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Abenteuer-Reise Marokko

Off Road durch Tausendundeine Nacht

Marokko-Reise 4x4 Adventure Tours Foto: 4x4 Adventures 67 Bilder

Marokko ist ein Land für alle fünf Sinne. Unsere Autorin war mehrere Wochen mit einer Gruppe von Geländewagen unterwegs und nimmt uns mit auf ihre Abenteuer-Reise.

25.04.2013 Powered by

Faszinierend, vielfältig, bizarr, atemberaubend, gastfreundlich – es gibt in der deutschen Sprache schlichtweg nicht genügend Adjektive, um diesem Land und seiner Bevölkerung bei der Beschreibung gerecht zu werden. Man muss es erleben.
 
Das Abenteuer beginnt bereits in Europa. Kurz nach Weihnachten sammeln wir – eine Gruppe Abenteurer, die mit 4x4 Adventures unterwegs sind – uns am Hafen von Genua und schon das Aufreihen vor der Fähre wird hier zum Erlebnis. Denn Marokkaner setzen andere Maßstäbe bei der Fahrzeugbeladung an und neben den meterhoch bepackten Transportern mit schleifenden Reifen mutieren selbst unsere nicht eben zierlichen Toyotas, Jeeps und Land Rover zu Kleinwagen mit leichtem Gepäck.

Abfahrt ins Abenteuer

Die schweren Schiffsdiesel stampfen los und auch wenn die 2-tägige Überfahrt nicht zu den spannendsten Erlebnissen zählt – entspannender als die lange Anreise bis Südspanien ist sie in jedem Fall! Und natürlich eine gute Gelegenheit, die Mitreisenden kennen zu lernen und die stetig steigenden Temperaturen zu genießen.
 
Der afrikanische Kontinent rückt näher, wir verlassen die Fähre in Tanger - und fühlen uns sofort in eine andere Welt versetzt. Zunächst allerdings leider in Gestalt der höchst chaotischen Zollabfertigung, für uns Westeuropäer eher ungewohnt. Irgendwie, irgendwann und selten nachvollziehbar funktioniert es dann aber doch und wir können unser erstes Etappenziel anvisieren: Fés, die älteste der 4 Königsstädte Marokkos.
 
Da die Strecke durch das Inland und über das Rifgebirge langsam und beschwerlich ist, entscheiden wir uns für den schnelleren Weg: die Autobahn. Aber von der erwarteten Langeweile keine Spur, denn schnell zeigt sich, dass auch auf marokkanischen Autobahnen andere Gepflogenheiten herrschen: Menschen sammeln Kräuter zwischen den Fahrstreifen, Fahrradfahrer, Esel mit Reitern und Schafherden tummeln sich auf der Fahrbahn. Und alle paar Kilometer steht eines der völlig überladenen Vehikel, mit denen wir auf der Überfahrt Bekanntschaft machten, weil Achsen, Getriebe oder Motor angesichts der Plackerei den Dienst versagen.

Ankunft in der Königsstadt

Es dämmert bereits, als wir Fés erreichen und nach dem Bezug der Hotelzimmer machen wir uns per Taxi auf den Weg in die Medina, um in einem der prachtvollen alten Handelshäuser, die vielfach zu Restaurants umgewandelt wurden, die marokkanische Küche zu genießen, das Land zu „erschmecken“.
 
Am nächsten Tag stürzen wir uns dann richtig in das Getümmel: Mit einem lokalen Führer besuchen wir die Altstadt, welche von der Unesco zum Welt-Kulturerbe erklärt wurde. Deshalb – oder trotzdem – blieb den Souks hier ihre Authentizität erhalten und man findet keine Aneinanderreihung von Touristengeschäften, sondern Märkte und Läden, in denen Einheimische einkaufen und echte, traditionelle Handwerkskunst.
Wir lassen uns durch die labyrinthartigen Gässchen treiben, besuchen die älteste Koranschule Marokkos, bestaunen die Fertigkeiten der Gerber, Färber, Holzschnitzer, Kupferschmiede und Mosaikbauer.
 
Nach einem Imbiss nehmen wir Abschied von dieser zauberhaften Stadt und fahren weiter in Richtung Süden. Dabei überqueren wir den mittleren Atlas und übernachten auf einem Campingplatz nahe Midelt, die schneebedeckten Gipfel des hohen Atlas in Sichtweite. Allerdings kommt auch der Wind aus dieser Richtung und so nehmen wir die Einladung der Platzbetreiber zu einem heißen Willkommenstee dankend an.

Eiszapfen signalisieren: nichts wie ab in die Wüste

Am nächsten Morgen machen die kleinen Eiszapfen, die vor dem Wasser aus den Hähnen purzeln deutlich, wie kalt diese Nacht wirklich war… Deshalb auf in Richtung Süden und Wärme.
 
Nach einer gemütlichen Überlandfahrt durch ständig wechselnde Landschaft erreichen wir Erfoud und können den Sand schon förmlich riechen. Als dann die Silhouetten der Dünenberge des Erg Chebbi am Horizont auftauchen, gibt es kein Halten mehr und wir stürzen uns in den roten Sand. Der Teil der Gruppe ohne Sanderfahrung muss schnell feststellen, dass hier andere Prioritäten herrschen… Aber nach ein paar Bergungen und einer kleinen Einweisung haben alle schnell den Bogen raus und sind mit Feuereifer bei der Sache. In der aufkommenden Dämmerung ist ein schöner Platz für die Nacht in einem Dünental schnell gefunden und standesgemäß begrüßen wir das neue Jahr am Lagerfeuer mit Sekt und Feuerwerk.
 
