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Abart Punto Evo, Opel Corsa OPC, Renault Clio Sport

Drei wilde Kleinwagen im Check

Abarth Punto Evo, Händler Foto: Rossen Gargolov 36 Bilder

Wilde Kleinwagen, zweiter Teil: Nach VW Polo GTI, Mini Cooper S und Ford Fiesta ST nehmen wir jetzt die scharfen Topmodelle von Punto, Corsa und Clio unter die Gebrauchtwagen-Lupe.

22.11.2014 Frank Mühling Powered by

Italienische Dolce Vita, französische Nonchalance oder deutsche Spießigkeit? Es lebe das Klischee. Ob auf der Fußball-Fanmeile oder im Urlaub: Leidenschaftlich wird über landestypische Macken, Stärken und Schwächen diskutiert. Das ist beim PS-Stammtisch unter Männern nicht anders, wenn darüber philosophiert wird, welche Nation den besten wilden Kleinwagen baut. Nach dem Dreikampf VW gegen Mini gegen Ford stehen dieses Mal Abarth Punto Evo, Renault Clio Sport und Opel Corsa OPC im Fokus.

Abarth Punto Evo mit perfekt sitzendem Outfit

Bereits optisch zeigen die drei Charakter. Durchgestylt der gebrauchte Abarth Punto Evo: Mit perfekt sitzendem Outfit und vielen Accessoires gibt er den "bello ragazzo" auf vier Rädern. Der Renault Clio Sport macht dagegen auf dicke Hose: Unter breiten Backen und großen Nüstern drehen sich fette Räder – dieser Renault verkörpert den Stolz der "Grande Nation". Und der Deutsche? Etwas dezenter, aber nicht schlecht gekleidet. Der Opel Corsa OPC gefällt mit sportlichen Akzenten auf der unverwechselbaren Karosserie – keine Spur jedenfalls von teutonischer Geschmacklosigkeit beim OPC.

Im Interieur bleibt der Abarth Punto Evo seiner Linie treu: Das hübsche Arrangement ist gut verarbeitet und straft somit alle Vorurteile bezüglich der typisch italienischen Lässigkeit Lügen. Der Fairness halber muss erwähnt werden, dass der Abarth Punto Evo mit nur knapp 15.000 Kilometern nach eineinhalb Jahren wie ein Neuwagen dasteht. Der 2013 erstmals zugelassene Punto Evo hat 163 PS. Bis Ende 2009 hieß er Abarth Grande Punto und hatte acht PS weniger.

Den MultiAir-Turbo-Vierzylinder mit 1,4 Liter gibt es auch als Supersport-Variante mit 180 PS. Er debütierte im Abarth Punto Evo, verfügt über einen speziellen Ventiltrieb und hatte keine Drosselklappe. Fiat schreibt für ihn ein exklusives Motoröl vor – wer sich nicht daran hält, kann Probleme mit dem MultiAir-Modul bekommen. Auch von vereinzelten Schaltschwierigkeiten ist in Internetforen die Rede, manchmal schafft ein Ölwechsel beim Sechsganggetriebe Abhilfe, oder aber es müssen neue Synchronringe sein.

Abarth-Motor mit sonorer Bassstimme

Derartiger Ärger ist unserem Ansichtsexemplar fremd, das spürt man gleich nach ein paar Kilometern. Super Sitze, top Ambiente – der Abarth Punto Evo passt wie die Lieblingsjeans. Der Abarth-Motor macht mit sonorer Bassstimme ganz auf südländischer Verführer und geht bei abgesenktem Gasfuß ab 3.000 Touren ordentlich zur Sache. Begleitet von der hochschnellenden Ladedruckanzeige reißt er den gebrauchten Dreitürer kräftig von der Stelle – harte Arbeit für die Vorderräder. So richtig schnell wirkt das zwar nicht, dafür ist es großes Drama.

Voraussetzung für echten Abarth-Fahrspaß ist natürlich, dass man die Sport-Boost-Taste gedrückt hat, erst dann spricht der Turbomotor spontan an. Jetzt erlauben ASR und ESP auch größere Freiheiten. Im Normal-Modus ist der Abarth Punto Evo brav. Beim Vorgänger fällt diese Schärfung auf Knopfdruck viel schwächer aus. Er blieb im Supertest (3/2009) wegen seiner rigiden ESP-Engriffe fahrdynamisch blass.

Und die Kosten? Günstig ist der Abarth Punto Evo nicht. "Die Nachfrage ist hoch, der Wertverlust am niedrigsten im gesamten Fiat-Konzern", so Thomas Kummich, Inhaber des gleichnamigen Autohauses in Aalen. Die Ersatzteile: Der Wechsel von Auspuff, Bremsen und Zahnriemen ist recht günstig, teuer sind die Alu-Felgen und die Frontschürze. Auch bei der Haftpflicht kassieren die Versicherungen kräftig.

Teurer Zahnriemenwechsel für den Renault Clio Sport

Ein Blick zum Nachbarn nach Frankreich: Der gebrauchte Renault Clio Sport ist bei der Haftpflicht günstiger, dafür bei der Teilkasko der Teuerste. Die Vollkasko liegt auf Punto-Niveau. Moderaten Teilepreisen für Anlasser, Getriebe und Alufelgen stehen hohe Kosten für den Endtopf und den Zahnriemenwechsel entgegen.

