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24h Rennen von Daytona - Ende Legenden

Leises Goodbye auf dem Asphalt von Daytona

US-Rennfahrer-Legenden Foto: press-inform 19 Bilder

Das 24h Rennen von Daytona gilt als eines der schwierigsten Autorennen der Welt. Die Sieger  interessierten dieses Mal kaum. Die Herzen der Fans eroberten die US-Rennfahrer-Legenden Hurley Haywood und Vic Elford.

13.02.2010 Powered by

Am Sonntagvormittag stand für Hurley Haywood fest, dass es diesmal kein Happy-End bei den 24 Stunden geben würde. Der knapp 62-Jährige hatte das Steuer seines Brumos-Porsche mit der Nummer 59 gerade an seinen Mitfahrer übergeben. In der Box nimmt er verschwitzt Helm und Sturmhaube. Erst einmal ein tiefer Schluck aus der Wasserflasche. Man reicht ihm ein nasses Tuch und die Kamera des amerikanischen Rennsportsenders "Speed" hält ganz nah drauf. Die Teammitglieder applaudieren, doch bei Haywood ist keine Träne zu sehen. Nach diesem Mal ist endgültig Schluss. Rennsportlegende Hurley Haywood beendet mit den 24 Stunden von Daytona seine Motorsportkarriere und hängt seinen Helm an den Nagel. "Ich bin hier dieses Mal zum 37. Mal gefahren", erzählt der frisch gebackene Pilot a. D. mit einem Lächeln, "ich denke, es ist der rechte Zeitpunkt, um Schluss zu machen." 37 Mal gestartet, fünf Mal gewonnen - so oft wie kein anderer hier.

Kein Happy-End beim letzten 24h Rennen von Daytona für Haywood

Haywood ist nicht nur in den USA eine Rennsportlegende. Fünfmal hat er auf dem Hochgeschwindigkeitsoval von Daytona seine Konkurrenten besiegt, dreimal in Le Mans und zweimal in Sebring gewonnen. Die Siege in anderen Klassen wie IMSA oder GT sind ungezählt. "Insgesamt bin ich wohl mehr als 600 Autorennen gefahren", lacht er, "oder ein paar mehr." Seine Fans in Daytona wissen das und starren längst nicht mehr aufs Rennen, sondern auf die Bildschirme, die Haywood in der Box des Brumos-Porsche-Teams zeigen. "In der Nacht sah es lange gut aus. Wir haben lange in Führung gelegen", erzählt Hurley gewohnt professionell, "doch dann gab es technische Probleme und wir fielen zurück."

In den Morgenstunden sah es noch aus, als sei beim Abschlussrennen zumindest ein Podestplatz für den Aussteiger drin. Doch nach einer Kollision musst der Brumos-Porsche mit der Nummer 59 nochmals für eine längere Reparatur in die Box. Die Aerodynamik des Prototypen stimmte nicht mehr und die gesamte Front des weiß-blau-roten Boliden mit dem Renntriebwerk eines 911 GT3 RS musste ausgetauscht werden.

Die Strecke von Daytona ist enorm anspruchsvoll
 
Kaum ein anderes Publikum auf dem amerikanischen Kontinent ist derart treu wie das im Norden Floridas. Die 24 Stunden von Daytona haben einen Ruf wie Donnerhall und gelten neben den Indy 500 und dem 12-h-Rennen in Sebring als Motorsport-Highlight jedes Jahres. "Wenn ich Le Mans und Daytona vergleiche, muss ich sagen, dass es schwerer ist, hier in Daytona zu gewinnen", erzählt Haywood, "hier ist das Spektrum der Fahrer breiter. Einige sind absolute Top-Profis aus den besten Rennserien der Welt wie Nascar, Formel 1 und Indy. Andere sind halbprofessionelle Fahrer und Gentleman-Driver, die sich in die Cockpits von Prototypen- und GT-Klasse eingekauft haben. Dazu kommt diese spezielle Strecke."

Der Rennkurs in Daytona gehört neben dem Nürburgring und dem Kurs von Le Mans zu dem bekanntesten und spektakulärsten Rennstrecken der Welt. Bei den 24 Stunden von Daytona gibt es eine 3,6 Meilen lange Mischung aus dem Hochgeschwindigkeitsoval und dem kurvigen Innenkurs. "Das sind an sich zwei komplett unterschiedliche Rennstrecken", unterstreicht Porsche-Werksfahrer Jörg Bergmeister, für den es diesmal zu Platz zwei langte, "überholen kann man fast nur auf dem Oval. Im Infield ist kaum etwas zu machen." Material und Fahrer werden in Daytona wie bei kaum einem anderen Rennen beansprucht. Mit Vollgas geht es 24 Stunden lang über die bis zu 33 Grad geneigten Steilkurven. "Anders als in Le Mans gibt es in Daytona beim Rennen zwölf Stunden Dunkelheit", so Hurley Haywood, "in Le Mans sind es gerade einmal fünf. Man weiß nie, was einen beim nächsten Überholmanöver erwartet. Man muss seine Augen immer überall haben."

