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24h-Nürburgring Projekt 2009

Mit dem seriennahen BMW M3 GT4 zum Nürburgring

Foto: sport auto 43 Bilder

Motorsport mit seriennahen Sportwagen - das klingt wie eine ferne Reminiszenz aus den glorreichen 60er Jahren. Doch eine neue Sportwagenklasse lässt das alte Rezept wieder hochleben: In der GT4-Klasse starten seriennahe Straßensportwagen ohne Schnickschnack. sport auto wird das neue Konzept beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring einem Praxisversuch unterziehen.

15.04.2009 Marcus Schurig Powered by

Beim Thema 24h-Rennprojekte schwelgt die Redaktion von sport auto nur allzu gern in Erinnerungen. Aus der Ahnengalerie ragt beispielsweise das kultige BMW Z3 M Coupé mit 430 PS markant hervor, mit dem im Jahr 2000 die Geschichte der Nürburgring-Kooperationen einst begann. In gewisser Weise schließt sich der Kreis nun wieder - 2009 verbündet sich sport auto abermals mit BMW. Die Verbindungslinien zwischen damals und heute beschränken sich jedoch auf eine bedeutungsvolle Chiffre und die Zirka-Leistung des Motors: M und 430 PS.

In diesem Jahr wird sport auto beim 24h-Rennen am Nürburgring das jüngste Kind aus der BMW Motorsportschmiede ausführen - den brandneuen BMW M3 GT4. Während der Z3 anno 2000 Einzelstück und Unikat war, repräsentiert der M3 GT4 ein neues, ab 2009 erhältliches Kundensport-Produkt von BMW Motorsport.

Gefahren wird mit einem nahezu serienmäßigen M3

Der nach dem GT4-Reglement aufgebaute M3 bringt Motorsport auf eine einfache, plausible Formel: Gefahren wird mit einem nahezu serienmäßigen M3, der nur über die notwendigen Sicherheitsfeatures verfügt und marginal in den Bereichen Motor, Getriebe, Fahrwerk und Bremsen optimiert werden darf. Kein aufwendiges Spiel mit dem Wind, keine Aerodynamik-Schachtelei mit Luftströmen und Wirbelschleppen. Kein Schwindel erregendes Motortuning und kein fragiles sequenzielles Renngetriebe - der Serienwagen steht hier wirklich Pate für den Rennsport.

Motorsport mit Straßensportwagen kann so einfach sein, und GT-Promoter Stéphane Ratel gebührt das Verdienst, die Sache durchgeboxt zu haben. Sein Konzept der GT3-Rennwagen löste im Jahr 2006 einen weltweiten Boom im GT-Sport aus, der vor allem ein Wachstum in der Breite erzeugte. Seine zweite GT-Offensive, die Etablierung der GT4-Rennklasse, ist noch extremer und radikaler dem Aspekt des Kostenbewusstseins verpflichtet. In gewisser Weise ist es ein Fanal, dass BMW Motorsport das Thema M3 GT4 entgegen ursprünglicher Planungen nun selbst in die Hand nimmt.

24-Stunden-Nürburgring Projekt 2009: BMW M3 GT4: Kundensport hat Tradition bei der BMW Motorsportabteilung 3:03 Min.

Nachfrage nach einem GT4-Rennwagen wächst

"Diese attraktive Kategorie gewinnt immer mehr an Bedeutung", sagt Friedrich Nohl, Leiter Sport- und Tourenwagentechnik bei BMW Motorsport. "Entsprechend wurden die Nachfragen unserer Kunden nach einem GT4-Rennwagen immer drängender." Derzeit balgen sich bereits zehn Hersteller im sogenannten GT4-Europacup. Mittlerweile übernehmen auch viele nationale Serien diese Fahrzeugklasse mit Handkuss - so wie auch das 24h-Rennen am Nürburgring. In dieser Veranstaltung ist BMW traditionell extrem stark vertreten: 2008 starteten mit 79 Teams gut ein Drittel des gesamten Starterfeldes auf Produkten der Marke BMW. Und deshalb genießt der Breiten- und Kundensport natürlich eine besonders hohe Priorität bei BMW Motorsport.

Kurzer Weg vom Straßenwagen zum Rennauto

Weil das Reglement dieser neuen Sportwagenklasse so hauteng an den Serienprodukten entlang gewoben wurde, ist der Weg vom Straßenwagen zum Rennauto kurz und knackig. Die Rohkarosse des Straßenautos wird von der Produktionsstraße genommen und dann mit einem Sicherheitskäfig vermählt. Natürlich kommen Dämmmatten und ähnliche Komfort-Features gar nicht erst ins Auto. Aero-Entwicklungen wie Dive Planes, Turning Vanes oder Gurney-Kante fehlen komplett.

