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30 Jahre BMW 7er

Technik in ansprechender Schale

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Paul Bracq wusste, wie man ein Auto designt: Im "fast-forward"-Stil scheinen seine Entwürfe der Siebziger Jahre schon im Stand am Scheitelpunkt der Kurve zu sein. Kaum zu glauben, dass der von ihm gezeichnete 7er schon vor 30 Jahren erschien.

02.08.2007 Powered by

Die Karosserieform der Oberklasse-Limousine lehnte sich stark am Entwurf des 6er an und übernimmt dessen aggressives Frontdesign mit der überhängenden Motorhaube. Der neue 7er hatte rund 11 Prozent mehr Fensterflächen als sein Vorgänger E3, was in Verbindung mit den kurzen Überhängen, der niedrigen Gürtellinie und flach abfallenden Motor- und Kofferraumhauben neben dem sportlichen Eindruck für eine sehr gute Übersichtlichkeit sorgt.

Mit einem mittig angeordneten Überrollbügel und Karosserieversteifungen wurde die Blechhaut auf Sicherheit getrimmt. Das Fahrwerk bot eine neu entwickelte Führung der Vorderräder an Doppelgelenk-Federbeinachsen und Bremsnick-Ausgleich. Der Hinterachsträger war in geschlossener Bauweise gefertigt, was zur Stabilität und besserem Korrosionsschutz beitrug.

Motorenprogramm - alles, wenn es denn ein Sechszylinder ist

Die Baureihe E23, Nachfolger der "Großen Klasse", wurde wie diese ausschließlich von Sechszylinderreihenmotoren angetrieben. Das Leistungsspektrum reichte während des Produktionszeitraums von 170 PS im 728 bis zu 252 PS im 745i. Zunächst kam er allerdings nur mit drei Motorisierungen auf den Markt: 2,8 Liter mit 170 PS, 3-Liter mit 184 PS und 3,2-Liter mit 197 PS. Der Einstieg in die BMW-Oberklasse war mit dem 728 für 29.300 DM möglich, der 730 kostete 33.600 DM und das Topmodell 733 kam für 38.600 DM in die heimische Garage.

Ab 1979 gab es die großen BMW ausschließlich mit Einspritzmotoren. Erkennbar waren diese nun an dem "i" in der Modellbezeichnung. Der 2,8-Liter-Motor stemmte jetzt 184 PS auf die Kurbelwelle, der 733i wurde in 732i umbenannt - bei ihm blieb es bei den 197 PS. Darüber waren der 735i mit 218 PS angesiedelt, der von dem Motor des 635 Csi angetrieben wurde. Ab 1980 konnte der 745i mit 252 PS-Turbomotor geordert werden. Wer bei diesem Modell von der Bezeichnung auf den Hubraum schloss, lag falsch. Sie rührt von der Berechnung nach der damals im Motorsport üblichen Formel für Turbomotoren: Hubraum mal "Turbo-Faktor" 1,4.

Ab 1981 konnten Behörden den 725i bestellen - eine Version mit dem 2,5-Liter-Motor aus dem 525i. 921 Exemplare dieser Sparversion wurden ausgeliefert. In Südafrika konnte man mit den stärksten 7er unterwegs sein und eine Höchstgeschwindigkeit von 241 km/h erreichen - hier kam im 745i der Vierventil-Motor des M1 zum Einsatz und leistete bis zu 290 PS. Nur 192 Einheiten entstanden bis 1986.

Neue Ära - Einzug des elektronischen Motormanagements

Mit der 7er-Baureihe hielt das elektronische Motormanagement Einzug in die Großserie. Ab August 1979 lief der 732i mit der Bosch Motronic vom Band. Hier war zum ersten Mal die Steuerung von Benzineinspritzung und Zündung in einer zentralen Steuereinheit vereint. Vereinfacht dargestellt sorgt dabei ein Microprozessor in jedem Betriebs- und Belastungszustand des Motors für eine optimale Einspritzmenge und den richtigen Zündzeitpunkt. Dabei werden dem Prozessor bis zu 6.000 mal pro Minute Sensor-Informationen für jeden Einspritz- und Zündvorgang geliefert – etwa zu Ansaugluftmenge, Drehzahl, Kurbelwellenstellung und Temperatur von Ansaugluft- und Motor.

Die wesentlichen Bauteile des Systems sind Luftmengenmesser, Drehzahlsensoren und Temperaturfühler. Durch Abgleich der gelieferten Daten mit den gespeicherten Programmdaten errechnet der Prozessor die individuellen Erfordernisse für Einspritz- und Zündvorgang.

So konnte auf verschleißfreudige Bauteile verzichtet werden - nur die Zündkerze muß getauscht werden. Die Motronic war so konzipiert, dass sie ein Motorenleben lang halten sollte und im Alltagsbetrieb zuverlässiger war als getrennte Systeme.

