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Abgasskandal

Dobrindt wirft Fiat Abgasbetrug vor

Fiat Logo, Messe, Autosalon Paris 2012 Foto: SB-Medien

Im Abgasstreit mit Fiat-Chrysler erhebt das Bundesverkehrsministerium neue Vorwürfe. Wie der Spiegel berichtet, sollen die Italiener unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselmotoren verwendet haben.

02.09.2016 Uli Baumann 6 Kommentare

Einen ersten Verdacht hatte das KBA bereits im Mai bei einem Fiat 500X geäußert. Daraufhin habe das KBA im Auftrag des Ministeriums vier weitere Fahrzeuge von Fiat-Chrysler untersucht. Dazu zählten erneut zwei Fiat 500X, ein Fiat Doblo und der Geländewagen Jeep Renegade. Wie der Spiegel meldet, sollen die Ergebnisse deutlich zeigen, dass bei allen überprüften Fahrzeugen ein qualitativ ähnliches Verhalten beim Anstieg von Stickoxidemissionen vorliege.

Bei den Prüfungen war festgestellt worden, dass die Abgasreinigung bei den Fahrzeugen jeweils nach 22 Minuten vollständig abschalte. Gerade rechtzeitig, um die Untersuchung beim offiziellen Testzyklus zu bestehen – denn der dauert 20 Minuten.

Die für die Zulassung der Fiat-Modelle zuständigen Behörden in Italien verteidigten die Genehmigung der Fahrzeuge damit, dass die Abschalteinrichtung aus Gründen des Motorschutzes verwendet werde. „Diese Ansicht (…...) kann Deutschland nicht teilen“, heißt es in einem nun bekanntgewordenen Schreiben des Bundesverkehrsministeriums aus dem August an die EU-Kommission.

Für die Bundesregierung sei damit der „Nachweis des Einsatzes einer unzulässigen Abschalteinrichtung“ erbracht, heißt es in dem Schreiben weiter. Nach Volkswagen wäre damit ein zweiter Autohersteller der Verwendung einer Manipulationssoftware überführt.

Erste Vorwürfe bereits im Mai

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat laut „Bild am Sonntag“ bereits im Mai einen Prüfbericht über angebliche Abgasmanipulationen bei Fiat Chrysler (FCA) an Behörden in Rom und Brüssel geschickt. Darin heißt es der Zeitung zufolge, dass der Autozulieferer Bosch das Amt informiert habe, dass Fiat in Fahrzeugen der besonders umweltfreundlichen Euro-Norm 6 auffällige „Software, Applikationen und Kalibrierungen“ verwende, die „möglicherweise nicht gesetzeskonform erscheinen“.

Der „BamS“ zufolge ist mit der Übersendung des Berichts an die EU-Kommission sowie an die italienische Zulassungsbehörde aus dem Vorwurf nun ein offizielles Verfahren der Europäischen Union geworden. Der Bericht trage den Titel Betreffzeile „Unzulässige Abschalteinrichtungen beim Fiat 500X“.

Einem Vorabbericht der „Bild“-Zeitung zufolge schließt das Bundesverkehrsministerium nicht aus, dem italienischen Konzern bei einer bestätigten dauerhaften Missachtung von Abgaswerten den Autoverkauf in Deutschland zu untersagen. Im schlimmsten Fall drohe der „Verlust der Typenzulassungsgenehmigung“.

Im Mai hatte Fiat einen im Bundesverkehrsministerium anberaumten Termin kurzfristig per Anwaltsschreiben abgesagt. Das Unternehmen bestand unter andrem darauf, dass für die Frage, ob Fiat-Fahrzeuge die europarechtlichen Abgas-Vorschriften einhalten, allein italienische Behörden zuständig sind. Fiat beruft sich dabei auf europäisches Verfahrensrecht und verweigert sich zunächst weiteren Gesprächen mit deutschen Behörden.

