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30 Jahre VW Golf II

Das Auto der Generation Golf

VW Golf II GT, VW Golf VII 1.2 TSI, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 10 Bilder

Jetzt ist es passiert, der VW Golf II ist 30 geworden, die ersten Exemplare dürfen H-Kennzeichen tragen. Im Xenonlicht seines Urenkels Golf VII zeigt der Alte, wie er – mehr noch als der Golf I – zum bestimmenden Auto der Generation Golf wurde.

17.09.2013 Heinrich Lingner

Hätte ein Drehbuchschreiber die Eckdaten des Zweier-Golf für eine Story erfunden, wir glaubten ihm vermutlich nicht. Die Produktionszeit des VW Golf II umrahmt die letzten Jahre der alten Bundesrepublik so exakt, als hätte die Volkswagenwerk AG (so hieß der Konzern bis 1985 offiziell) ihn absichtlich noch im ersten vollen Jahr der Kohl-Kanzlerschaft debütieren und im ersten Jahr nach der deutschen Einheit auslaufen lassen. Nun dürfen also die ersten Exemplare des VW Golf II mit dem H-Kennzeichen den offiziellen Oldtimerstatus tragen. Das will man nicht so recht glauben, denn der VW Golf II ist über 20 Jahre nach der Produktionseinstellung kein seltener Anblick auf den Straßen. Von den 6,3 Millionen gebauten Exemplaren sind noch rund 400.000 in Deutschland zugelassen. Und das sagt eigentlich schon sehr viel über diese VW Golf-Baureihe, die nicht wenige für die gelungenste der fast 40-jährigen Golf-Geschichte halten.

Rost ist jedenfalls kein Thema bei diesem Volkswagen. Als eines der ersten Großserienautos ist er gut und nachhaltig dagegen geschützt, besser auch als sein Lopez-optimierter Nachfolger VW Golf III. Das aus der Kofferraumklappe wie schwarze Tränen übers Heckblech laufende Hohlraumwachs bleibt so charakteristisch wie die trapez-förmigen Rückleuchten.

VW Golf II mit 90 PS aus 1,8 Liter Hubraum

Unser grünes Foto-Exemplar, ein GT Special von 1991, ist freilich noch acht Jahre vom H-Kennzeichen entfernt. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, dass es 2021 immer noch unverrostet mit dem ersten Motor zur TÜV-Prüfung nach § 23 STVZO zwecks Erlangung des H-Kennzeichens vorfahren kann. Auch wenn bereits 189.000 Kilometer auf dem Tacho stehen.

Davon ist der rote VW Golf noch sehr weit entfernt. Er ist neu, riecht neu und fährt auf dem Weg zum Rendezvous mit dem VW Golf II so, wie ein neuer VW Golf halt fährt: entspannt, komfortabel, unaufgeregt, perfekt. Selbst wenn der siebten Generation die zauberhafte Einfachheit in der Bedienung etwas abhanden gekommen ist.

Was freilich nichts an seinen Qualitäten ändert. Mit dem 105 PS starken 1.2 TSI ist der Neue zudem sehr ordentlich, aber nicht überschäumend motorisiert. Der Downsizing-Vierzylinder läuft geschmeidig und kaum hörbar. Der Wunsch nach etwas mehr Leistung kommt nur an langen Autobahnsteigungen auf, wenn das Turbotriebwerk mit der langen Gesamtübersetzung und dem Gewicht kämpft.

Einfachste Bedienung im VW Golf II

Mit mehr Hubraum und ganz ohne Turbo kommt der leicht langhubige 1,8-Liter-Vierzylinder im alten Golf auf 90 lässige PS. Die schüttelt er so cool aus seiner Kurbelwelle, dass man ihm deutlich mehr als die 142 Nm bei 3.000/min des Datenblatts zubilligt. Schließlich wurde das baugleiche Triebwerk ebenso in größeren Konzernmodellen wie VW Passat, Audi 80 oder 100 eingebaut.

