst noch so zu sagen hat.

Reden muss man ohnehin nicht viel - sondern die Augen aufmachen. Egal welcher Streckenabschnitt der Nordschleife, die Fans sind nicht weit. Sie gehören zum Ring wie ein Motor zum Auto. Ohne sie läuft nichts. Tausende campen an Streckenabschnitten wie Brünnchen, Hatzenbach oder Adenauer Forst. Die Iglu-Zelte wölben sich wie Maulwurfshügel über den Wiesen. Vor den Dixie-Klos liegt ein Eau de Toilette aus Holzkohle und Urin in der Luft. Es wird gegrillt und gegrölt. An den Wohnmobilen und Wohnwägen wehen die Fahnen von VW, Porsche, Audi und BMW im Wind. Jeder zittert für sein Lieblings-Team und feuert seine Mannschaft an. Feindschaften gibt es nicht. Ganz im Gegenteil. Am Ring hilft jeder jedem.

"Eben haben wir Pommes für die Nachbarn gemacht, weil sie nichts zu essen hatten", erzählt Chris. Kein Problem, denn die Jungs und Mädels haben sogar eine Küche und einen Koch dabei. "Wir brauchen in der Woche so 40 Kilogramm Kartoffeln", berichtet er und klammert sich an seine Krombacher-Flasche. Neben ihm steht "Eifel-Schorsch", der eine große runde Brille trägt und dessen T-Shirt ein wenig spannt. "Da müssen alle mit anpacken und schälen", ergänzt er. Seit sechs Jahren pilgern sie nun schon zum 24h-Rennen. Das schweißt zusammen. Auf dem Tisch stehen noch die Reste vom Essen, in der mobilen Küche wird gespült und abgetrocknet.

Beim Club EIDCA feiern auch zwei Mädels mit

Draußen regnet es mittlerweile in Strömen. Unter den Füßen gurkst der Boden. Die Stimmung lassen sie sich deshalb aber nicht verderben und brüllen plötzlich im Chor: "Alles für den Dackel, alles für den Club, lasst euch nicht lumpen, hoch mit dem Humpen." Das ist der Schlachtruf von Chris, Eifel-Schorsch und seinen Kollegen von der European International D Club Association (EIDCA); der Name entstand in einer Schnapslaune und prangt nun auf Chris’ rotem Pulli.

Der Holländer ist aber nicht der einzige Exot in diesem Kreis. Die EIDCA hat auch zwei Mädels dabei: Lisa und Lisa. Dass manchmal etwas mehr Alkohol fließt, macht den beiden nichts aus. "Mitmachen", meint die brünette Lisa, die zum ersten Mal dabei ist. Für die ganze Woche zahlen sie und ihre Jungs 120 Euro pro Nase und bekommen dafür Leckereien wie Braten mit Sauerkraut und natürlich Bier in rauen Mengen. Aber eigentlich brauchen sie ja nur wenig, um glücklich zu sein.



Weitere Informationen finden Sie im sport auto-Spezial zum 24h-Rennen auf dem Nürburgring.

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