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50 Jahre Formel V

"Eine wilde Zeit, aber schön"

Daytona, Formel V, Steilwand Foto: Bildagentur Kräling/Trienitz 19 Bilder

Volkswagen ließ sich nicht lumpen: Zur 50-Jahr-Feier der Formel V verschiffte man in Kooperation mit dem Verein der Historischen Formel Vau Europa elf Autos unterschiedlicher Generationen in die USA und beging dieses Jubiläum standesgemäß mit ehemaligen Formel V-Größen im steilen Oval von Daytona.

18.06.2014 Gregor Messer Powered by

Diese Formel V-Zeitreise ließ sich Volkswagen etwas kosten: Zum Jubiläum schloss man sich mit der "Historischen Formel Vau Europa" zusammen; 11 Autos kreuzten auf dem Seeweg den Atlantik. Mit 5.000 Euro Reisekosten pro Fahrzeug ließ sich das Happening bestens gestalten.

Die altersmunteren Monoposti und ihre Besitzer samt dazugehöriger Schrauber waren nur die eine Seite der Geschichte. Denn andererseits hatten sich die Macher bei Volkswagen Motorsport beim Blick in die Annalen vergewissert, dass auch gefeierte Rennsport-Legenden den Trip nach Daytona verdient hatten. Und so trafen sich in Würde gealterte ehemalige Formel V- und Super V-Haudegen bei sommerlichen Temperaturen im Sonnenstaat.

Niedwiedz, Stuck und Poldi von Bayern

Zum Beispiel Mika Arpiainen. Der Finne dominierte 1976 die Formel Super V auf einem Veemax. "Bei uns sind es derzeit 12 Grad minus", freute sich der Mann aus Helsinki, der mit Landsmann Markku Alen sichtlich die Zeit unter der Sonne Floridas genoss. Desweiteren in den Cockpits: der zweimalige Indy 500-Sieger Arie Luyendyk. Dann Klaus Niedwiedz, in seinen Anfangsjahren lange in der Formel V unterwegs. Und, geradezu unvermeidlich: Volkswagen-Markenbotschafter Hans-Joachim Stuck, Prinz Leopold von Bayern, Dieter Quester - sozusagen das Rat Pack des deutschsprachigen Motorsports.

Aber Rallye-Mann Alen und Tourenwagen-Ass Stuck - gab es denn bei den beiden überhaupt eine Formel V-Herkunft? "Zwei Formel V-Rennen bin ich gefahren, beide in Keimola 1970, beide Male habe ich den Motor gekillt", bekannte Alen, "ich war zu wild, fuhr immer quer, dauernd im Drift. Deshalb war ich sowieso nicht schnell genug. Außerdem war ich viel zu groß."

Stuck versenkt seinen Formel V in der ersten Kurve

Stuck brachte es sogar auf nur einen einzigen Formel V-Start: 1971 auf der Südschleife des Nürburgrings. "Ich gehörte damals zu einem Förderprogramm der Internationalen Gesellschaft zur Förderung des Automobilsport, kurz IGFA, und war eingeladen. Aber gleich in der ersten Kurve hat’s prächtig gekracht." Heute sieht Strietzel Stuck das viel zu kurze Ereignis ganz pragmatisch: "Hat sich doch gelohnt, dieser eine Start. Denn so durfte ich jetzt hier in Daytona beim Jubiläum dabei sein."

Andere haben in der Formel V deutlich länger gedient. Arie Luyendyk bestritt Saison für Saison mit den preisgünstigen Nachwuchs-Monoposti. Erst in der 1300er-Klasse, wo er sogar gegen seinen Vater Jaap wie verrückt kämpfte, später in der Super Vau. 1977 gewann er den Europapokal auf Lola. "Doch zu Beginn hatte ich einen Karringer“, erinnert sich der smarte Niederländer. Seit 1984 lebt er in Scottsdale, Arizona.

Seitdem schreibt er seinen Namen Luyendyk statt Luijendijk; das macht es für die Amis einfacher. Bei einem seiner letzten Europa-Trips verbrachte die Indy-Ikone (der 59-Jährige hält noch immer diverse Rekorde in Indianapolis) doch glatt einen Tag beim heutigen Besitzer jenes Autos, das einst seines war.

Formel V als Türöffner für Indy und Co.

Überhaupt, die Verbundenheit zu den Anfängen ist bei den meisten immer noch gegeben. Luyendyk trat in Daytona spontan dem "Formel Vau-Europa-Verein" bei. Kostet schließlich auch nur 25 Euro Mitgliedsbeitrag pro Jahr.

Die Formel V ermöglichte Luyendyk den Karrieresprung über den Atlantik: "1980 durfte ich als Zweiter im VW-Goldpokal zum US-Finale nach Phoenix in Arizona. Ich habe gewonnen, und das hat mir später die Türen bis in den IndyCar-Sport geöffnet." Noch heute dankt Luyendyk den einstigen Formel V-Machern: "Die Kategorie war wirklich gut für mich. Ich hatte nie einen Sponsor, aber das Preisgeld war großzügig. Davon konnte ich die Rennen bestreiten."

