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40 Jahre Ford Capri

Unterwegs im Ford Capri 2600 RS

Ford Capri 2600 RS Foto: Dino Eisele 24 Bilder

Vor 40 Jahren erfüllte Ford auch den Europäern den Traum vom Muscle Car. Der Capri als Mustang-Ersatz - am liebsten als Top-Modell Ford Capri 2600 RS mit Sechszylinder-Motor und 150 PS.

29.04.2009 Jens Katemann

Als der Ford Capri im Januar 1969 auf dem Brüsseler Autosalon debütiert, pulsiert im Essener Norden das Leben. Rund 5000 Kumpel fördern in der Zeche Zollverein jährlich rund drei Millionen Tonnen Kohle. Das Wirtschaftswunder ist noch immer zu spüren. Und wer im Pott etwas auf sich hält, kauft einen Ford Capri - die europäische Antwort auf den fünf Jahre zuvor in den USA eingeführten Mustang.

Das sportliche Coupé ist quasi die coole Lederjacke in Blechform, der Garant für einen gelungenen Auftritt vor den Mädels im Eiscafé Venezia. Die Könige sind allerdings nicht die Burschen mit Spar-Capri und läppischen 50 PS.

Ford Capri Top-Modell mit 150 PS

Die Helden fahren einen drei Mal so starken 2600 RS, unter den Amateuren sind sie die Profis. Männer in taillierten Hemden mit Riesenkragen, die in der gleichnamigen Krimiserie als Spezialeinheit des britischen Geheimdienstes MI5 Verbrechen stoppen - im Namen Ihrer Majestät am Volant eines Ford Capri. Großes Kino, auch zwischen Zeche und Kokerei. "Damit konnte man noch Frauen aufreißen“, meint ein Typ im Trainingsanzug, als der maisgelbe Capri RS auf dem Gelände des Industriedenkmals Zeche Zollverein ins rechte Licht gerückt wird.

Während sein Hund pinkelt, schwelgt er in Erinnerungen. Es müssen angenehme sein. Auf der Zeche Zollverein ist das Geschäft 1986 erledigt. Zurück bleibt Tristesse. Döner und Fastfood verdrängen im Ruhrgebiet nach und nach die Venezias. Ein Jahr nach Zollverein erwischt es auch den Capri, der nicht zuletzt wegen der zweiten Ölkrise vom stolzen Muscle Car zum Ladenhüter verkommen ist. Als das Coupé 1969 auf den Markt kam, war es dagegen noch etwas Besonderes.

Ford Capri: Weder Sportwagen noch Familienlimousine

"Der Capri ist weder ein Sportwagen noch eine Familienlimousine. Sondern beides", heißt es in der Werbung. Sich wie Starsky und Hutch fühlen, aber trotzdem noch mit der Familie in der Urlaub fahren können − das war etwas Neues. Beim Capri I geht die Rechnung auf, doch mit der Einführung des Manta B 1975 übernimmt Opel die Führungsrolle. Während die Rüsselsheimer im ersten vollen Produktionsjahr gleich 67.000 Manta in Deutschland absetzen, kann Ford gerade einmal 17.600 Capri verkaufen. Zwischen 1974 und 1975 halbiert sich die Produktion - es beginnt der langsame Abstieg des Capri. Mit dem Modellwechsel zum Capri III wird das US-Geschäft eingestellt, und 1980 laufen in Köln, dem einzig verbliebenen Capri-Werk, nur noch 41.000 Autos vom Band. Im letzten vollen Produktionsjahr 1986 sind es dann nur noch rund 10.000. Das schnelle Ende hat aus heutiger Sicht auch seine guten Seiten: Während der Manta zum Kultobjekt der Röhrenjeans und Cowboystiefel tragenden Boah-ey-Generation avancierte, konnte sich der Capri gegen Hosenträgergurte in vielen Fällen erfolgreich wehren. Allerdings nicht in allen. Denn mit den zahlreichen Tourenwagensiegen, die Fahrer wie Jochen Mass, Hans Stuck, Klaus Ludwig oder Dieter Glemser in den siebziger Jahren einfahren, werden auch Serien-Capri von ihren Besitzern verspoilert, die Lippen geschürzt.

Rennerfolge mit dem Ford Capri 2600 RS

Mit dem 2600 RS wird Jochen Mass 1971 Deutscher Rundstrecken-Meister und 1972 Tourenwagen-Europameister. Mass bezeichnet den Capri als ein für damalige Verhältnisse "sensationelles Auto", berichtet nach Rennen aber auch von "Blasen an den Fingern". Ohne Servolenkung bekommt der Fahrer in der Tat Oberarme wie Popeye, der Seemann. Doch die Gasannahme des Sechszylinders mit Kugelfischer- Einspritzung ist selbst für heutige Verhältnisse so spontan, dass im Capri RS schnell der Jochen Mass in einem geweckt wird.

Die Gänge des Vierganggetriebes flutschen schnell und präzise, und ehe man sich versieht, schwimmt der RS auch im Jahr 2009 auf der linken Spur mehr als nur locker mit. Dem einen oder anderen Vordermann kommt das aggressive Hundeknochen-Gesicht im Rückspiegel aus früheren Zeiten offenbar noch bekannt vor. Flucht nach rechts.

Ford Capri 2600 RS als Porsche-Konkurrent


Von seinem Überholprestige hat der Capri RS, zumindest an diesem Tag auf dem Weg von Köln nach Essen, nichts eingebüßt. Vielleicht liegt es aber auch nur an der Flieger-Sonnenbrille und der schwarzen Lederjacke, die den Fahrer als einen der Profis des britischen Geheimdienstes MI5 outen - zumindest fühlt er sich so, in diesem Moment. Schade, dass es keinen Gran Turismo für jedermann mehr gibt, schießt es einem auf der 75 Kilometer langen Strecke durch den Kopf. Der Capri 2600 RS war schon für 15.800 Mark zu haben.

Zum Vergleich: Der günstigste Porsche kostete weit über 20 000. Und dass der aufgemotzte Kölner dem Boxer aus Zuffenhausen Paroli bieten kann, soll Ford-Werksfahrer François Mazet 1971 bewiesen haben. Die Geschichte: In Paris auf einer Party wettet er mit Reeder- Sohn Alexander Onassis, dass er mit seinem 2600 RS den Porsche 911 des reichen Sprosses bei einem Beschleunigungsrennen schlagen könne. Nach heißer Diskussion bietet Onassis 1.000 Franc an, Mazet schlägt ein. Am nächsten Tag treffen sich die Fahrer zum Duell am Bois de Boulogne. Auf der 1.000 Meter langen Strecke schlägt Mazet den verblüfften Onassis drei Mal in Folge. Zurück von Essen nach Köln: Auf der A 52 kurz vor Düsseldorf ist der V6 richtig warm und goutiert die Gasstöße mit mächtig Vortrieb. Im Kopf bleibt das Familienfoto mit Zeche Zollverein und Ford Capri 2600 RS - zwei Industriedenkmäler.

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