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35 Jahre Automuseum Busch

Haus der Geschichten

Foto: Hardy Mutschler 8 Bilder

Vor 35 Jahren gründet Fritz B. Busch sein Museum - aus Liebe zu den Autos, über die er Geschichten schreibt. Jubiläums-Rundgang mit B. Busch.

18.07.2008 Sebastian Renz Powered by

Buschs Golf: Gleiches Schicksal wie Beuys’ Badewanne

Oberschwäbische Putzfrauen haben ja nichts gegen Geschichte - so lange sie nicht schmutzt. Der Golf ist 1975 gerade von seinem monströsen Trip zwischen Alaska und Feuerland zurück. Als Fritz B. Busch ihn dann abends in sein Museum schiebt, trägt der Golf die Matschspritzer Alaskas, die Staubflecken Mexikos, die toten Insekten Nicaraguas und den Schlamm Feuerlands mit Stolz. Für alle Ewigkeit sollen sie von seinem Ruhm zeugen. Die Ewigkeit währt aber nur bis zum nächsten Morgen, als die Putzfrau mit besten Absichten den gelben Lack des VW hervorwienert. So verliert der Golf zwar ein Stück seiner Historie. Aber nicht so schlimm, denn wie fast alle Autos in diesem Museum hat er ja noch eine Geschichte, in der Fritz B. Busch ihn verewigt hat.

Über den Rekord-Golf schreibt Busch gleich ein ganzes Buch: "Der große Test". So hat man das Gefühl, in seinem Museum nicht Exponate, sondern Freunde zu treffen, die einem vor Jahren zum ersten Mal in einer Busch-Geschichte über den Weg fuhren. Seither gab es noch ein paar einzelne Wiedersehen. Jetzt aber ist die ganze Bande auf einem Haufen versammelt: Vorn die geschrubbte Flunder, hinten das Kamel, und den Clochard 2CV hat Busch auf ein Podest gestellt - weil es sonst ja keiner tat.

Popstar des Auto-Journalismus: Busch hatte sie alle

Von Jaguar über Cadillac bis Mercedes. Deshalb kann er jetzt im unspektakulären, aber praktischen Nissan X-Trail vorfahren, dass der Schneematsch spritzt. Den Stock nimmt er nur für die paar verschneiten Meter bis ins Museum, dann stellt er "den Knüppel" weg, als seine Tochter Anka mal nicht genau hinguckt.

Busch wird dieses Jahr 87, die letzte Nacht war nicht die beste, und im Museum hat es nur ein paar frostfrische Grad über null. Aber das hier ist sein Wohnzimmer, ein Teil seines großen Lebenswerks. Da lässt er sich ganz sicher weder von der Kälte noch von der letzten Nacht und erst recht nicht von seinem Alter vorschreiben, wann und wie lange er sich hier aufhalten kann.

Inmitten all seiner Autos könnte seine Laune nicht besser sein. Wir treffen uns am gelben Golf, den wie die meisten Autos kein Absperrkäfig von den Besuchern trennt. Busch reißt die Fahrertür auf, steckt den Kopf rein und ruft: "Och, der riecht noch nach Nicaragua."

In den sechziger Jahren wird Busch der Popstar des Autojournalismus. Er jettet nach Hollywood, plätschert mit Jane Mansfield am Pool, fährt die Autos der Stars: "Diese ganzen Modells" erinnert er sich, "die Mansfield und so, die drängten sich alle mit rein. Es war furchtbar." Ja, ganz bestimmt war es das.

Nie zuvor hatte sich jemand getraut, wie er über Autos zu schreiben. Und niemand hat es seither geschafft, seinem Stil und seiner Genialität auch nur nahe zu kommen. Als ein Besucher einmal sagte, das Museum sei, wie Busch schreibe, da muss es Busch gefallen haben - sonst würde er es nicht so stolz erzählen.

Denn darum geht es bei seiner Sammlung. Sie sollte kein millionenteueres Autoquartett echter Fahrzeuge sein, erst recht keine staubige Dokumentation der Auto-Entwicklung. Busch wollte ein Erzählmuseum. Die spannendsten Geschichten dazu erzählt er selbst.

Geschwindigkeitsrekorde mit Eigenbau-Dieselauto

Er möchte sich nicht aufdrängen mit seinen Stories, ein bisschen mit Fragen anstupfen soll man ihn schon. Wo wir gerade an dem Golf stehen, war die Alaska-Feuerland- Tour das größte seiner Abenteuer? "Nein", fängt Busch an, "damals waren das in Südamerika zwar ein paar ziemlich scheußliche Länder, aber es war kein so riskantes Unternehmen. Die echten Abenteuer habe ich im Krieg erlebt. Wie damals, als ich mit der JU 52 im Balkan abstürzte."

Da macht Busch eine kleine Kunstpause. Als er sicher ist, dass jeder wissen will, wie das damals war, legt er los: "Ich war Kriegsreporter. Wir waren zu dritt in der JU 52. In 4.000 Metern Höhe setzten die Motoren aus - die Einheimischen hatten uns beim Betanken sabotiert. Die beiden Piloten versuchten, die JU abzufangen und riefen mir "Pump!" zu. Zwischen den Pilotensitzen war eine Handpumpe, mit der man Benzin aus dem Tank von Hand in den Motor drücken konnte. Ich habe gepumpt und gepumpt und gepumpt. Knapp über dem Boden sprang der Motor wieder an.

