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80 Jahre Sir Stirling Moss

Mehr als ein Rennfahrer

Stirling Moss zum 80. Geburtstag Foto: Mercedes 54 Bilder

Die nüchternen Zahlen kratzen nur an der Oberfläche: Stirling Moss nahm in 85 verschiedenen Rennwagen an 529 Rennen teil, 212 davon gewann er. Stirling Moss feiert am 17. September seinen 80. Geburtstag.

15.09.2009 Powered by

Stirling Moss feiert am 17. September seinen 80. Geburtstag. Wie soll man sich diesem Mann bloß nähern, diesem Rennfahrer, den Enzo Ferrari für den größten Fahrer hielt - vor Juan Manuel Fangio? Diesem Botschafter des Automobilsports und seiner Heimat Großbritannien gleichermaßen. "Obwohl der WM-Titel etwas ist, was ich immer noch gerne gewinnen würde, ich habe mir eine wertvolle Lehre zu eigen gemacht", schreibt Moss im Winter 1960/61. "Wenn ich es nicht schaffe, kann ich wohl kaum etwas tun, um das zu ändern…".

Unerreicht: 40 Prozent Sieges-Quote
 
Das klingt angesichts seiner vielen, mit großem Einsatz erzielten Erfolge wie zum Beispiel dem legendären Sieg bei der Mille Miglia 1955 oder die in eigentlich unterlegenen privaten Formel 1-Wagen gewonnenen Grand Prix unglaublich. Im Schnitt gewinnt Moss fast jedes zweite Rennen, bei dem er das Ziel erreicht.
 
Doch egal wo man dem 80-Jährigen heute begegnet, er wirkt alles andere als unzufrieden mit dem Verlauf seiner Karriere. Motorsport ist für den 1929 als Sohn eines Zahnarztes geborenen Stirling Crauford Moss immer mehr als der Wettbewerb auf der Rennstrecke oder auf Rallyepisten. "Erstens bin ich einer Unzahl liebenswerter und interessanter Menschen begegnet, die ich unter anderen Umständen wahrscheinlich niemals kennen gelernt hätte", erzählt er dem Journalisten Ken Purdy, Autor des Buches "All but my life" (Alles, nur nicht mein Leben, 1963). "Bisweilen kommt es mir wirklich vor, als hätte ich bereits zwei volle Leben gelebt, obwohl ich knapp 35 Jahre alt bin".
 
Ein Glücksfall für den Motorsport, ein Rennfahrer-Leben offen wie ein Buch, weil Moss nicht nur erfolgreich so ziemlich alles gefahren ist, was in seiner Ära wichtig war - er erzählt auch gerne darüber. Dabei gibt er jedem außerhalb des Rennwagens mit seinem weltmännischen Charme das Gefühl, willkommen zu sein. Moss ist schlicht "Mr. Motor Racing".
 
Knallharter Racer: Stirling Moss verkauft alles, um rennfahrer zu werden und besiegt schließlich Juan Manuel Fangio
 
Auf der Strecke allerdings ist mit ihm nicht gut Kirschen essen. Zwar lebt er auch im Rennwagen den Stil des Gentlemans, winkt überholten Kollegen zu sowie den Marschalls der Streckensicherung, wenn sie ein Flaggensignal geben. Aber er ist im gleichen Maß ein harter Konkurrent im Positionskampf und ein Schlitzohr beim Kampf um Sekunden. Zugleich ist er ein echter Profi, der mit der Ausübung seines Sports Geld verdient. Das ist für Moss aber kein Selbstzweck: "Das Geld brauche ich, um mir das Rennfahren leisten zu können. Ich liebe den Sport, deshalb musste ich zuerst sicherstellen, dass Geld hereinkommt".
 
Nur mit dieser Haltung ist es Moss überhaupt möglich, Autorennen zu fahren. Sein Vater Alfred E. Moss, der selbst einige Rennen bestritten hat, ist gegen den Wunsch seines Sohnes. "Du kannst Dir das gar nicht leisten", entgegnet er Stirling, der bereits ein erfolgreicher Reiter ist. "Du brauchst ganz schön viel Geld, um Rennfahrer zu sein". Der Filius solle sich lieber um die Farm der Familie in Tring kümmern. Doch Stirling findet einen Weg, wie wir heute wissen. Als ersten Schritt verkauft er alle Habseligkeiten. 1947 startet der 17-Jährige in einem BMW 328 bei Trials und Beschleunigungsrennen. Kurze Zeit später sitzt er in einem Cooper-JAP Formel 3. Die Startflage zur Karriere ist gefallen.
 