Erprobt wurde das revolutionäre Motormanagement-System auf mehr als 500.000 Testkilometern unter verschiedensten Bedingungen.

Ausstattung - wunschlos glücklich

Serienmäßig: Bereits das Einstiegsmodell glänzte mit drehzahlabhängiger Servolenkung, Diagonal-Zweikreis-Bremsanlage, innenbelüfteten Bremsscheiben vorne und hydraulischem Bremskraftverstärker. Ebenso an Bord: Verbundglas-Frontscheibe, Lenksäulen- und Fahrersitzhöhenverstellung und elektrisch einstellbarer Außenspiegel.

Mit der Check-Control führte BMW erstmals eine elektronische Abfrageeinheit ein, die die Niveaus von Motoröl und Bremsflüssigkeit, Kühlwasser und Scheibenwaschwasser überprüfte, ebenso wie die Funktion von Brems- und Rücklicht und die Bremsbelagsstärke. Im Spitzenmodell 733i kam noch Zentralverriegelung, wärmedämmende Verglasung und Lederlenkrad dazu.

Wer darüber hinaus noch seinen 7er individualisieren wollte, konnte das anhand der langen Ausstattungsliste tun, die fast alles bereit hielt, was technisch möglich war - Automatik, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Niveauregulierung für die Hinterachse oder Lederausstattung. Dazu gab es noch solch schicke Details wie elektrisch verstellbare Einzelsitze im Fond, Autotelefon und Sperrdifferential, beheizte Türschlösser und Sitzheizung, Bordcomputer und Tempomat, Sonnenschutzrollos und Klimaautomatik. Bereits ab 1978 konnte ABS geordert werden.

Produktion kam nicht nach

Schon im ersten Jahr verkündete Eberhard von Kuenheim auf der Hauptversammlung: "Das Auftragsvolumen ist so unerwartet groß, dass das Dingolfinger Werk mit der Produktion kaum nachkommt." Damit setzte BMW den Trend des Vorjahres fort. 1976 stieg der Umsatz um 32 Prozent, die Produktionszahlen stiegen im Automobilbereich um 24 Prozent.

Mehr als 20.000 Fahrzeuge der 7er-Reihe wurden im Einführungsjahr verkauft, im ersten vollen Produktionsjahr waren es 35.745 Exemplare. Insgesamt entstanden 285.029 der Baureihe, wobei der 728i mit 70.360 Einheiten das erfolgreichste Modell war.

Während der zehnjährigen Bauzeit wurde nur einmal, 1982, eine Modellpflege durchgeführt. Optisch veränderte sich nur wenig: die BMW-Niere wurde etwas abgeflacht, der Lufteinlass im Kühlergrill verkleinert und das Abschlussblech unter dem Stoßfänger geändert. Im 745i waren jetzt ein 3,4-Liter-Motor und eine Viergang-Automatik eingebaut. Außerdem gab es die Lederausstattung "Executive" und die Luxus-Modelle 735i/745i Highline mit besonders exklusiver Ausstattung.

Die Nachfolger

Der Nachfolger E32 bot ab 1986 den ersten deutschen Zwölfzylindermotor. Das Motorenprogramm wurde deutlich ausgebaut und umfasste nun neben den Reihensechszylindern auch V8-Motoren. Die Leistung reichte von 197 PS im 730i bis zu 300 PS im 750i.

Nach acht Jahren war es Zeit für den E38, der erstmals auch mit Dieselmotoren erhältlich war. Die Sechs- und Achtzylinder-Dieselmotoren setzten 143 PS (725tds) bis 245 PS bis 740d frei - dem damals stärksten Seriendieselmotor. Die Bandbreite der Ottomotoren fing bei dem Einstiegs-728i mit 193 PS-Sechszylinder an und reichte bis zum 5,4-Liter-V12 mit 326 PS.

Der aktuelle 7er (E65) wird seit 2001 angeboten. Schlagzeilen machte er vor allem mit seinem iDrive-genannten Bedienungssystem. Als weitere Weltneuheit bot er ein Sechsgang-Automatikgetriebe. Topmodell ist der 760i mit seinem 445 PS starken Sechsliter-V12. Die Motorenpalette umfasst Diesel- und Ottomotoren mit sechs, acht und zwölf Zylindern und einer Leistung von 231 bis 445 PS.

Frühe Experimente mit Wasserstoff

Schon Anfang der 80er Jahre schlossen sich BMW und die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) zusammen und rüsteten zwei 7er für den bivalenten Betrieb mit Wasserstoff und Benzin um. 25 Entwicklungsjahre später stellte BMW dann 2006 das erste Serienfahrzeug mit Wasserstoffantrieb vor - diesmal den Hydrogen 7.

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