Ein Stück weiter vorn sahen wir eine Schafweide. Da sind wir runter und haben mit dem Flugzeug eine blutige Schneise durch die Herde geschlagen. Erst waren wir ganz glücklich, dass wir heil unten waren, dann wurde auf uns geschossen - wir waren mitten im Partisanengebiet runtergekommen."

So landen wir in ein paar Minuten vom Golf mitten in Buschs Leben. Das passiert auch beim Dieselstar, mit dem Busch im Herbst 1975 zwei Geschwindigkeitsrekorde aufstellt: "Während der Alaska-Feuerland-Sache kam ich auch in Salt Lake City vorbei. Auf den weiteren 20.000 Kilometern hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Und beschloss: Ich könnte mal einen Weltrekord fahren."

Der Dieselstar entsteht nach einem Holzmodell von Busch in der Museums-Werkstatt. 3.000 Nieten halten 25 Quadratmeter Alu-Blech zusammen. Mercedes spendiert einen Fünfzylinder-Turbodiesel, der als Mittelmotor in der Alu-Box sitzt. Busch besteht darauf, dass eine Panzerplatte den Selbstzünder vom Cockpit trennt. Dann lässt er den 187 PS starken Eigenbau zur Teststrecke von Volkswagen nach Ehra-Lessin bringen - und fährt die beiden Tempo-Rekorde.

Gleich neben dem Dieselstar steht der Wagen, der Busch zur Legende gemacht hat. Oder andersherum, das ist noch immer nicht ganz raus - der E-Type, Held aus Buschs wohl berühmtester Geschichte: "Whiskey pur oder die geschrubbte Flunder". Auch Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung können viele Besucher die Story noch absatzweise zitieren.

"Ein Mann muss einen E-Type besitzen."

"Ich könnte nachts nicht ruhig schlafen, wenn ich nicht wüsste, dass ich einen habe", spricht Busch. Und erzählt die Geschichte seines E-Types: "Der gehörte einem Freudenmädchen. Während der Ölkrise ’72 konnte sie ihn nicht mehr bezahlen. Da kam dann so ein Schlepper und bot mir den Wagen an."

Auch an viele andere Autos kommt Busch durch Zufall: "Ich suchte nach einem Lenkrad, und kam mit dem Midget heim." Andere haben es ihm schon immer angetan - gerade die Kleinen: "Der Kadett A ist tausend Mal besser als der Käfer: vier Sitze und ein richtiger Kofferraum." Ist Busch ein Käfer-Hasser? "Nein, das schönste am Käfer ist das Cabrio. Dagegen schaut das New Beetle Cabriolet in Weiß aus wie eine Kloschüssel."

Natürlich steht da auch der Cadillac von Hans Albers: "1951 so teuer wie ein Einfamilienhaus." Und das Auto, mit dem bei Busch alles begann - der Opel 4/20: "Das Auto meines Vaters. Er war der Einzige, der ein Auto besaß. Wer von meinem Schulkameraden mal reinsitzen wollte, musste mir einen Groschen zahlen oder eine tote Maus mitbringen. Dieser 4/20 riecht innen wie früher. Denn der Benzinhahn ist nie ganz dicht, dauernd tropft Sprit auf den Teppich. Und hier - die Sitze. Da steckt noch das halbe Rindvieh drin, so dick sind die Polster."

Fritz Busch könnte noch lange erzählen, doch dazu sei es zu kalt, mahnt seine Tochter Anka. Vor einigen Jahren hat sie die Leitung des Museums übernommen. B. Busch ist froh darüber - und sehr stolz: "Eine bessere Nachfolgerin hätte ich nicht finden können", meint er. Und erinnert sich noch kurz an die Anfänge: "Als ich 1973 eröffnete, fragte ein Besucher, der die Führung im Schloss Wolfegg mitmachte, wo denn mein Museum sei? Darauf sagte die Dame, die die Führung leitete: ‹Was wollen Sie denn da? Da stehen doch nur alte Autos›."

Dann steigt Fritz B. Busch wieder in seinen Nissan, fährt los, dass der Schneematsch spritzt, um zu Hause noch mehr Geschichten zu schreiben. Und noch mehr Geschichte.


Das Fritz B. Busch-Museum

Das Automuseum von Fritz B. Busch, Fritz B. Busch-Weg 1, 88364 Wolfegg, hat von Mitte März bis Anfang November täglich von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet, im Winter nur am Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 7 Euro, für Kinder von 5 bis 14 Jahren 3 Euro. Für 15 Euro gibt es außerdem eine Familienkarte (Eltern plus mindestens zwei Kinder). Bei Gruppen ab 20 Personen beträgt der Eintrittspreis 6 Euro pro Person. Zusätzlich bietet das Museum nach Voranmeldung für Gruppen Führungen zu speziellen Themengebieten. Weitere Informationen gibt es unter www.automuseum-busch.de

MOTOR KLASSIK MUEUMS-FÜHRER

Die Redakteure von Motor Klassik und auto motor und sport haben die wichtigsten deutschen Automuseen besucht - von Audi bis Volkswagen, vom Automuseum Fritz B. Busch in Wolfegg bis zum Technikmuseum Sinsheim. Heraus kam ein 192 Seiten starkes, reich bebildertes Buch mit Reportagen aus den Museen und mit Fahrberichten der spannendsten Exponate. Ein Anhang mit den relevanten Informationen zu allen 150 deutschen Automuseen und eine CD-Rom mit Filmbeiträgen über die Museen runden den Führer ab. Der große Museums-Guide ist ab Ende April für 39,90 Euro im Buchhandel erhältlich oder unter dem Link Normal 0 21 www.motor-klassik-webshop.de

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