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Abenteuer für echte Männer

Am Lenkrad eines Super-Trucks

US-Truck, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 10 Bilder

US-Trucks sind etwas Besonderes und selten auf unseren Straßen. Doch es gibt Gelegenheiten, diese PS-Monster selbst zu steuern. Ein Erlebnis, das man so schnell nicht wieder vergisst.

25.01.2014 Henning Busse

Alles begann Anfang der 80er-Jahre. Ich war noch ein kleiner Junge und sah diesen Film im Fernsehen. Er hieß "Convoy", beschrieb die Geschichte von rebellierenden Truckern. Egal. Die Story war Nebensache. Ich hatte nur Augen für die Lastwagen – besonders für das schwarze Ungetüm des Helden Rubber Duck. Es war um mich geschehen, und meine Eltern mussten sich fortan immer wieder diesen einen neuen Berufswunsch anhören. Ich wollte Truck-Fahrer in den Staaten werden. Rund 30 Jahre später sollte sich der Wunsch zumindest für einen Tag erfüllen.

Allerdings in Erding. Das Städtchen liegt bekanntlich in Bayern und nicht in den USA. Na und? Nur ein kleiner Schönheitsfehler. Hier sitzt die Firma Show-Truck-Fragner, die Fahrten mit einem echten US-Lkw anbietet und mich der Erfüllung meines lang gehegten Wunschs einen Riesenschritt näher bringt. Geschenkt, dass es sich bei dem Gefährt um einen Freightliner FLC 120 handelt und nicht um den Mack RS 700L aus "Convoy". Schließlich hat er große Ähnlichkeit mit dem Filmfahrzeug. Die lange Schnauze, die kantige Form, der monströse Kühlergrill, die typischen Highpipes – das passt. Selbst das Baujahr stimmt, der Freightliner ist circa 30 Jahre alt. Für mich steht fest: Ein Traum wird wahr.

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Reportage Abenteuer für echte Männer So werden Träume wahr
auto motor und sport 01/2014
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14 Liter Hubraum, 2.800 Nm Drehmoment

"Bist du schon mal einen Lkw gefahren?", fragt mich Besitzer Christian Fragner. "So einen noch nicht", lautet meine Antwort cool und knapp, passend zu meinem Outfit. Ich habe mich dem Anlass entsprechend gekleidet und trage Cowboyhut, Westernstiefel sowie Sonnenbrille – Karneval meets US-Truck. Egal, das gehört auch zum Kindheitstraum, und jeder weiß, dass man niemals den kleinen Jungen in sich verleugnen sollte. "Dann erkläre ich dir mal den Truck", sagt Christian und grinst.

Nach der Einweisung geht es los. Der Cummins-Diesel mit seinen sechs Zylindern und 14 Liter Hubraum brabbelt vor sich hin. Jetzt heißt es Kupplung treten, Gang einlegen und losfahren. Kurz drehen die Räder durch, und der Freightliner macht einen Sprung nach vorn. Stille. Der Motor ist aus und die Fahrt abrupt beendet. "Du musst mit der Kupplung behutsam umgehen", erklärt Fahrlehrer Fragner. Wie recht er hat, denn schließlich entwickelt der Selbstzünder nicht nur 440 PS, sondern befördert ein Drehmoment von 2.800 Nm an die Hinterachse – diese Kraft will gebändigt werden.

Deshalb empfiehlt mir Christian, im dritten Gang anzufahren. "Bei einem Viergang-Getriebe?", frage ich ungläubig. Der Fahrlehrer nickt und erklärt, dass das Getriebe über eine Vorschaltgruppe verfügt, welche die Gänge splittet. Somit stehen acht Stufen zur Verfügung. Ich folge dem Rat, und siehe da, der FLC 120 rollt an, nimmt Tempo auf. Ich ziehe an der Kette oben links am Dach, und schon erklingt die Hupe – nein, was sage ich, es ertönt eine Fanfare, die der Umgebung rund um Erding eines mitteilt: Obacht, Henning Busse rollt in einem Truck an. An das Schalten der Gänge muss ich mich erst gewöhnen. Der Gelassenheits-Modus ist da genau richtig, denn es dauert, bis die Zahnradpaarungen die passende Übersetzung in der Vorschaltgruppe und dem eigentlichen Getriebe finden. Also zähle ich jedes Mal mit: 21, 22, 23 ...

Truck fahren mit dem Autoführerschein

Der Truck ist was für Männer, die es gern hart mögen und auf Komfort verzichten können. Ihnen gefällt einfach, dass der FLC bei jedem Gasstoß nicht nur akustisch eine Rückmeldung gibt, sondern das Führerhaus kurz erbeben lässt. Man merkt förmlich, wie die 440 Pferde mit den Hufen scharren und auf Auslauf drängen. Ich wäre gerne ihrem Wunsch nachgekommen, doch Fahrlehrer Christian mahnt zur Ruhe – also schalte ich wieder in den Gelassenheits-Modus und trällere im Geiste die Hits der deutschen Country-Band Truck Stop. Ein Klischee, zugegeben. Aber es passt herrlich.

Irgendwann kommt mir in den Sinn, ob ich ohne Lkw-Lappen überhaupt diesen Truck fahren darf. Christian erklärt, dass ein Fahrlehrer die ganze Zeit mit Rat und Tat zur Seite steht, daher benötigt man nur einen Autoführerschein. Wie beruhigend. So genieße ich weiterhin ohne Reue meine Fahrt und stelle das Kind in mir ruhig. Recht schnell wird auch der anfangs ungewohnte Schaltvorgang zur Gewohnheit. Jetzt bin ich in meinem Element, bald naht schon das Ende. Nach 60 Minuten. Schade, Trumm.

Aber was soll’s, es war ein Riesenspaß und die 169 Euro wert. "Du kannst auch noch einen amerikanischen Schulbus fahren", schlägt Christian vor und meint damit so einen gelben, wie man ihn aus US-Filmen kennt. Verlockendes Angebot, auf das ich später vielleicht zurückkomme. Schließlich hatte ich als kleiner Junge viele Träume.

So kann man selbst einmal den US-Truck fahren

Anbieter: Show-Truck-Fragner
Kontakt: www.us-truck-fahren.de
Ort: Erding bei München Kosten: ab 169 Euro
Tipp: Eine Stunde dauert der Spaß, davon sind 15 Minuten Einweisung. Nötig ist für den 7,5-Tonner ein Autoführerschein. Ein Fahrlehrer ist stets dabei. Die Fahrt findet übrigens nicht im Winter statt.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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