Auch die nächsten Tage verbringen wir im äußersten Süden, pflügen durch den Sand, durchfahren Steinwüsten aller Farben und Variationen und queren Flussbetten.
 
Aber Marokko hat noch ein Vielfaches an landschaftlichen Highlights zu bieten.
Wir richten die Kompassnadel gen Norden und erklimmen die bizarren Ausläufer des Anti-Atlas, dessen dunkle Vulkanberge zeitweise an Island erinnern und uns nahezu an jeder Biegung atemberaubende Aussichten bescheren.

Bizarre Berge, grandiose Schluchten

Auf der anderen Seite angekommen müssen wir zwar zeitweise mit Teerstraßen Vorlieb nehmen, aber die grandiose Durchfahrung der Todras-Schlucht lässt uns den unangemessenen Belag schnell vergessen. Immerhin ist der Übergang zur Dades-Schlucht noch nicht Opfer der Asphaltierung geworden. Auf mehr oder minder anspruchsvoller Piste schlängeln wir uns durch die phänomenale Landschaft bis auf 2600 Meter Höhe, um auf der anderen Seite Felsformationen zu bestaunen, die Ihresgleichen suchen: beinahe nirgends ist die Auswirkungen der Kontinentalplattenverschiebung vor Abermillionen von Jahren so anschaulich und greifbar wie hier im hohen Atlas. Den Speicherkarten der Kameras droht der Overload und auch der Rückweg nach Süden über einen anderen, nicht minder schönen Gipfel des Anti-Atlas schenkt ihnen keine Erholung.
 
 
Am Fuße der Berge angekommen haben wir zwei Alternativrouten zur Auswahl:
Eine traumhafte Piste über den hohen Atlas oder noch ein paar Tage den Sand genießen, bevor wir uns in Marrakesch dem Ende der Reise nähern.
 
Der Fahrspaß in der Wüste gewinnt bei der Abstimmung und so füllen wir in Zagora nochmals unsere Vorräte auf und los geht es zum Dünensurfen. Große und kleine Dünen, mit Steinen und ohne, Weichsandpisten und Kamelgrashügel, und am Horizont die Tafelberge, die die Grenze zu Algerien markieren – Offroadherz, was willst du mehr?
 
Nur sehr schweren Herzens trennen wir uns von diesem 4x4-Paradies, düsen in Formation über die ungewohnt plane Fläche des Lac Iriki und nehmen Kurs auf die „rote Stadt“: Marrakesch. Natürlich wählen wir hierfür eine Strecke voller weiterer landschaftlicher Highlights und nachdem wir mittels zahlloser Kurven eines spektakulären Straßenpasses abermals den hohen Atlas bezwungen haben liegt sie schon vor uns, die Perle des Orients.
Nach den vielen Tagen in der Einsamkeit der Wüste erschreckt uns das liebenswerte Chaos aus Eselskarren, Mofas, Pferdekutschen und Autos beinahe. Aber nach einer erfrischenden Dusche und Willkommenstee in unserem reizenden Hotel inmitten der Altstadt haben wir uns alle aklimatisiert und stürzen uns erwartungsfroh ins Getümmel.

Marrakech, die Einzigartige

Nach einem Bummel durch die Souks enden wir am Djemaa el Fna, dem Platz der Geköpften, dem Wahrzeichen Marrakeschs bei einem Glas frisch gepressten Orangensaft und beobachten das bunte Treiben. Wer nun aber glaubt, dieses Gewusel aus Wasserträgern, Märchenerzählern, Gauklern und Quacksalbern sei eine reine Show für Touristen, der irrt gewaltig. Denn diese Institution existiert seit Jahrhunderten und ist bis heute wichtiger Bestandteil des Alltags der Marrakeschi. Besonders für die noch immer hohe Anzahl der Analphabeten ist sie Tageszeitung, Unterhaltungsshow und Traditionsüberlieferung in einem.
 
In der Dämmerung wandelt sich das Gesicht des Platzes: Die Garküchen werden aufgebaut und schon bald ist die Luft erfüllt vom Dunst der siedenden Köstlichkeiten.
Da können und wollen natürlich auch wir nicht widerstehen und schon bald sitzen wir vor einer Vielzahl kleiner Tellerchen und Schüsselchen mit Salaten, Spießchen, Gemüse und Couscous. Einige haben danach noch immer nicht genug und gehen noch bis in die späten Abendstunden auf Schnäppchenjagd in den bunten Märkten.
 
Am nächsten Morgen müssen wir uns von denen, die aus Zeitgründen eine frühere Fähre buchen mussten, leider schon verabschieden. Mit den Verbliebenen steht zunächst ein Abstecher zu den Ouzoud Wasserfällen auf dem Programm: die größten Marokkos und äußerst sehenswert.
 
Danach erwartet uns noch eine abwechslungsreiche Piste durch und über den mittleren Atlas mit Landschaftswechseln nach nahezu jedem Hügel, von sardisch anmutenden Karstgebieten bis hin zu Waldstrecken, ähnlich den deutschen Mittelgebirgen und abschließend die Zedernwälder nahe Azrou.
 
Dann müssen aber auch wir uns langsam auf den Weg nach Tanger machen. Als unser Schiff in Richtung Genua startet, sehen wir letztmalig die arabische Inschrift auf dem Berg, hoch über dem Hafen: Gott, Vaterland und König!
 
Letztmalig? Nein, sicher nicht! Wir kommen wieder in dieses unbeschreibliche Land – Inshallah!

Ute Albersdörfer


 
 

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