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24h-Rennen Nürburgring 2008

Nachts im Cockpit

Foto: 24h Media 29 Bilder

Eine Fahrt über die legendäre Nordschleife in der Nacht lässt sich nur beim 24-Stunden-Rennen ermöglichen. Dabei sind es nicht nur die leuchtenden Scheinwerfer der Rennboliden, sondern auch die ausgelassenen Parties abseits der Eifelstrecke, die für erhellende Momente sorgen.

25.05.2008 Powered by

"Mehr als eine Kerze haben wir nicht", brüllte mein Teamkollege noch schnaufend beim Boxenstopp, nach dem er zwei Stunden lang unseren Marathon-Audi TT gelenkt hat. Nach den ersten Metern auf der Nordschleife bei pechschwarzer Dunkelheit wird mir klar, was er gemeint hat. Nicht die Kerzen für das abschließende Siegerbankett nach der erfolgreichen Langstrecken-Hatz, vielmehr die schwachen Lichter unseres Rennboliden waren gemeint.

"Gesamtsieg wäre ein Traum", schießt es mir in den Kopf, während die orangen Leuchten des favorisierten Manthey-Porsche im Rückspiegel auftauchen und der Bolide wild fauchend vorbeizieht um blitzschnell in der klaren Eifelnacht zu verschwinden. So viele Top-Teams können gar nicht ausfallen, dass unser Presse-Rennteam ganz nach vorne gespült wird.

24 bis 2 Uhr hatte ich mir vorher auf einen zerknitterten Papierzettel geschmiert, um meinen nächtlichen Renneinsätze nicht zu verpassen. Schon der Weg durch das Fahrerlager erinnert um diese Zeit mehr an das Jahrmarkt-Gewühl auf dem Münchner Oktoberfest. Auch in der Boxengasse herrscht Chaos. Cleane Boxenhygiene à la Formel 1 gibt es hier. Rutschige Ölflecken, ein Meer aus Schraubenschlüsseln und lautes Geschrei der Mechaniker bestimmen das Boxenchaos beim 24-Stunden-Rennen.

Während die einen gemütlich auf Klappstühlen dösen, operieren andere am offenen Herzen. Am laufenden Band verpflanzen hier Mechaniker neue Aggregate mit chirurgischer Präzision in gestrandeten Rennwagen und versorgen die Marathon-Rennwagen mit Ersatzteilen. Nur mit Reifenwechsel und Tankstopps kommen die wenigsten durch.

Dagegen sind meine Lichtprobleme ein Witz, immerhin läuft unser Wagen zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch. Hatzenbach, Flugplatz, Schwedenkreuz, Fuchsröhre... Das Gehirn spult die Streckenabschnitte der legendären Eifel-Achterbahn während der unzähligen Runden wie eine Endlos-CD ab. Wirklich sehen kann ich mit den schwachen Funzeln an unserem Nordschleifen-Renner nichts.

Dafür kann man die legendären Passagen erriechen. Breidscheid. Am niedrigsten Punkt der kurvigen Berg- und Tal-Rennstrecke haben tausend Fans ihre Zelte aufgeschlagen. Der schmackhafte Geruch von Lagerfeuer und Grillwurst wabert hier durch die Belüftungsschlitze ins Cockpit. Anhalten, aussteigen, mitfeiern. Wer hier mit seinem Rennwagen liegen bleibt, wird von den Ring-Enthusiasten garantiert mit kühlem Bier aufmunternd versorgt.

Noch ausgelassenere Stimmung herrscht nur im absoluten Nordschleifen-Fanmekka, dem Brünnchen. Auch dieser Streckenabschnitt verwandelt sich bereits eine Woche vor dem 24-Stunden-Marathon in eine pulsierende Zeltstadt. Die richtige Mega-Party steigt hier aber dann in der 24h-Nacht. Blinker Diskolaser, strahlendes Feuerwerk und blitzende Digitalkameras leuchten hier die Nordschleife aus. ’Warum brauche ich eigentlich Scheinwerfer?’ Wenige Kurven später, bereue ich die Frage. Nicht überall campieren die Fans direkt neben der Strecke.

Meine Scheinwerfer leuchten den Asphalt nur mühsam aus, bis in den Rückspiegel wieder das grelle Licht der Verfolger aufflammt. Blinker links und Platz machen, um die Schnelleren vorbeizulassen, denkste. Nicht favorisierter Porsche, sondern Ford Fiesta mit Flutlichtbeleuchtung versucht vorbeizuziehen. Typisch 24h-Mythos auf der Nordschleife: Hier kämpft David gegen Goliath, Werksfahrer gegen Amateur und Porsche gegen Fiat 500.

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