Eingewöhnungsschwierigkeiten gibt es keine, wenn man vom neuen in den alten VW Golf umsteigt. Schließlich gibt es viel weniger zu bedienen. Die Sitzverstellung ist manuell, der Fahrersessel sogar in der Höhe verstellbar. Wobei bei ihm lediglich die Sitzfläche ein wenig nach vorn oder nach hinten kippt. Gänzlich unverstellbar ist das Lenkrad, es lässt sich nur servounterstützt nach links und rechts drehen. Und hupen kann man damit. Beim Siebener-Golf ist das Lenkrad dagegen längs- und höhenverstellbar und versammelt auf Speichen und Pralltopf insgesamt 19 Bedienfunktionen. Inklusive Hupe, ohne Lenken. Viel weniger Tasten und Knöpfe gibt es beim Alten, der Check vor der Fahrt ist in Sekundenschnelle erledigt. Die kinderleichte Handhabung ist eines der Erfolgsgeheimnisse des Golf. Das war beim Einser schon so und ist beim Golf Siebener nur leicht anders, weil es ja viel mehr zu bedienen gibt.

Ein Weiteres ist das Platzangebot. Auch in dieser Disziplin überflügelt der VW Golf II seinen Vorgänger sehr deutlich. Mit einem Radstand von 2.475 Millimeter und nicht ganz vier Meter Gesamtlänge ist der ein sehr kompaktes Auto, das jedoch mühelos vier Erwachsene samt umfangreichem Reisegepäck beherbergt.

Der neue Golf ist rund 27 Zentimeter länger, fast 14 Zentimeter breiter, vor allem aber (nach Werksangabe) rund 300 kg schwerer. Das Verdienst der VW-Entwickler und -Designer ist es, dass er als Golf  erkenn- und erfahrbar bleibt. Womit wir beim Erfolgsgeheimnis Nummer drei wären: dem Design. Denn das wahre Meisterwerk ist nicht Giugiaros Ur-Entwurf, sondern die Weiterentwicklung zum VW Golf II unter dem damaligen Designchef Herbert Schäfer. Er bleibt ein VW Golf, unterwirft sich nicht zu sehr modischen Strömungen, ist dennoch stimmig und aerodynamisch effizient.

Formen, die man nicht verbessern kann

Das Gleiche ließe sich ebenso über den aktuellen Golf und auch jede Generation dazwischen sagen. Er bleibt sich treu, selbst wenn man von so vordergründigen Ähnlichkeiten wie den breiten C-Säulen absieht. Das hat 1983 freilich nicht jeder verstanden. Viel Häme musste sich VW damals wegen des angeblich langweiligen Entwurfs gefallen lassen. Und sich die Opel-Baureihen Kadett D und E als viel modernere Interpretationen des Kompaktwagen-Themas vorhalten lassen.auto motor und sport zählte nicht dazu. "Wenn es McDonald‘s notwendig erschiene", sinnierte der Autor des ersten Tests in Heft 19/1983, "den Big Mac zu verbessern, könnte es dabei eigentlich nur um den Inhalt gehen, an der äußeren Form gibt es nicht viel zu ändern." So sei auch VW zu der Überzeugung gekommen, dass es Formen gebe, die man nicht verbessern könne.

Da ist bis heute sehr viel Wahres dran. Selbst nach heutigen Maßstäben sitzt man sehr luftig und bequem im alten Golf, auf guten Sitzen, in aufrechter, wenn auch etwas zu hoher Haltung. Die Laufkultur des ruppigen 1,8-Liters ist allerdings Welten entfernt von jener des TSI-Motors, ebenso sein Konsumverhalten. 7,8 Liter Super verklappt er nach der damals gültigen Drittelmix-Norm, um die neun Liter sind es im Alltagsbetrieb. Der Neue begnügt sich trotz mehr Gewicht und besserer Fahrleistungen mit einem NEFZ-Verbrauch von 4,9 Liter, so um die sechs Liter sind es im wahren Leben.

Der Autor wählt für den Weg zurück nach Stuttgart natürlich den Golf II. 100 Kilometer Autobahn, Plastic Bertrand singt im Radio seinen Hit von 1977: Ça planne pour moi. Das passt für mich.

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