Rallye Dresden-Dakar-Banjul: Der Rallye-Tross erreicht Afrika

Rallye Dresden Banjul

Am 7. November 2009 startete die Rallye Dresden-Dakar-Banjul. Seit der Überfahrt nach Afrika überschlagen sich die Ereignisse. Als nächstes stehen die Etappenziele Rabat, Marrakesh, Agadir und Ad-Dakhla auf dem Programm.

"Willkommen in Afrika!", sagt Peggy Hahn, Mitglied des Rallye-Organisationsteams, und lacht, während sie ihren weißen Nissan Vanette geschickt durch das chaotische marokkanische Verkehrswirrwarr manövriert: Der Tross der Autopiloten hat an Tag sieben der Tour tatsächlich bereits seit über 24 Stunden afrikanischen Boden unter den Füßen.

Das Abenteuer Afrika beginnt

Die Temperaturen sind hoch und das bunte, geballte Leben bietet für die Fahrer eine Masse an interessanten, neuen Eindrücken: Lärm und Staub im Straßendickicht Tangers, überladene Mopeds, die flink europäische Vorfahrtsregeln umkurven, oder Eselkarren, die von verschleierten Muslimas durch die Straßen gelenkt werden, vorbei an großen Prachtkarossen, die von modernen Geschäftsfrauen mit offenem Haar und Handy am Ohr gefahren werden. Manche Rallyefahrer, wie zum Beispiel das Team "Dustination" aus Hannover steuern abseits der Route die zweitgrößte Moschee der Welt in Casablanca an.

Mit cool gestyltem VW T3 durch Tanger

Maren Peyer und Lars Eickhoff sind mit ihrem cool gestylten T3 definitiv eines der Glanzstücke der Rallye. Bis auf einen gerissenen Gaszug und einen defekten Keilriemen blieb das Pärchen bisher von Pannen verschont und genießt nun das Abenteuer in vollen Zügen: "Seit gestern sind wir erst so richtig im Urlaub angekommen", so Lars Eickhoff.

Tag sieben ist auch der erste sogenannte "Restday", ein Tag, an dem nicht gefahren werden muss, was die erste Erholung von so mancher anstrengenden Reparatur und vor allem für die meisten das erste Mal Ausschlafen seit einer Woche bedeutet. Die Ruhepause haben sich die 46 Teams redlich verdient, denn bereits vor der Ankunft in Marokko hatten sich die Ereignisse am letzten Tag auf dem europäischen Festland noch überschlagen: So wurde das Team "Driftstall Biberach" durch einen Motorschaden an seinem Nissan Terrano aus dem Verkehr gezogen. Bald schon war jedoch ein anderes Team zur Stelle, das helfen wollte und den Wagen an das Abschleppseil nahm. Zu dumm nur, dass in Spanien das Abschleppen von Autos verboten ist: Die neugebildete "Fahrgemeinschaft" wurde umgehend von der Straße gewunken und musste ein Strafgeld bezahlen. 

Autotausch in Spanien


Da das Leben manchmal ganz seltsame, glückliche Wege geht, wollte jedoch just zu diesem Zeitpunkt ein bei Málaga lebender Freund des Rallye-Organisators Holger Leipnitz einen alten Terrano verkaufen und so wurde telefoniert, kurz entschlossen umdisponiert, ein neuer Altwagen gekauft und das kaputte Gefährt vor einem spanischen Nissan-Autohaus abgestellt.

Das Team "Hauptsach ham kumma" (= Hauptsache, wir kommen heim!) hingegen sorgte leider eigenständig für ein wenig Kummer: Jochen und Christian aus Ansbach fuhren in ihrem Jeep im Stop-and-Go des Verkehrs bei der Anfahrt zur Fähre in Algeciras auf das befreundete fränkische Team "1Destination"  auf. Eine verbeulte Motorhaube auf der einen Seite und der leicht eingedrückte Kofferraumdeckel brachten sie jedoch keineswegs von ihrem Ziel ab und auch die gute Stimmung war bald wieder da. Die Motorhaube wurde mit der Hilfe anderer Fahrer einfach möglichst gut mit einem Spanngurt fixiert und nach einiger Wartezeit rollten die ersten Autos auf die Fähre.