Dobrindt kritisiert Fiat

Verkehrsminister Dobrindt kritisierte den Hersteller scharf und warf ihm unkooperatives Verhalten vor. „Hier stehen konkrete Vorwürfe im Raum. Es wäre angemessen, wenn Fiat gegenüber der Untersuchungskommission dazu Stellung nehmen würde“, erklärte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in seiner Pressemitteilung.

Die Untersuchungskommission hat Zweifel, ob bei Fiat die Typgenehmigungsvorschriften eingehalten wurden. Bei Abgastests durch das KBA waren Fiat-Modelle durch erhöhte Abgaswerte aufgefallen. Die Systeme zur Abgasreinigung in den Fiat-Motoren sollen sich demnach nach 22 Minuten automatisch abgeschaltet haben. Ein standardisierter Abgastest dauert 20 Minuten.

Auffälligkeiten schon im auto motor und sport-Test

Schon bevor das Bundesverkehrsministerium jetzt wegen auffälliger Abgaswerte bei Modellen des Autokonzerns FiatChrysler die italienischen Behörden für weitere Konsequenzen einschaltete, zeigte ein Fiat-Dieselmodell auch in einer Testreihe vont auto motor und sport ungewöhnlich hohe NOx-Werte. Bei der Messung der Abgaswerte im realen Straßenverkehr stieß ein Fiat 500X mit dem 1,6-Liter-Dieselmotor trotz NOx-Speicherkat auf einer 100 km langen Testrunde 845 mg NOx pro Kilometer aus. Das ist das 10,6-fache des Grenzwertes und das mit Abstand schlechteste Ergebnis aller Euro-6-Modelle in diesem Test.

(Die offiziellen Messungen für die Zulassung eines Fahrzeugs finden allerdings unter Laborbedingungen auf einem Rollenprüfstand statt – also nicht auf der Straße.)

Im Vergleich zu einem VW Golf Diesel mit einem 2,0-Liter-Diesel, der im auto motor und sport-Test auf der Straße die niedrigsten NOx-Werte aller Dieselautos erreichte, lagen die Fiat-Werte fast sechsmal so hoch. Auch der Golf verfügt wie der Fiat 500 über einen NOx-Speicherkat.

Die höchsten NOx-Werte von 1.055 mg NOx pro km erreichte der Fiat 500X auf der Autobahn bis Tempo 130. Sehr hoch waren die NOx-Werte aber auch im Stadtverkehr mit 820 mg pro km und auf der Landstraße bei wechselnden Geschwindigkeiten und Höhenunterschieden mit 928 mg NOx pro km.

Im Test hatte auto motor und sport im November 2015 neun Fahrzeuge: Dieselmodelle von BMW, Opel, Volvo, Audi, Mercedes, Mazda, VW und Fiat sowie als Vergleichsmodell einen Ford Mondeo mit Benzinmotor.

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Neuester Kommentar

Der Herr Dobrindt soll erst mal seine eigene dreckige Wäsche waschen, bevor er auf andere zeigt!
Das scheint mir nur Ablenkungsmanöver über sein eigenes versagen zu sein, denn es sind einige hinweise an der EU und Herrn Dobrindt über Abgasmanipulation eingegangen, die wurden alle Ignoriert (Da kam wohl eine schöne Finanzspritze von der Automobillobby "man kann doch nicht die Hand beißen die einen Füttert").
Ich bin mir ziemlich sicher das VW nicht der einzige Hersteller ist der Betrogen hat, Skrupellose Manager haben durch betrug Millionen an Gewinnen erwirtschaftet um ihre überzogenen Bonnis nochmals aufstocken zu können.

Fakt ist: die Motoren hätte man Sauber Konstruieren können dafür hätte man teurere Technik verbauen müssen.
Ich sehe das als Kollektivversagen der EU, Regierung und der Justiz, denn bis heute gibt es keine Juristischen Konsequenzen für diesen Betrug (ein Grundsatz in der Justiz lautet "Unwissenheit schütz nicht vor strafe").
Das ist wieder ein guter beweis wer im Land die Fäden zieht, unsere Politiker sind nur Marionetten!

Drimus 2. September 2016, 13:46 Uhr
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