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75 Jahre Golden Gate Bridge

Immernoch ein Konstrukt der Superlative

Golden Gate Bridge, Arbeiter Foto: Corbis 7 Bilder

Die einst längste Hängebrücke der Welt feiert Geburtstag: Die Golden Gate Bridge in San Francisco, neben der Freiheitsstatue in New York das Wahrzeichen der USA, ist 75 Jahre alt geworden.

24.07.2012 Birgit Priemer

Es ist nicht so, dass die gute alte Brücke es mittlerweile in den Knochen hätte. Nein, sie ist so stark wie eh und je. Aber den Veranstaltern der 75-Jahr-Feier steckt noch heute der Schreck in den Knochen, wenn sie an das große Jubiläum zum 50. Jahrestag denken: Damals zogen 300.000 Menschen von beiden Seiten auf die Golden Gate Bridge, wodurch sich die Fahrtrasse nach unten drückte - und zu brechen drohte. Wie durch ein Wunder ist nichts passiert, aber diesem Risiko wollte sich keiner ein zweites Mal aussetzen. Und so fand die Feier dieses Mal am Fuße der Brücke unweit von Pier 39 statt, der zweiten Touristenattraktion der bunten Metropole am Pazifik.

Die Golden Gate Bridge zählt zu den besten Jahrgängen des letzten Jahrhunderts. Sie erblickte 1937 mit Superstars wie Robert Redford, Jane Fonda und Dustin Hoffman das Licht der Welt - und wurde selbst eine Filmdiva: In diversen Star-Trek-Streifen, bei "Superman" und im Film "Eiskalte Leidenschaft" mit Richard Gere, Kim Basinger und Uma Thurman trat sie in Erscheinung.

Bis zu 162.414 Autos pro Tag

Bei ihrer Einweihung, nur zwei Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, galt sie als Konstrukt der Superlative: Mit einer Länge von 1.280 Metern war sie bis 1964 die längste Hängebrücke der Welt, besaß die höchsten Pfeiler (227 Meter), die größten Unterwasserfundamente und ein Gesamtgewicht von 894.500 Tonnen, wobei die zwei Türme von jeweils 600.000 Nieten zusammengehalten werden. Auch der Preis war rekordverdächtig: 35 Millionen Dollar waren es damals, was nach heutiger Kaufkraft einem Wert von immerhin 1,5 Milliarden Dollar entspricht. Eine Zahl, die angesichts der Schuldenstände vieler europäischer Staaten heute gar nicht mehr so beeindruckt. Eine andere ist es schon eher. Seit ihrer Erbauung bis April 2011 haben 1.929.896.448 Autos auf diesem Wege die wunderschöne Bucht überquert, auch wenn deren Insassen längst nicht immer die Aussicht genießen können. Denn die Brücke hüllt sich - ähnlich wie der Tafelberg in Kapstadt - oft in Nebel.

In der Geschichte gab es nur einen Tag, an dem wenig los war: Am 6. Januar 1982 fielen so heftige Regenschauer, dass nur 3.921 Autos die Brücke nutzten. Das höchste Verkehrsaufkommen wurde dagegen am 27. Oktober 1989 mit 162.414 Autos registriert, kurz nach dem verheerenden Erdbeben Loma Prieta (Stärke 7,1). Die benachbarte Oakland Bay Bridge wurde dadurch so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass der Verkehr auf die nahezu unbeschädigte Golden Gate Bridge ausweichen musste.

Bei Windgeschwindigkeiten von 100 km/h geht nichts mehr

Und dann waren da noch drei kurze Phasen im Leben dieses amerikanischen Symbols, in denen gar nichts mehr ging - und zwar immer dann, wenn der Wind mit Geschwindigkeiten von rund 100 km/h zu heftig wurde: Das war am 1. Dezember 1951 einmal für drei Stunden der Fall, am 23. Dezember 1982 für zwei Stunden und zuletzt am 3. Dezember 1983 für exakt drei Stunden und 27 Minuten. Einen Klimawandel in den letzten Jahren kann man daraus eigentlich nicht ablesen.

Die Golden Gate Bridge ist ein Magnet, der Millionen von Autofahrern und Touristen anlockt, aber leider auch Menschen, die nicht mehr weiterwissen. Nach offiziellen Angaben haben bislang 1.558 davon die Brücke als letzten Ausweg gewählt und sich mit einem mehr als 60 Meter tiefen Sprung in das eiskalte Wasser der Bay das Leben genommen. Ihrer wurde am Jubiläumstag Ende Mai mit 1.558 Schuhpaaren gedacht, die am Ufer des Pazifiks aufgebaut waren. Eine denkbar traurige Geschichte, vor allem wenn man bedenkt, dass es auf der Brücke sogar Notruftelefone gibt, die sofort den Kontakt zu einer Krisenberatung herstellen. Seit geraumer Zeit wird über die Installation von Fangnetzen diskutiert, die aber rund 50 Millionen Dollar Baukosten verschlingen würden. Ein schwieriges Kapitel.

Mit dem Fahrrad über die Golden Gate Bridge

Schmunzeln könnte man dagegen, wenn man liest, dass es nach kalifornischem Gesetz ausdrücklich verboten ist, die Asche seines Liebsten von der Brücke zu streuen. Und richtig Spaß bekommt man, wenn man versucht, die Brücke mal nicht auf vier Rädern, sondern auf zweien zu befahren. Radfahren wird in den USA immer populärer, und so schießen in den letzten Jahren ständig neue Fahrradverleiher am Pier 39 aus dem Boden. Die Touristen können so die meistfotografierte Brücke der Welt und den Ausblick mit Muße genießen. Ein Erlebnis, das unbedingt zur Nachahmung zu empfehlen ist - es gibt keine sinnlichere Möglichkeit, die Schönheit und die Dimension dieses einzigartigen Baudenkmales zu erfassen. Belohnt wird man auf der südlichen Seite mit einem Denkmal von Joseph B. Strauss, dem genialen Chefkonstrukteur der Brücke.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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