Eine getrennte Fährüberfahrt hat es noch nie gegeben

Alles hätte so schön sein können: Strahlender Sonnenschein ließ so manchen Fahrer den Turnschuh gegen die Sandale tauschen und die ersten Sonnenbrände wurden gepflegt. Als jedoch plötzlich die Fähre ablegte, während ein Teil der Rallyeteams samt der Organisatoren nach wie vor auf dem Hafengelände stand und zum Abschied nur noch winken konnte, lag das erste Mal ein wenig Aufregung in der Luft. "Mir blieb da mal kurz das Herz stehen, als ich das Schiff ablegen sah", erklärte Organisator Falk Altmann: "Eine getrennte Fährüberfahrt hat es tatsächlich noch nie gegeben!" Die Organisation hatte für die Rallyegemeinde schon im Voraus eine komplette Fähre gebucht gehabt und war dementsprechend schockiert vom Fehlverhalten der Fährgesellschaft. Wohlbehalten und glücklich fanden sich die beiden kurzzeitigen Einzelrallyes auf dem neuen Kontinent dann jedoch wieder zusammen.

"Bullenherz" sorgt für chaotisches Durcheinander

Der erste afrikanische Tag brachte außerdem prompt den bisher wohl witzigsten und spektakulärsten "Zwischenfall", der am Abend auf dem Campingplatz von Larache bei Tanger für jede Menge Amüsement sorgte: Hauptakteur war in diesem Fall der massivste Rallyeteilnehmer: Das Bullenherz - der acht Tonnen schwere Magirus des vierköpfigen "Team Bayern". Die Besatzung hatte einen liegen gebliebenen Rallyeteilnehmer am Abschleppseil aus dem marokkanischen Hafen gezogen (in Afrika ist das Abschleppen - außer auf Autobahnen - nämlich im Gegensatz zu Spanien erlaubt.) und versuchte, mit dem Anhängsel samt in ihm sitzendem Team auf die Autobahn zu gelangen. An einer Mautstelle lösten sie ein Ticket und die Schranke öffnete sich: Anscheinend hatte kein Angestellter das kleine Auto hinter dem 3,30 Meter langen ehemaligen THW-Fahrzeug bemerkt. Als sie plötzlich doch ein Mitarbeiter einer Autobahnmeisterei  an der Auffahrt auf die Autobahn hindern wollte, konnte das Team ihn nach reichlicher Diskussionszeit erfolgreich mit ein wenig "finanzieller Unterstützung" davon überzeugen, sie passieren zu lassen.

Also rollten Christian, Patrick, Mandy und Lisa sowie ihr Mitfahrer Frank im "Bullen" los - als die Schranke hinter ihnen wieder nach unten sauste und unsanft auf das straff gespannte Abschleppseil prallte, was folgende Ergebnisse nach sich zog: Eine zerbeulte Schranke, einen lärmenden Signalton, chaotisches Durcheinander, einen wildgewordenen Mitarbeiter der Mautkontrolle, welcher wie ein Springteufel schreiend aus seinem Tickethäuschen gesprungen kam, schmerzhafte Lachkrämpfe bei einem Großteil der Magiriusbesatzung und einen Spruch, der zum ironischen Rallyeslogan avancieren könnte: Mit eiskalter Mine und trockenem Humor erklärte der soeben noch durch ein wenig Schmiergeld zufrieden gestellte Mitarbeiter der Autobahnmeisterei: "Now we have another problem …"

Weitere Etappenberichte der Dresden-Banjul
Etappen Strecke
Prolog Dresden
Etappen 1-4 Dresden - Madrid
Etappen 5-7 Algeciras - Marrakesch
Etappen 8-11 Marrakesch - Dakhla
Etappen 12-16 Dakhla - Banjul
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Juliane Schiemenz

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Gebrauchtwagen-Rallyes wie die Dresden-Banjul ...
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