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Abu Dhabi

Sand in Sicht

Foto: 19 Bilder

Schier endlose Sandflächen, Oasen und futuristische Architektur: In Abu Dhabi verschmelzenn arabische Tradition und Moderne.
Prestigeobjekte sind Rennkamele und Luxus-Offroader. Eine Tour im Mercedes GL 500.

02.02.2007 René Olma

Die Pyramide ist nicht zu übersehen. Inmitten einer kleinen Oase, umgeben von Dattel- Palmen, thront sie in der Wüste bei Abu Dhabi auf einem Hügel neben der Autobahn. Ein Pharaonen-Grab am Persischen Golf? Nicht ganz: Zum einen ist das Gebäude nicht einmal 20 Jahre alt, zum anderen ist hier kein Mensch bestattet.

Die Pyramide gehört Scheich Hamad Bin Hamdan Al-Nahyan und beherbergt rund 200 Autos. Alle vom Scheich selbst gefahren, wenn auch zum Teil keine 1000 Kilometer weit. Der Auto-Narr kann sich von keiner Erwerbung trennen, will sie aber auch nicht in einer Garage verbergen. Also eröffnete er kurzerhand ein eigenes Museum. Selbst den Spitznamen „Regenbogen- Scheich“ verdankt er seiner Leidenschaft. In den siebziger Jahren bestellte er sieben Mercedes S-Klassen. Jede innen und außen komplett in einer Farbe des Regenbogens gehalten – für jeden Wochentag eine andere. Geld ist eben kein limitierender Faktor für ein Mitglieder der Herrscherfamilie. Glanzstück der Sammlung im doppelten Sinne: ein Dodge Pickup in Überlebensgröße – neun Meter hoch und neun Meter breit. Im Inneren beherbergt das Ungetüm ein zweigeschossiges Wohnmobil. Campen geht der Scheich, der bis zu seiner Pensionierung 20 Jahre lang Chef der königlichen Garde war, auch heute noch gern. Allerdings "am liebsten im Zelt, das ist die ursprünglichste Art“ .

Faszination des riesigen Sandkastens

Wohl wahr: Die Faszination des riesigen Sandkastens lässt sich am besten bei einer Übernachtung im Freien erleben. Wie ein Sandkorn dringen Stille und Weite in jede Ritze, schon weil die Rub al Khali-Wüste in Abu Dhabi mit mehr als 67.000 Quadratkilometer Sandfläche naturgemäß wenig touristische Infrastruktur zu bieten hat. Der Mercedes GL 500 verlässt die Autobahn und taucht ein in das gelbe Meer. Mit einem bar Luftdruck in den Reifen bewältigt der Offroader das ungewohnte Terrain, als gelte es zu beweisen, dass er nicht nur zum Flanieren taugt. Grundregel beim Sand-Fahren: vorausschauend agieren und möglichst nur da stehen bleiben, wo es abschüssig oder zumindest eben ist. Das reduziert das Risiko, sich festzufahren. Alles andere ist eine Frage des Schwungs. Doch Vorsicht: Wer beim Anstieg zu viel Gas gibt, riskiert, oben abzuheben und unsanft zu landen. Muss dann nur das Kennzeichen im feinkörnigen Untergrund gesucht werden, kann sich der Bruchpilot glücklich schätzen.

Ein Hochplateau im Sand, der im Abendlicht in Rot- und Goldtönen leuchtet, wird zum Ort für das Nachtlager. Nach Mittagstemperaturen von 37 Grad ist die Luft mit 25 Grad angenehm kühl. Jetzt ahnt man, warum die Wüste nicht nur auf die Araber eine so große Anziehungskraft ausübt. Die Stille verleiht der Landschaft einen fast meditativen Charakter. Für die einzige akustische Untermalung sorgen die Reisenden selbst, die Natur bleibt stumm. Nicht einmal ein Windsäuseln ist zu vernehmen. In dieser Einsamkeit entspannt man besser als in einem modernen Wellness-Tempel. Isomatte und Schlafsack im Sand ersetzen das Hotel. Ungefiltert soll die Natur ihre Wirkung entfalten. Die Szenerie hat fast etwas Kitschiges: Die Sterne strahlen ungestört von zivilisatorischen Lichtquellen. Im Morgengrauen leuchtet der Himmel über den Dünen blutrot. Als der GL am Vormittag wieder auf die Autobahn einbiegt, kommt Wehmut auf. Ein kurzer Stopp an der Tankstelle. Luft muss wieder in die Reifen, und auch der Tank ist fast leer. Nicht nur der Tankwart erinnert Touristen an längst vergangene Zeiten: Mit Spritpreisen von rund 25 Cent pro Liter ist der Stopp an der Zapfsäule im Emirat fast ein Vergnügen – gerade mit einem 5,5-Liter-V8 unter der Motorhaube.