Haywoods Lieblingsauto ist der Porsche 911 RS von 1973

Bei der Frage nach seinem Lieblingsauto schießt es aus dem schmalen Rennfahrer mit dem freundlichen Lächeln hervor: "Der Porsche 911 RS von 1973 - einfach phänomenal und die Porsche 935/936 Ende der 70er." Nach der Zielflagge geht Haywood jedoch nur in Sachen Rennfahrer in den Ruhestand. Beruflich hat er mehr denn je zu tun. "Es ist gut, dass ich jetzt etwas mehr Zeit habe und mich um mein Autohaus kümmern kann", zeigt er keine Spur von Traurigkeit, "hier gibt es genug zu tun." Natürlich muss auch die eigene Autosammlung gepflegt werden. Hier gibt es nicht nur Legenden wie Porsche 917, 935 und 550 Spyder, sondern auch Buick Century und seltene Corvette-Modelle.

Rennfahrerlegende Vic Elford übernimmt in Daytona die Rolle des Grand Marshall
 
Derart heiß ging es für Vic Elford bei den 24 Stunden von Daytona nicht zu. Die aktiven Rennfahrerjahre sind für den ehemaligen Weltklassepiloten Elford schon fast 40 Jahre her. Doch bei den 24 Stunden von Daytona hatte der mittlerweile 75-Jährige Vic Elford noch einmal alle Hände voll zu tun. "Ich wurde vor einigen Monaten gefragt, ob ich in Daytona die Position des Grand Marshall bekleiden wollte", erzählt der rüstige Senior, "das ist natürlich eine große Ehre und ich habe ja gesagt."

Vic Elford kennt nicht nur in den USA jeder, der sich für Motorsport interessiert. Der Brite gilt bis heute als der vielseitigste Rennfahrer der Welt. Nachdem er zum Beispiel im Jahre 1968 die Rallye Monte Carlo gewonnen hatte, siegte er eine Woche später bei den 24 Stunden von Daytona. So etwas hat es bis heute nie wieder gegeben. Doch Elford wurde nicht nur durch seine Rennerfolge zur Legende. Bei den 24 Stunden von Le Mans rettete Elford einem Konkurrenten einmal das Leben, als er ihn aus seinem brennenden Ferrari zog. Dafür gab es vom damaligen französischen Präsidenten Georges Pompidou den Titel "Chevalier de l'Ordre National du Mérite" verliehen.

Die Nordschleife ist Elfords Lieblingsstrecke
 
"Klar waren die Zeiten früher besser", erzählt der hagere Elford, den frühe nur alle "Quick Vic" nannten, "heute sind doch alle Spezialisten und keiner kann wirklich zeigen, was er in anderen Klassen kann." Er erinnert sich noch heute gerne an die legendäre Targo Fiorio aus Sizilien zurück. "So ein Autorennen auf öffentlichen Straßen kann es nur in Italien geben", erinnert sich Elford, "ich bin die meisten Passagen wie auf einer echten Rennstrecke gefahren. Nur bei einigen engen Ortsdurchfahrten war es besser zu driften. So holte man sich den Vorsprung heraus."

Bei der Frage nach seinem Lieblings-Rennwagen kommt es wie aus der Pistole geschossen: "Natürlich den Porsche 917. Der war unvergleichlich; ich bin alle Versionen gefahren - phantastisch." Heute lässt es Ex-Rennfahrer Vic Elford mit Wohnort Fort Lauderdale ruhiger angehen - von PS-starken Boliden keine Spur: "Damals bin ich alles gefahren, was Spaß gemacht hat. Heute fahre ich einen Honda Civic und einen Ford Focus - zwölf Jahre alt. Den kann ich immer am Flughafen stehen lassen und nichts passiert." Sagt’s und macht sich auf zur Boxengasse. Es ist schließlich Daytona. Wie sich die Zeiten ändern können. Fragt man ihn im Weggehen noch nach seiner Lieblings-Rennstrecke, blickt er kurz zurück: "Was für eine Frage - natürlich die Nordschleife."

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