Und alles ging nur, weil Luyendyk, wie alle aus seiner Zunft in jener Zeit, sein Formel V-Auto selbst präpariert hatte: "Noch heute kann ich meine Augen schließen und mich an jedes Teil, an jedes Detail meiner Autos erinnern. Nicht, dass ich besonders geschraubt hätte. Aber mir blieb ja nichts anderes übrig."

Ersatzteile vom Schrottplatz

"Früher hatten doch alle viel mehr Biss", ergänzt Klaus Niedwiedz. Der ehemalige Tourenwagen-Star und heutige TV-Journalist erinnert sich nur zu gut an einen heftigen Einschlag 1973 in Zolder: "Ist mir mit meinem 1300er-Ostermann passiert. Die Vorderachse war krumm, die Hinterachse auch. Also losgefahren, bis nach Köln, um auf einem Schrottplatz Teile zu besorgen. Hat mich 100 Mark gekostet. Das war viel Geld für mich." Aber es hatte sich gelohnt: "Niedze" wurde mit dem hastig reparierten Unikat damals Dritter.

Zumindest eines der elf Formel V-Autos aus Europa hatte nachweislich eine Daytona-Historie - der blau-weiße Fuchs von Peter Ramann. In den Händen des jungen Helmut Bross sah dieses Auto mit der eigenwilligen Frontpartie 1971 die Zielflagge auf Rang drei. Ramann, ein 64-jähriger Vertriebstechniker aus Fladungen, war wie seine Club-Kumpanen überwältigt von der Veranstaltung. "Unsere Autos auf dieser Strecke mit diesen Legenden am Steuer erleben zu dürfen, das war einfach wunderschön."

Es war diese Basis zwischen einstigem Profi und heutigem Amateur-Racer, die schnell jene interessante Atmosphäre schuf, in der man zünftig vorgetragenen Anekdoten Gehör schenkt. Mit einem Male wandelte sich der 5,278 Kilometer lange Hochgeschwindigkeits-Kurs in eine Memory Lane bunter Novellen.

Alle haben mitgeschraubt - auch die Fahrer

Mika Arpiainen etwa erinnerte sich an ein Rennen auf dem Österreichring, wo er nach dem Bruch eines Uniballgelenks an der Vorderachse auf einer Länge von 200 Metern Leitplanken und Fangzäune niedermähte - vom Totalschaden an seinem Veemax ganz zu schweigen. "Aber ich hatte damals nur noch 20 Mark im Portemonnaie, also musste ich unbedingt am Rennen teilnehmen, denn nur so konnte ich 800 Mark Startgeld kassieren."

Um das hinzukriegen bewies die Formel V-Szene damals jene Form an Kameradschaft, wie sie heute im Fahrerlager selbst in den Nachwuchsklassen nicht mehr denkbar ist. Arpiainen: "Die Mechaniker der anderen Teams kamen zu mir, gemeinsam schufteten, schweißten und schraubten wir, es war ganz selbstverständlich. Sogar die anderen Fahrer haben mir geholfen."

Poldi zum ersten Mal auf dem Daytona-Oval

"Eine wilde Zeit, aber schön", bestätigte auch Leopold von Bayern, der sich gern an die Idylle seiner jungen Formel V-Zeiten erinnerte. "Als ich bei Kaimann die 1300er-Klasse fuhr, haben wir alle im Zelt übernachtet. Für Hotelzimmer gab es kein Budget. Das kam erst später, als ich für Günter Schmid im ATS-Team auf Lola gefahren bin."

Für "Poldi" war die Fahrt im Daytona-Rund ein Novum: "gigantisch." Doch vor allem war der Prinz dankbar, nach nicht ganz 40 Jahren wieder in einem Kaimann-Super V gesessen zu haben, wie er einen 1975 pilotierte, "auch wenn wir hier gar nicht schnell gefahren sind."

"Gejuckt hat es mich schon", bekannte Dieter Quester, der trotz seiner mittlerweile 73 Jahre nebenbei im Rahmen des Daytona-Weekends auf einem Porsche an einem Drei-Stunden-Rennen teilnahm, "denn es hat unheimlich Spaß gemacht." 25 bis 30 Formel Vau-Rennen ist Quester einst gefahren, "alle für den Kurtl". Gemeint war Kurt Bergmann, jener geniale Konstrukteur der Kaimann-Flitzer, der in Daytona natürlich nicht fehlen durfte. "Ich bin gerade erst 84 Jahre alt geworden, somit sehe ich dieses Zusammentreffen natürlich als schönes Geschenk", meinte Bergmann, den sie alle nur den "Master" nennen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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