Rund 400 Kilometer sind es bis Al Ain. Die alte Hauptstadt, im Osten des Emirats direkt an der Grenze zu Oman gelegen, gibt einen Einblick in die Geschichte des Landes. Die erste Begegnung ist jedoch ein Kulturschock: Wer sich eine Oasenstadt wie aus einem Karl-May-Roman mit roten Lehmmauern, Bewässerungskanälen und Dattelpalmen vorstellt, wird eines Besseren belehrt. Moderne Architektur dominiert Al Ain. Noch bis ins vergangene Jahrhundert hinein lebten die meisten Araber als Nomaden, folglich gibt es nur wenige historische Gebäude. Lediglich mitten im Stadtkern hat die alte Oase überdauert. Zwar werden die Palmenhaine bis heute bewirtschaftet – das ist schon eine Frage der Tradition –, aber die Datteln dienen nicht mehr den Menschen als Grundnahrungsmittel: Vermischt mit der salzigen Dromedarmilch ergeben sie Kraftfutter für Rennkamele.

Kraftfutter für Rennkamele

 Am Rande von Al Ain wird seit 2000 Jahren um die Wüstentiere gefeilscht. Auf dem 50 Hektar großen Kamelmarkt stehen aber nicht die bis zu einer Million Euro teuren Athleten aus den Stallungen der Scheichs. Hier warten tausende Höckertiere der Preisklasse zwischen zwei und 400 Euro auf einen Abnehmer. Diese Kamele sind Milch- und Fleischlieferanten. Zu feierlichen Anlässen gehört die geschmacklich an Rind erinnernde Spezialität auf jeden arabischen Tisch. Die Einheimischen, meist bekleidet mit den traditionellen weißen Gewändern namens Dishdasha, auf dem Kopf den Turban oder das von einer schwarzen Kordel gehaltene Kopftuch Kafiya, treten in dem Gewusel souverän als Bosse auf. Im Range Rover cruisen sie auf den Pfaden zwischen den Pferchen und sehen nach ihrem Besitz.

Mit Arbeit belastet sich kaum ein Araber. Dafür sind billige Gastarbeiter aus Pakistan oder Afghanistan da. Abu Dhabi ist das reichste und größte der sieben Vereinigten Arabischen Emirate. Großzügige Zuwendungen an die Untertanen sichern zu einem großen Teil deren Lebensunterhalt.

Die Macht im Staat liegt, wie schon seit Generationen, in der Hand der einflussreichen Familienclans. Ihre gesellschaftliche Stellung erkennt man leicht an den Autokennzeichen: je weniger Stellen, desto wichtiger der Fahrer. Bei nur zwei Zahlen machen Landeskenner auf der Überholspur zügig Platz. Immerhin: Elefanten-Rennen sind hier ein Fremdwort. Zwischen Al Ain und der Hauptstadt werden Lkw auf eine eigene Trasse verbannt. Auf allen anderen Straßen gilt für Laster striktes Überholverbot, seit sich ein Scheich von der Behinderung durch Brummis gestört fühlte. Wer trotzdem ausschert, wird des Landes verwiesen. Und den Job hinterm Steuer riskiert kein Gastarbeiter leichtsinnig. In Abu Dhabi City steht der Mercedes GL dann zwischen Premium-Autos und Wolkenkratzern im Stau. Schuld sind die zahlreichen Baustellen.

Die Baubranche boomt. An der Küstenstraße reiht sich ein Hotel ans andere. Man merkt, dass die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate nicht gewillt ist, touristisch länger im Schatten des kleinen Nachbarn Dubai zu stehen. Das Hotel Emirates Palace unterstreicht diesen Anspruch. Ein 100 Hektar großer Park umgibt das einen Kilometer lange Sechs-Sterne-Hotel. Für jeden Gast steht ein eigener Butler zur Verfügung. Als Shuttle-Fahrzeuge dienen Maybach und Rolls-Royce. Selbstfahrer bekommen den Parkplatz nicht zu Gesicht: Am Eingang wird der Schlüssel abgegeben, das Personal erledigt selbstverständlich den Rest. Ein Hang zum zügigen Fahren ist den Hotelangestellten nicht fremd: Der bei der Abgabe noch halbvolle Wasserkanister im GL-Fußraum, ein Andenken an den Wüstenausflug, ist bei der Abfahrt leer. Dafür ist der Teppich im Wagen triefend nass. Nicht auszudenken, wenn ihnen das bei einem Auto eines gestrengen Scheichs passiert wäre.  

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