"Der Zahnriemen wurde bereits gemacht", so Rolf Sporleder von RS Automobile aus Heidenheim über seinen blauen Gallier mit 197 PS. Erfreulich, denn der Serviceplan schreibt den Austausch bei 120.000 Kilometern vor, sein Renault Clio Sport aber hat erst 81.000 Kilometer runter. "Den Wagen habe ich vor zehn Tagen reinbekommen. Erste Hand, zuletzt von einer Frau gefahren", so Sporleder weiter. Ob sie mit ihren langen Fingernägeln das Leder vom Schalthebel gepuhlt hat?

Egal, bis auf diese drollige Kleinigkeit und den aus Draht selbst gebastelten Marderschutz am Unterboden wirkt der Clio Sport in einem normalen Zustand – 18-Zöller von Rial mit guten Hankook-Pneus inklusive. Auch die Bremsen wurden komplett gemacht, was die 8.290 Euro fair erscheinen lässt. Schließlich kommen der Zahnriemen und vorderen Bremsen in Summe auf rund 1.300 Euro.

Zweiliter-Sauger im Renault Clio Sport

Erstzulassung 7/2007 – der gut sieben Jahre alte Renault Clio Sport kaschiert sein Alter recht gut. Auf dem Weg zur Autobahn wärmt sich der Zweiliter-Saugmotor gemütlich auf, kaum etwas erinnert an ein knapp 200 PS starkes Topmodell. Im Interieur sind nur wenige sportliche Indizien zu finden, da bieten Abarth Punto Evo und Opel Corsa OPC mehr fürs Auge. Dafür kontert der Franzose mit einem traumhaften Fahrwerks-Set-up: trocken, direkt, agil, das ESP abschaltbar, dazu mit einer top Traktion gesegnet.

Klar, der Sauger gibt seine Leistung auch harmonischer ab als die Turbos. Und er dreht wie entfesselt. So richtig Leben in die Bude kommt jenseits der 5.000er-Marke, bei 7.500/min ist Schluss. Der Motorsound? Könnte markanter sein. Wer einen Schreihals à la Honda VTEC erwartet, wird enttäuscht sein. Da hilft nur ein Zubehör-Endtopf. Gravierender Ärger? Frühe Clios hatten Probleme mit den Kolben, auch die hakelige Schaltung wird in Foren häufig reklamiert.

Bekannte Probleme beim Opel Corsa OPC sind Getriebegeräusche im fünften und sechsten Gang, ein gerne mal brechendes Lüftungszahnrad sowie sich ablösende OPC-Schweller und Risse in den OPC-Spiegeln. Die hat auch unser 2011er-Exemplar mit 52.000 Kilometern auf dem Tacho.

Opel Corsa OPC - der 1.6er-Turbo faucht

Gerd Maier, Verkaufsberater beim Automobilforum Stuttgart: "Der OPC ist ganz frisch auf dem Hof, der Vorbesitzer hat sich den gleichen neu gekauft." 12.990 Euro inklusive neuer Inspektion und zwei Jahre europaweiter CG-Car-Garantie klingen interessant.

Dank guter Pflege durch den Vorbesitzer sieht man dem gebrauchten Opel Corsa OPC sein Alter von fast vier Jahren nicht an. Und man spürt sie auch nicht. Der 1.6er-Turbo zischt, faucht und drückt wie am ersten Tag. Vor allem oben heraus hat er mehr Punch als der Punto-Motor. Die Traktion ist ebenfalls besser, auch wenn hier erst die Nürburgring Edition mit 210 PS und mechanischer Sperre komplett überzeugt. In den serienmäßigen Recaro-Sportsitzen fühlt man sich auf Anhieb wohl, das schicke Cockpit präsentiert sich gut verarbeitet. Kritik muss sich Opel für die happigen Ersatzteilpreise gefallen lassen: Vor allem Bremsen und Lichtmaschine fallen aus dem Rahmen. Dafür rangiert der OPC mit Haftpflichtklasse 15 am unteren Ende.

Deutschland, Frankreich oder Italien? Reine Geschmacksache. Und immer ein Grund für lange Diskussionen – spätestens wieder 2016 bei der Fußball-EM.

Vertrauensfrage: Kinderwagen oder Curbs?

Welchen nehmen? Für Hobby-Racer ist der Renault Clio Sport erste Wahl. In allen sport auto-Tests war der Renault schneller als Punto oder Corsa, deaktivierbares ESP, Fahrwerks-Set- up und Bremsen sei Dank. Der Abarth Punto Evo kämpft mit frühen ESP-Eingriffen, zeigt sich aber seit dem Wechsel vom Grande Punto zum Punto Evo klar verbessert. Der Opel Corsa OPC rangiert in der Mitte, wenngleich erst die 210 PS starke Nürburgring Edition mit abschaltbarem ESP und serienmäßiger Sperre eine echte Steigerung der Fahrdynamik garantiert.

Abseits der Rennstrecke eignen sich alle drei als problemlose Alltagsautos. Gemütlich bewegt verbrauchen sie nicht mehr als zehn Liter auf 100 Kilometern. Wer die Kisten aber richtig fliegen lässt, braucht gut und gerne bis zu vier Liter mehr. Gut zu wissen: Weder Punto noch Clio oder Corsa wurden je als Fünftürer angeboten. Da wird es eng, wenn der Nachwuchs kommt. Die stämmige Clio-Karosse punktet jedoch mit dem größten Kofferraum, hier findet also wohl noch am ehesten ein Kinderwagen Platz …

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