1951 nimmt Stirling Moss zum ersten Mal an einem Weltmeisterschaftslauf teil. Beim Großen Preis der Schweiz erreicht er in einem HWM-Alta den achten Platz. 1955 gewinnt er seinen ersten Grand Prix, ausgerechnet sein Heimrennen in Aintree. Im Mercedes-Silberpfeil führt der damals 25-Jährige eine Viererkette der Stuttgarter ins Ziel. Der Youngster gewinnt mit 0,2 Sekunden vor Juan Manuel Fangio, Karl Kling und Piero Taruffi. Lässt der große Fangio seinen britischen Teamkollegen, der von der Poleposition startet und die schnellste Rennrunde erzielt, vor heimischem Publikum den Vortritt? "Stirling war heute der Bessere von uns beiden", sagt der Argentinier nach dem Rennen.

Mille Miglia 1955: Das legendäre Rennen des Stirling Moss
 
Im Mai des selben Jahres fährt Stirling Moss nach eigener Meinung das größte Rennen seiner Laufbahn. "Meine Erinnerung ist auch heute so viele Jahre danach noch frisch", betont Moss. "Von allen Rennen die ich bestritten habe, bei denen ich das Ziel erreicht habe und sogar von denen, die ich gewonnen habe, weiß ich kein vergleichbares". Moss startet bei der Mille Miglia 1955 im Mercedes-Benz 300 SLR mit Beifahrer Denis Jenkinson nach akribischer Vorbereitung. Um die gegenüber den Italienern fehlenden Streckenkenntnis auszugleichen, hat Jenkinson einen genauen Aufschrieb der 1.597 Kilometer langen Strecke erstellt. Für den offenen Wagen spannt er die Papierrolle in eine kleine Box, um sie abzurollen. Damit hetzen sie in der Rekordzeit von zehn Stunden, sieben Minuten und 48 Sekunden über den Straßenkurs von Brescia nach Rom und wieder zurück.
 
Nach Erfolgen bei der Tourist Trophy und der Targa Florio verhilft Moss dem Team aus Untertürkheim zum Titel in der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Auch beim 24 Stunden-Rennen von Le Mans führt er gemeinsam mit Juan Manuel Fangio, bis Mercedes nach dem verheerenden Unfall seine Autos aus dem Rennen nimmt. In der Formel 1-Weltmeisterschaft wird Moss Zweiter hinter Fangio. Drei Jahre später: Moss startet im Vanwall, gewinnt vier Rennen, erzielt zwei schnellste Runden. Er kommt dem Titel so nahe wie nie, und verliert mit nur einem Punkt Rückstand gegen den Ferrari-Piloten Mike Hawthorn, der nur einen Lauf für sich entscheiden konnte. Doch er verhilft dem britischen Team zum Gewinn des erstmals ausgeschriebenen Herstellertitels.
 
Schwerer Unfall in Goodwood und Ende der Karriere - vorerst
 
Moss bindet sich ab 1959 an das Privatteam von Rob Walker, der zunächst Cooper-Climax und dann Lotus-Climax einsetzt. Nach zwei Siegen 1960, aber auch einem schweren Unfall in Spa-Francorchamps, der ihn zu einer Pause zwingt, beginnt Moss 1961 mit einem gefeierten Sieg beim Großen Preis von Monaco gegen die starken Ferrari. Beim Großen Preis von Deutschland gelingt dem Mann mit der Nummer Sieben auf dem Rennwagen das gleiche Husarenstück gegen die Ferraris von Wolfgang Graf Berghe von Trips und Phil Hill. Beide Rennen zählen zu den größten seiner Laufbahn.
 
Aber der 23. April 1962 verändert alles. Moss verglückt im Walker-Lotus-Climax in Goodwood und zieht sich schwere Verletzungen zu. Das Ende der Karriere des großen Sportidols. Zwar kommt er überraschend schnell wieder auf die Beine. Doch die große Laufbahn ist zu Ende. Aus dem festen Plan seines Teamchefs, in der Formel 1 einen privaten Ferrari mit Stirling Moss einzusetzen, wird nichts.

Ab und an steigt Stirling Moss noch in einen Rennwagen, bestreitet in einem Audi Läufe zur Britischen Tourenwagen-Meisterschaft oder Cup-Rennen in einem Porsche 944. Außerdem ist er in historischen Rennwagen aktiv. Im Fahrerlager stets an seiner Seite: seine Frau Susie, mit der er seit fast 30 Jahren verheiratet ist. Eines bereut Sir Stirling nach seiner einmaligen Karriere allerdings: "Von meinen Rennwagen habe ich keinen einzigen behalten".
 
Seinen runden Geburtstag feiert er dort, wo er sich am wohlsten fühlt: auf der Rennstrecke vor der großen Kulisse von Goodwood.

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