Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

330 P

Rätsel um Doppelgänger-Ferrari

Foto: Ferrari 24 Bilder

Als Graham Hill und Jo Bonnier im Jahr 1964 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans den zweiten Platz errangen, war die Welt für ihren feuerroten Ferrari 330 P noch in Ordnung. Der Wagen, mit dem auch Ludovico Scarfiotti zahlreiche WM-Punkte holte, gehört zu jenen Flitzern, die den Mythos des Rennstalls aus Maranello begründet haben. Aber wer sich das legendäre Rennauto mit den aufregenden Rundungen heute anschauen will, hat ein Problem - denn es gibt zwei davon.

27.11.2006

Eins steht im Ferrari-Museum Maranello Rosso in San Marino, das andere in der Garage eines österreichischen Sammlers. Und beide Eigentümer behaupten, das Original zu besitzen. "Das Mysterium der identischen Ferraris, einer ist eine Fälschung", titelte die Zeitung "Corriere della Sera" zuletzt.

Der Streit zwischen Ferrari und dem Österreicher Egon Hofer dauert inzwischen acht Jahren. Nun sollen Sachverständige das Rätsel lösen: Sie sollen die Rennwagen auf Anweisung eines Gerichts aus dem norditalienischen Modena haargenau unter die Lupe nehmen und endgültig feststellen, welcher von ihnen das Original ist. "Schließlich ist der Wagen heute mindestens eine Million Euro wert", bemerkt ein Beobachter. "Zwei wunderschöne Stiefschwestern, identisch - oder fast", umschrieb ein Journalist das Dilemma.

Von den Ferraris 330 P sollte es eigentlich nur drei auf der Welt geben: Einen mit der Karosserienummer 0820, der sich in den USA befindet, einen mit der Nummer 0822, der in Frankreich steht und einen mit der Nummer 0818. Aber die Karosserienummer 0818 tragen eben zwei Modelle. "Wir haben unser Auto von einem Signor Violati gekauft, der es auf einer Versteigerung des FBI erstanden hatte, nachdem es von einem Drogenhändler beschlagnahmt worden war", erklärt Sandra Lodi, die Chefin des Ferrari-Museums. "Wir kennen die ganze Geschichte."

Hofer hingegen hält dagegen, er habe seinen Ferrari bereits 1967 gekauft und verfüge über die gesamte Dokumentation, die die Echtheit des Models beweist. "In Maranello haben die doch eh schon entschieden, dass ihr Ferrari authentisch ist und meiner falsch", sagt er. "Ich lade die Gutachter ein, auf meine Kosten nach Salzburg zu kommen und die nötigen Analysen durchzuführen."

Was kann passiert sein? Wie ist es möglich, dass ein Rennauto mit solch einer berühmten Geschichte auf einmal einen Klon hat? Experten glauben, dass des Rätsels Lösung vielleicht ganz einfach ist: Oftmals werden Rennautos, die in schwere Unfälle verwickelt waren, als "Wrack" verkauft. Aus wenigen Originalteilen wird anschließend wieder ein komplettes Auto zusammengebaut - oder im Fall des Ferrari 330 P eben zwei.

"Eigentlich muss man heute nur ganz genau darauf achten, wie die Nummern in die Karosserie, den Motor und das Getriebe gestanzt sind, die Zahlen müssen sich immer in einer ganz bestimmten Position befinden", erklärt Gianni Rogliatti, einer der größten Ferrari-Experten Italiens. "Wenn die Analysen richtig durchgeführt werden, kommt am Ende ganz sicher heraus, welches Auto gefälscht ist." Und so könnte das Rätsel um die identischen Ferraris nach jahrelangem Ringen vielleicht schon bald gelöst sein.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden