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60 Jahre Fiat 600

Der bessere Fiat 500 für weniger Geld

Fiat 600 Foto: Fiat 42 Bilder

Mit dem 600 setzt Fiat 1955 zum Höhenflug an. Der neu konstruierte Kleinwagen bietet für kleines Geld Platz für 4 auf knapp 3,3 m Länge, dazu Einzelradaufhängung und einen robusten Vierzylinder.

06.03.2015 Kai Klauder Powered by

Fiat 600 ist größer, besser - und billiger

Als Fiat vor 60 Jahren den neuen 600 auf dem Automobilsalon Genf vorstellt, denkt noch niemand an den Fiat 500, der erst 2 Jahre später kommt. Heute ist es umgekehrt: der Fiat 500 Nuova hat sich zum Liebling entwickelt, der 600 gerät ins Hintertreffen. Dabei kann er eigentlich alles besser - und er ist heutzutage deutlich günstiger zu haben.

Einfache Technik, wenig Blech - billig zu bauen

1955 steht der Nachfolger des 500 "Topolino" in Genf und weist den Weg in die Moderne - wie ihn sich Fiat vorstellt. Denn das Turiner Unternehmen rüstet sich für die Zukunft, als Massenhersteller bezahlbarer Kleinwagen. So entsteht der Fiat 600 auch unter der Maßgabe, ein einfaches, robustes Automobil zu bauen, dass sich jeder leisten kann.

In Turin läuft zu der Zeit, als die Entwicklung des 600 beginnt, der Fiat 500 Topolino noch immer vom Band. Der Vorkriegs-Kleinwagen ist ein Bestseller. Zwischen 1936 und 1955 baut ihn Fiat mehr als 515.000 Mal.

Selbstmördertüren und gute Raumökonomie

Die Fußstapfen, in die der neue Fiat 600 treten soll, sind also recht große. Da die benötigten Rohstoffe nicht immer gut verfügbar sind und zudem recht teuer, machen die Fiat 600-Entwickler unter Federführung von Dante Giacosa einen radikalen Schnitt um ihren neuen Hoffnungsträger möglichst effizient fertigen zu können. Der Fiat 600 bekommt daher statt des Profilrahmens eine Material sparende, selbsttragende Karosserie.

Um bei kaum veränderten Abmessungen das Raumangebot im Innenraum zu verbessern, wandert der Motor nach hinten. Die Türen sind weiterhin hinten angeschlagen und erleichtern den Einstieg in den Fond.

Fiat 600 etwas teurer als Standard-Käfer

Das Raumkonzept geht auf, der neue Fiat 600 bietet bei identischem Radstand (2.000 mm) und einer nur um rund 8 Zentimeter gestreckten Länge deutlich mehr Platz als der Topolino - bei allerdings um 10 Zentimeter gewachsener Breite. So bietet der Fiat 600 Platz für 4 bei reduziertem Materialeinsatz.

Weniger Blech heißt weniger Kosten. So konnte Fiat den Preis des 600 so niedrig zu halten, dass ihn sich viele leisten konnten. 590.000 Lire (damals rund 3.965 Mark) kostete der Fiat 600 beim Marktstart im Jahr 1955. Zum Vergleich: Ein VW Käfer in der Standard-Ausführung lag bei 3.790 Mark, das besser ausgestattete Exportmodell bei 4.600 Mark - eine so gut funktionierende Heizung wie der Fiat 600 mit seinem wassergekühlten Vierzylinder hatten allerdings beide nicht.

Einzelradaufhängung vorne und hinten

Beim Fahrwerk setzt Fiat auf die seinerzeit in dieser Wagenklasse noch seltene Einzelradaufhängung rundum. Vorne an Dreiecksquerlenkern und einer Querblattfeder (da ist wieder die Kostenreduktion), hinten gibt es eine moderne Konstruktion mit Federbeinen und Längslenkern.

Das Fahrwerk verträgt deutlich mehr Leistung, als ihm Fiat serienmäßig zumutet: Anfangs leistet der kleine wassergekühlte Vierzylinder mit 633 Kubikzentimetern überschaubare 23 PS. Immerhin genug, um die 600 kg leichte Knutschkugel auf 100 km/h zu beschleunigen.

Neuer Fiat 600 D mit Leistungs-Plus

Richtig Fahrt nimmt der Fiat 600 allerdings erst ein Jahr nach seiner Premiere auf - als die Italiener die Cabriolimousine mit einem riesigen Rollverdeck nachschieben. Der Wagen kommt vor allem in den südlichen Ländern Europas sehr gut an. Mit insgesamt knapp 900.000 produzierten Fiat 600 werden die Produktionszahlen des Topolino locker getoppt.

Ab 1960 folgt der Fiat 600 D mit einem größeren Motor (jetzt 767 Kubik) und einer um rund 25 % gesteigerten Leistung. Die nun 29 PS hören sich zwar nicht viel an, doch die Fahrleistungen des 600 D sind deutlich besser. Die Höchstgeschwindigkeit steigt auf 110 km/h. Damit liegt er auf Augenhöhe mit dem VW Käfer, dessen 1,2-Liter-Boxer 30 PS leistet und für eine Höchstgeschwindigkeit von 112 km/h sorgt.

Der Fiat 600 erobert die Welt

Mit mehr als 2 Millionen verkauften Exemplaren kann der Fiat 600 D die Produktionszahlen mehr als verdoppeln. Nun besitzt Fiat die Mittel, mit dem 600 die ganze Welt zu erobern. Naja, fast jedenfalls, denn Fiat vergibt Lizenzen in zahlreiche Länder. Der 600 läuft in seiner dritten Generation, nun mit vorne angeschlagenen Türen und einem auf 31 Liter vergrößerten Tank, in Jugoslawien (als Zastava 750), in Deutschland (NSU Fiat Jagst), Argentinien, Österreich, Uruguay, Chile, Kolumbien und in Spanien vom Band. Das Werk in Barcelona baut ihn als Seat 600 und bietet zudem eine viertürige Version als Seat 800 an.

In Italien entstehen von der gesamten Fiat 600-Reihe rund 2,7 Millionen Einheiten, in Jugoslawien 923.487, in Spanien 814.926, in Argentinien 304.016, in Deutschland 172.000 und in Chile etwa 12.000 Exemplare. Insgesamt kommt der Fiat 600 in den rund 14 Jahren von 1955 bis 1969 auf eine Gesamtproduktionszahl von 4,94 Millionen Einheiten - und überflügelt seinen Vorgänger um fast das 10-fache. Selbst der Fiat 500 blieb hinter diesen Zahlen zurück, von ihm wurden insgesamt 4,25 Millionen Exemplare gefertigt.

Erster "Großraum"-Van

Fiat erweiterte die 600-Modellpalette um Kleintransporter, Pritschenwagen, die "Jolly" genannten offenen Strandwagen und ein Coupé, die bei der Carrozzeria Vignale hergestellt wurden. Dort entsteht auch der erste Großraumvan der Welt, wobei Großraum hier etwas übertrieben ist. Der von Dante Giacosa konstruierte Fiat 600 Multipla erscheint schon 1956 und besitzt 4 Türen sowie sechs Sitzplätze.

Neu an ihm war die Bauweise als Frontlenker-Pkw: Die vorderen Passagiere sitzen über der Vorderachse, die Räder werden über die geknickte Lenksäule gesteuert. Vom Fiat 600 Multipla wurden zudem auch eine - heute sehr gesuchte - Campingbus- sowie eine Taxi-Version angeboten.

Die heißen Fiat 600 von Abarth

Auch der österreichische Tuner Karl "Carlo" Abarth war begeistert von dem Fiat 600. Doch natürlich reichte ihm die überschaubare Leistung nicht. So schuf er auf Basis des 600 seine im Bergrennsport sehr erfolgreichen Tuning-Derivate. Schon mit recht einfachen Eingriffen und klassischem Tuning steigerte er die Leistung des Vierzylinders auf 40 PS. Die Topversionen Fiat-Abarth 850 TC (Turismo Competizione) und 1000 TC erreichen bis zu 100 PS und waren dank ihres handlichen Fahrwerks und einem Gewicht um 600 kg bei Bergrennen fast unschlagbar.

So viel kostet ein Fiat 600 heute

Im Vergleich zum beliebten Fiat 500 Nuova ist der Fiat 600 auf dem Oldtimermarkt auch heute noch fast schon ein Sonderangebot. Laut Classic-Analytics kostet ein Fiat 600 im Zustand 2 rund 9.400 Euro - ein guter Fiat 500 Nuova ist mit 15.000 Euro mehr als 50 % teurer. Im Zustand 4 liegen die Preise bei 4.400 Euro (500 Nuova) und 2.600 Euro (600).

Wer den ebenfalls recht knuddeligen 600er dem superpopulären Cinquecento vorzieht, darf sich auch heute noch darüber freuen, dass der Vierzylinder im Vergleich mit dem schmalbrüstigen Zweizylinder-500er das erheblich gebrauchstüchtigere Auto ist. Ersatzteilsorgen muss man bei beiden nicht haben, denn die Szene ist riesengroß: Fast alles gibt es aus dem Katalog eines der vielen Spezialisten zu bestellen.

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