Die makellose, gedrungen-sportliche Linienführung des M3 Coupés bleibt vollständig erhalten und absolut clean - Produktionssportwagen-Sport alter Schule sozusagen. Die Maßnahmen zur Gewichtsreduktion bestehen zum Beispiel darin, die Seiten- und Heckverglasung durch Makrolon-Scheiben zu ersetzen, was den Gewichtsschwerpunkt senkt. Da der M3 bereits serienmäßig über ein federleichtes Kohlefaserdach verfügt, konzentrieren sich die Massen im GT4-M3 tief unten.

Leistungsplus von unter fünf Prozent

Für den Rennbetrieb wurde der auf unter 1.400 Kilo abgespeckte GT4-M3 mit einem FT3-Renntank mit einem Fassungsvermögen von 100 Litern sowie einer Lufthebeanlage ausgerüstet. Der Pilot gebietet an seinem Arbeitsplatz über ein abnehmbares Rennlenkrad und ein Renn-Display von 2D. Das pochende Herz in Gestalt des Vier-Liter-V8-Motors mit serienmäßig 420 PS bleibt nahezu unangetastet - eine rennmäßige Abgasanlage und ein Einmassenschwungrad, die einen marginalen PS-Zuschlag im Bereich von unter fünf Prozent erbringen, sind alles, was das Reglement erlaubt.

Der Kraftschluss zwischen Motor und Getriebe erfolgt nun über eine Rennkupplung. Das mechanische Sechsganggetriebe bleibt unangetastet, der Einsatz des Doppelkupplungsgetriebes DKG ist in der GT4-Klasse nicht vorgesehen. Die einzige Änderung im Getriebearrangement besteht in der Verwendung eines einstellbaren Lamellensperrdifferenzials sowie einer Zusatzkühlung des Hinterachsgetriebes. Auch im Fahrwerksbereich halten sich die Änderungen in eng gefassten Grenzen. Natürlich kommen andere Dämpfer zum Einsatz, im Prinzip jene einstellbaren Renndämpfer von Öhlins, die auch in den BMW-Werksautos in der Tourenwagen-WM montiert werden. Mit härteren Stabilisatoren und neuen Rennfedern sollte eine Anpassung an die knifflige Beschaffenheit der Nordschleife leicht zu bewerkstelligen sein.

Interessant: Sogar die meisten elastokinematischen Bauteile - sprich Gummilager am Fahrwerk - entsprechen weitgehend der Serienversion des M3. "Die Lager sind bereits in der Serie so hart ausgewählt, dass sie auch für den Einsatz in der GT4-Klasse geeignet sind", erklärt Friedrich Nohl. Die größte Modifikation betrifft die Bremsen. Dort kommt eine Spielvariante der Bremsanlage aus dem Kundensport-BMW Z4 M zum Einsatz. An der Vorderachse stemmen sich nun Sechskolbensättel von AP gegen den Vorwärtsdrang, ihre Stoppkraft wird über 385 Millimeter große Bremsscheiben übertragen. Ein für den Rennsport spezifiziertes ABS verhindert stehende Räder. An der Hinterachse werkeln Vierkolbensättel im Verbund mit 355 Millimeter großen Scheiben.

Der BMW M3 GT4 rollt mit Slicks an den Start

Natürlich wird der M3 GT4 beim 24h-Rennen mit Dunlop-Slick-Reifen an den Start rollen, die sich über die BBS-Felgen im 18-Zoll-Format spannen. Man kann die Spezifikationsliste der GT4-Klasse drehen und wenden so lange man will: Viel mehr steht nicht drin - die Simplizität von Reglement und Rennwagen ist betörend. Irgendwie fragt man sich unwillkürlich, warum es so ein simples Konzept für seriennahe Sportwagen nicht schon viel früher gegeben hat.

Das rasende Wachstum der neuen Sportwagenklasse wird belegt durch die Entscheidung der Organisatoren des 24h-Rennens am Nürburgring, die GT4-Kategorie als SP10 ins Teilnehmerfeld zu integrieren. Der ADAC Nordrhein erwartet mindestens zehn Starter - darunter den M3 von sport auto, gebrandet in den sanften Blautönen von Sponsor Aral Ultimate. Die Chancen stehen gut, dass auch mindestens ein Werksfahrer zeigt, wo der Hammer wirklich hängt - uns von sport auto und allen anderen GT4-Piloten.

Eine vergleichbare Konstellation gab es bei den 24h-Projekten übrigens schon einmal: Im Jahr 2001 verloste sport auto drei Fahrerplätze unter den Lesern. In einem seriennahen Z3 M Coupé schafften die sorgfältig ausgewählten Leser mit Unterstützung von BMW-Werkspilot Jörg Müller einen siebten Platz im Gesamtklassement, Klassensieg inklusive. Wir haben für das Jahr 2009 also durchaus eine Messlatte.

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