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ADAC

Gelb-Angelegenheiten

Foto: HPS 6 Bilder

Der ADAC kümmert sich jetzt verstärkt um die Belange der Klassiker. In welche Richtung steuert der deutsche Arm des Weltverbands FIVA?

22.07.2008 Malte Jürgens Powered by

Albert Kockelmann spricht Klartext: "Der ADAC möchte, dass Oldtimer auch in Zukunft auf allen Straßen fahren dürfen, die für den öffentlichen Verkehr freigegeben sind, national und international." Der aus der Eifel stammende Bereichsleiter betreut beim ADAC in München die ADAC Oldtimer-Sektion.

Dass der Allgemeine Deutsche Automobil- Club über die deutschen Grenzen hinaus Richtung Brüssel blickt, zeugt von weiser Voraussicht. Nicht mehr deutsche, vielmehr europäische Interessen werden künftig über Wohl oder Wehe der klassischen Fahrzeuge entscheiden. Der ADAC hat das Ohr dabei traditionell dicht am Puls der Politik: Das Berliner Büro beschäftigt drei Vollzeitmitarbeiter, die eng mit dem Bund-Länder-Ausschuss und den Ministerien zusammenarbeiten. Dort nämlich werden jene Vorlagen erarbeitet, über die der Bundestag dann abstimmt.

Mitglieder forderten mehr Aufmerksamkeit für Oldtimer

Johann König, rechte Hand Kockelmanns und als Delegierter des Mammut- Clubs auf einschlägigen Oldtimer-Veranstaltungen vor Ort, definiert das Oldtimer-Engagement des ADAC ebenfalls grundsätzlich: "Wir setzen uns mit allen Kräften dafür ein, dass ein zentraler Konsens in unserer Gesellschaft erhalten bleibt - klassische Fahrzeuge sind ein technisches Kulturgut und verdienen es, dass man sich ihnen gegenüber tolerant verhält. Die Gesetzgebung muss das wohlwollend berücksichtigen, denn die Oldtimer sind bedeutender Wirtschaftsfaktor und sichern viele Arbeitsplätze."

Kritiker werfen dem ADAC mit seinem Rückhalt von über 16,4 Millionen Mitgliedern vor, dass er sich erst seit kurzem um die Belange der Oldtimer-Besitzer und -Fahrer kümmere. Kockelmann kontert: "Wir haben die Belange der Klassiker seit eh und je wahrgenommen, zusammen mit den Interessen aktueller Fahrzeuge. Unsere Musterklage gegen die Feinstaubzone in Berlin, die voraussichtlich Ende des Jahres entschieden wird, betrifft sowohl Oldtimer-Fahrer als auch die Fahrer modernerer Autos ohne die entsprechende Plakette." König ergänzt: "In Zusammenarbeit mit dem VDA und dem ZDK ist es dem ADAC durch intensive Lobbyarbeit gelungen, dass Oldtimer mit H-Kennzeichen oder 07er-Kennzeichen von Fahrverboten befreit sind."

2002 entschied der ADAC auf höchster Ebene, sich vermehrt um das Thema Oldtimer zu kümmern. Kockelmann begründet: "Dieser Beschluss wurde nötig, weil immer mehr unserer Mitglieder kamen und Beratung brauchten in Sachen Oldtimer-Zulassung, -Technik und -Historie. Von außen hat man damals die Oldtimer-Kompetenz gar nicht gesehen, die der 1903 gegründete ADAC aber schon seit Jahrzehnten besitzt."

Die Aktivitäten des ADAC auf historischem Gebiet sind inzwischen erstaunlich vielfältig: Der ADAC Oldtimer-Ratgeber erschien eben in einer druckfrischen Neuauflage. Der im Internet veröffentlichte ADAC-Terminkalender umfasst über 300 Oldtimer-Veranstaltungen, und es gibt bundesweite Pokalserien wie etwa den ADAC Classic-Revival-Pokal.

Die Geschäftsstellen halten ein Landkartenset mit attraktiven Tourenvorschlägen innerhalb und außerhalb Deutschlands bereit, im Internet erscheint regelmäßig ein Oldie-Newsletter, und mit der Trentino Classic und der Moto Classic bekamen Autos und Motorräder eigene Rallyes. Fahrertrainings und eine eigene Oldtimer-Versicherung runden das ADAC-Angebot ab.

Neben den Experten der Münchner Zentrale in den Fachbereichen Technik, Touristik, Verkehrspolitik, Verkehrsrecht und Sport gibt es in jedem ADAC-Regionalclub einen ehren- sowie einen hauptamtlichen Oldtimer-Beauftragten. König: "Im ADAC sind rund 1.850 Ortsclubs und Korporativclubs organisiert. Etwa 300 davon haben sich überwiegend oder sogar ausschließlich der Oldtimerei verschrieben." Über diese Clubs, die Versicherungen und Veranstaltungen konnte die Anzahl der Oldtimer-Mitglieder unter den aktuell 16,4 Millionen hochgerechnet werden - der Fédération Internationale des Véhicules Anciens (FIVA) wurden 98.000 Mitglieder gemeldet.


FIVA-Pässe: ADAC will Preise deutlich senken

Ab 1. Oktober ist der ADAC neue nationale Autorität des in Paris residierenden Weltverbands mit dem Auftrag, in Deutschland die FIVA-Pässe auszustellen. Die definieren Technik, Historie und Authentizität eines Fahrzeugs, sind bei Veranstaltungen wie in Pebble Beach oder der Mille Miglia vorgeschrieben, kosten derzeit aber bis zu 400 Euro pro Pass.

Kockelmann: "Wir werden uns bei der Preisgestaltung an den europäischen FIVA-Clubs orientieren. Den absolut überhöhten Preis von 400 Euro pro Pass wird es beim ADAC nicht mehr geben."

Das ist ein Wort, doch wo nimmt der ADAC ab 1. Oktober auf einen Schlag die dafür notwendigen Sachverständigen her? Kockelmann: "Wir möchten in den Markenclubs eng mit den Typreferenten zusammenarbeiten. Die sind ohnehin in den meisten Fällen registrierte FIVA-Prüfer, die ihr Gutachten dann an uns senden. Auch für das Passwesen haben wir bereits einen neuen Mitarbeiter gewinnen können und ich kann mir nicht vorstellen, dass der ADAC damit plötzlich überfordert sein sollte."

Zur Größenordnung: 2007 wurden in Deutschland rund 160 FIVA-Pässe ausgestellt. Von den rund 150.000 Oldtimern im Land fahren bisher nur etwa 3.000 mit FIVA-Pass.

Auch die FIVA-Veranstaltungen sind hierzulande noch in der klaren Minderzahl: Von rund 1.300 deutschen Oldtimer- Events laufen in diesem Jahr nur zwölf als FIVA-A- oder B-Veranstaltung. König setzt sich ein klares Ziel: "Wir müssen eine praktikable Lösung erarbeiten, um die FIVA-Botschaft mehr Oldtimer- Freunden nahezubringen."

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