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Skorpion-Fan Engelbert Möll und seine Abarth-Sammlung

Abarth-Fan - vom Werksfahrer zum Sammler

Foto: Wolfgang Wilhelm 39 Bilder

Filmreife Beziehung: Der Schweizer Möll und die Marke Abarth. Der Sammler hat eine einzigartige Kollektion zusammengetragen: Fiat 500 Abarth, Fiat 850 2000 GT America Coupé, OT2000 und 3000 Sport - mehr als 30 Abarth-Fahrzeuge umfasst die Sammlung derzeit.

25.04.2009 Bernd Ostmann Powered by

Es ist eine Leidenschaft, die im Verborgenen, aber umso inniger blüht. In einer schlichten Tiefgarage im schweizerischen Solothurn verbirgt sich eine Abarth-Sammlung, die ihresgleichen sucht. Dabei begann die Beziehung zu der Marke für Engelbert Möll in jungen Jahren - und sie endete zunächst tragisch.

Möll war damals Nachwuchsrennfahrer, der für die Saison 1963 nach einem stärkeren Rennauto Ausschau hielt. Er hatte bereits eine Option auf einen Lotus, als er zufällig Abarth-Werksfahrer Tommy Spychinger traf. Der suchte gerade ein Talent für die Schweizer Meisterschaft - und nahm ihn mit nach Turin zu Carlo Abarth.

Neben Carlo Abarth mit 140 km/h durch Turins Innenstadt

Der virtuose Tuner ließ das Duo erst mal zwei Stunden warten, auch Ergebnislisten interessierten ihn nicht: "Der Spychinger bringt mir keine Versager", war sich Abarth sicher, und so wurden sich beide binnen weniger Minuten einig. Möll sollte in der Schweiz starten, doch Probe fahren durfte er den Wagen nicht. Dafür bat ihn Abarth auf den Beifahrersitz eines Renn-Simca-Abarth. Mit Tempo 140 ging es zum Essen quer durch Turin, rote Ampeln ignorierte der Meister geflissentlich. Noch heute erinnert sich Möll: "Das war sensationell, mein größtes Erlebnis."

Ans Volant durfte der Youngster erst in seinem eigenen Auto, was aber auch nicht problemlos begann. Als der Motor bereits warmlief, stürmte Abarth heran. Es gab ein Riesentheater: Möll musste erst die zweite Rate bezahlen, bevor er starten durfte. Doch nicht der wilde Auftritt des Chefs irritierte den jungen Schweizer am meisten, sondern eher die zahlreichen Dreher, die er anschließend fabrizierte. Erst als er später Dunlop-Racing-Reifen montierte, lag der Simca so, wie er es sich vorstellte.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Zuerst stellte Möll den Rundenrekord auf einer kleinen Teststrecke ein, sammelte brav Klassensiege und schlug sich im Gesamtklassement beachtlich. Die Berufung in den internationalen Abarth-Werkskader war eine logische Folge. Zusammen mit Teddy Pilette gewann Möll auf Anhieb die Prototypenklasse beim Zwölfstunden-Rennen auf dem Nürburgring.

Schwerer Unfall, Reha und Neuanfang mit Automatik-GTO

Dann folgte die Einladung zum Solitude-Rennen vor den Toren Stuttgarts. Möll sollte neben Hans Herrmann und Teddy Pilette einen Werkswagen pilotieren, doch beim ersten Training fehlten die Abarth. Das Abschlusstraining lief bereits, als der Transporter ins Fahrerlager rollte. Alles war in großer Hektik, und Möll fand den Rückwärtsgang nicht. Da klärte ihn Abarth-Rennleiter Pascal Ickx auf: "Du fährst das neue Sechsgang-Getriebe. Der Rückwärtsgang ist vorn links." Nach dieser knappen Einweisung drehte Möll zwei Runden und kam irritiert an die Box zurück: "Das Auto übersteuert blitzartig." Die Mechaniker beruhigten: "Du hast ein neues Sperrdifferenzial eingebaut. Das ist normal."

Der junge Schweizer klemmte sich wieder in den Schalensitz, vergaß in der Hektik sogar das Anschnallen und tobte los. In Runde zwei war er auf der für ihn unbekannten Strecke nur vier Zehntel langsamer als Routinier Herrmann, in der dritten blockierte bei Tempo 200 vermutlich das Differenzial. Der kleine Simca Abarth schlug rückwärts in den Wald und zerbrach in zwei Teile. Möll wurde herausgeschleudert - und überlebte schwerverletzt. Wochenlang lag er mit gequetschten und gebrochenen Brustwirbeln im Krankenhaus. Dann ging es für mehrere Monate zur Reha nach Österreich, aber die große Rennkarriere war damit gelaufen.

Trotzdem überwand Möll mit Ehrgeiz und Hartnäckigkeit alle Hürden, bis er in Automatik-Autos wieder bei heimischen Bergrennen an den Start gehen konnte. Dort pilotierte der Opel- Händler einen Pontiac GTO so erfolgreich, dass er anschließend einige Kunden für das US-Muscle-Car begeistern konnte. Einer gab einen Ferrari Dino mit Motorschaden in Zahlung, den Möll wiederum gegen einen fahrbereiten Fiat Abarth 1000 GT Bialbero eintauschte. Erst später erkannte er, dass er mit dem seltenen, leistungsstarken Coupé ein echtes Schnäppchen gemacht hatte.

Porsche-Schreck, Siegerautos und viele Renn-Raritäten

Der Bialbero war der Beginn seiner Sammelleidenschaft, "aber eigentlich suchte ich einen Simca Abarth - mein Auto". Es steht natürlich längst in der Kollektion - weiß, mit zwei roten Längsstreifen, so wie es damals die Schweizer Berge hochstürmte. Apropos Berge: In der Möll-Sammlung befindet sich auch der 355 PS starke 3000 Sport, mit dem Johannes Ortner 1971 Bergeuropameister wurde. Ein weiterer Siegertyp ist der OT 2000 mit einer schmalen Lufthutze auf dem Dach, der in Spanien bei der Rallye "Costa Brava" einen Lauf zur Europameisterschaft gewann.

Mittlerweile verzeichnet die Kollektion über 30 Raritäten, darunter ein weißes Fiat 850 2000 GT America Coupé, mit dem ein Galerist an den Wochenenden die Autobahnen rund um München unsicher machte. Besonders unter Porsche-Fahrern war das Coupé gefürchtet: Gegen seine 185 PS und 240 km/h Höchstgeschwindigkeit hatte damals kaum ein Elfer eine Chance.

Die meiste Zeit bleibt die Sammlung im Verborgenen, doch einige Male pro Jahr gönnt Möll einzelnen Exponaten eine Auszeit. Dann geht es wie einst auf den Berg, und gute Freunde dürfen die Schmuckstücke auch bei Oldtimer-Rennen bewegen. Möll, der einstige Nachwuchsstar, gibt allerdings heute mit 73 Jahren nur noch den Rennleiter.

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